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International Das Puzzle des grössten Wettskandals

Der grösste Wettskandal aller Zeiten erschüttert den internationalen Fussball, sagt Europol. Zwischen 2008 und 2011 sollen 380 Spiele manipuliert worden sein. Weitere 300 sind verdächtig. Auch die Schweiz ist betroffen.

Legende: Video «Der Wettskandal» abspielen. Laufzeit 2:43 Minuten.
Vom 04.02.2013.

Was Europol in Den Haag bekanntgegeben hat ist zwar nicht gänzlich neu, das Ausmass überrascht dennoch. Die europäische Polizeibehörde hat den weltweit grössten Wettskandal der Fussball-Geschichte aufgedeckt.

Zwischen 2008 und 2011 sollen 380 Spiele manipuliert worden sein. Das gab die europäische Polizeibehörde in Den Haag bekannt. In 300 weiteren Fällen laufen noch die Ermittlungen.

Zu den bereits geklärten 380 Fällen gehören auch die manipulierten Spiele des Wettpaten Ante Sapina. Dieser war dafür vom Bochumer Landgericht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Schiebung auf allen Ebenen

Laut Europol sollen insgesamt 425 Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre und Kriminelle in den Manipulationen der vergangenen Jahre involviert gewesen sein. Die Namen der Verdächtigen wollte Europol-Direktor Rob Wainwright mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Es geht um Spiele aus europäischen Top-Ligen. Auch zwei Partien der Champions League sollen manipuliert worden sein. Ein Spiel davon habe in England stattgefunden. Partien der WM- und EM-Qualifikation stünden auch unter Manipulationsverdacht.

Die drei am stärksten betroffenen Nationen im Wettskandal sind die Türkei mit 79, Deutschland mit 70 und die Schweiz mit 41 verdächtigen Spielen. Auf Anfrage von SRF News Online bestätigte Europol-Mediensprecher Gerald Hesztera diese Zahl.

Aus Schweizer Sicht war die Europa-League-Begegnung FC Basel gegen ZSKA Sofia im 2009 auffällig geworden.

Keine neuen Verdachtsfälle in der Schweiz

Auch im Schweizer Fussball soll es zu Manipulationen gekommen sein. Da aber auch hier keine Namen genannt wurden, hält sich der Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), Peter Gilliéron, mit einer Bewertung zurück. «Wir brauchen Fakten und Beweise, damit wir als Verband überhaupt tätig werden können», sagte er zu SRF.

Die Bundesanwaltschaft in Bern reagierte gelassen auf die Neuigkeiten aus Den Haag. Jacqueline Bühlmann, Stellvertretende Mediensprecherin, zu SRF: «Soweit die Schweiz betroffen ist, handelt es sich um der Bundesanwaltschaft bereits bekannte Spiele, welche zum Teil im letzten Herbst zur Anklage in Bellinzona geführt haben.»

Organisierte Kriminalität

«Das ist ein trauriger Tag für den europäischen Fussball. Für uns steht fest, dass es sich um den grössten Fall aller Zeiten in diesem Bereich handelt. Die Manipulationen haben einen Stand erreicht, wie wir ihn noch nie hatten», sagte Wainwright, der seinen brisanten Bericht der Europäischen Fussball-Union (Uefa) übergeben wird: «Wir konnten zum ersten Mal beweisen, dass die organisierte Kriminalität in der Fussballwelt operiert.»

Die Betrüger sollen den gemeinsamen Untersuchungen von Europol und den nationalen Strafverfolgungsbehörden zufolge mit den Manipulationen mindestens acht Millionen Euro eingestrichen haben. Das sei aber wohl nur die Spitze des Eisbergs, sagte Friedhelm Althans, der Leiter der Ermittlungskommission «Flankengott» von der Bochumer Polizei. Pro Spiel seien bis 100'000 Euro an Bestechung geflossen. Namen von Spielern und Vereinen wollte Europol zunächst nicht nennen.

Wenig Risiko für die Betrüger

Wettbetrug wird nach Ansicht von Althans immer interessanter für international agierende Banden. Daher rechnet er damit, dass Manipulationen im internationalen Profi-Fussball zunehmen werden. «Es gibt hohen Profit bei geringem Risiko», sagte er an dem Medienanlass von Europol.

Für den ehemaligen Fifa-Funktionär Guido Tognoni ist nicht die Tatsache des Betrugs die Überraschung, sondern das Ausmass. «Im Radsport gibt es Betrüger, beim Boxen gibt es absichtlich verlorene Kämpfe, aber hier sind Schiedsrichter und Funktionäre involviert. Die gesamte Dimension ist das erschreckende an diesem Wettskandal», sagt Tognoni in der Sendung «10vor10».

Legende: Video «Der ehemalige Fifa-Funktionär Guido Tognoni zum Wettskandal.» abspielen. Laufzeit 3:13 Minuten.
Vom 04.02.2013.

16 Kommentare

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  • Kommentar von S. Nogler, Bever
    öffentliche Sportwetten mit Geldeinsätze und Preise sollten sofort verboten werden, nur so lässt sich dieses Problem beheben!
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    1. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      Wäre eine gute Idee... kann mir jedoch nicht vorstellen, dass das realisierbar ist, da ja die jeweiligen Staaten daran verdienen (Steuern)!
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  • Kommentar von Walter Ineichen, Beckenried
    und da gibt es sogar einen Bundesrat, der beschissene Doping Spiele mit 1000 Millionen Franken unseres hart verdienten Geldes sponsern will.
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  • Kommentar von Mischa Schäublin, Bretzwil
    Jetzt wird mir so einiges klar. In der letzt jährigen Champions-League kampagne brauchte Olympique Lyon einen Sieg gegen Zagreb mit mehr als fünf Toren vorsprung um die Achtelfinal zu erreichen und welch ein Zufall, es gelang ihnen. In diesem Jahr war es das Spiel zwischen Man City und Ajax als der Schiedsrichter derart falsch und katastrophal pfiff, wie ich es zuvor noch nie gesehen habe. Wie bereits schon erwähnt kommen scheinbar Dopingfälle oder Manipulationen nicht nur im Radsport vor...
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