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International «Das Risiko eines Militärputsches in Thailand ist gering»

Die thailändische Opposition wollte am Sonntag die Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra aus dem Amt jagen. Es wurde ein Tag voller Strassenschlachten. Nun ist der Tag vorbei – und die Ministerpräsidentin ist noch immer im Amt. Ist die Krise für sie damit überstanden?

Legende: Video «Gewalt bei thailändischen Protesten» abspielen. Laufzeit 1:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.12.2013.

In Thailand schlagen die Proteste der Regierungsgegner zunehmend in Gewalt um. Zehntausende Demonstranten setzten zum Sturm auf mehrere staatliche Einrichtungen an. Heute hätte die Opposition die Regierung stürzen wollen. Fernost-Korrespondent Urs Morf beurteilt die Situation in Thailand.

Hat die Ministerpräsidentin die Krise mit dem heutigen Tag überstanden?

Nein, nicht wirklich, überstanden hat sie die Krise nicht. Yingluck ist heute auch nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten. Ein geplanter Auftritt bei einer Pressekonferenz musste sie absagen, weil die Polizeistation belagert wurde, in der sie die Pressekonferenz abhalten wollte. Sie ist noch im Amt, aber man muss die Entwicklung beobachten.

Angeführt wird die Opposition vom ehemaligen Vizeministerpräsidenten, der für das gewaltsame Vorgehen der damaligen Regierung gegen Demonstranten im Jahr 2010 mitverantwortlich ist. Wie viel Unterstützung geniesst er in der Bevölkerung?

Das kommt drauf an, wen man fragt. Im mittleren Süden, wo er herkommt und auch bei Teilen der wohlhabenden Hauptstädter, also bei der oberen Mittelklasse und bei der Aristokratie, da kommt er sehr gut an. Gerade, weil er auch ziemlich antidemokratische Ansichten vertritt. Aber beim aufgeklärten Mittelstand und bei der Unterschicht, da kommt er überhaupt nicht gut an. Für viele von diesen Leuten ist er ein rotes Tuch.

Thailand hat schon mehr als ein Dutzend Militärputsche erlebt. Ist ein Putsch erneut ein wahrscheinliches Szenario?

Ein Militärputsch ist in Thailand nie ganz auszuschliessen, aber dieses Mal ist das Risiko gering. Ein Teil der Bewegung versucht jedoch genau das zu bewirken, indem sie Chaos sähen. In der Vergangenheit haben häufig die Militärs eingegriffen, wenn die Situation chaotisch wurde. Doch seit dem letzten Putsch 2006, als der Bruder der jetzigen Regierungschefin aus dem Amt geputscht wurde, haben die Militärs eine Lektion gelernt. Sie können zwar eine Regierung beseitigen, aber sie können dann in der Regel selber keine bessere installieren. Ich denke, vorläufig werden die Militärs versuchen, sich aus dem Tagesgeschehen zurückzuhalten.

Legende: Video «Worum es im Konflikt geht» abspielen. Laufzeit 1:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.12.2013.
Was ist in den nächsten Tagen zu erwarten? Kommt Thailand zur Ruhe?

Vorläufig wohl kaum. Die Universitäten und Schulen werden morgen geschlossen bleiben. Offensichtlich ist die Situation noch zu brenzlig. Andererseits werden beide Lager versuchen müssen, in den nächsten zwei drei Tagen wenigstens vordergründig eine friedlich Fassade aufzubauen und etwas Ordnung nach Bangkok zu bringen, denn am Donnerstag steht der Königsgeburtstag bevor und der König wird von allen Teilen der Bevölkerung immer noch verehrt. In Thailand darf man um diesen Tag herum keine Protestaktionen durchführen.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Nun es wäre wohl nicht die schlechteste Lösung, denn wie in Aegypten und anderen Staaten ist eine Regierungsbildung aus Privatinteressen und Machtgier kaum demokratisch abzuwickeln. Der Bildungsstand der grossen Massen ist zu tief, und nun da die Reisbauern weniger Geld bekommen für ihr Reis und die Preise um 12 % gestiegen sind, ist die Verägerung des Volkes verständlich. Die Mehrheit glaubt nicht mehr an die Versprechungen des Taxin Klans.
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