Das sind die aktuellen Brennpunkte der Flüchtlingskrise

Immer mehr Staaten riegeln wegen den Flüchtlingen ihre Grenzen ab. Über die Balkanroute kann man derzeit praktisch nicht mehr nach Westeuropa gelangen. Das führt an den Grenzübergängen zu Aufständen und humanitären Katastrophen.

Brennpunkte der Flüchtlingskrise

    • 1.
      Türkisch-syrische Grenze
      Die Lage im syrisch-türkischen Grenzgebiet ist dramatisch. Fast 100'000 Menschen flüchteten vor den Bombenangriffen auf die Millionenstadt Aleppo. Jetzt stehen die Menschen am Grenzübergang zur Türkei. Doch Staatschef Recep Tayyip Erdogan will sie nicht ins Land lassen.
      Verzweifelte Flüchtlinge beim Grenzübergang Bab al-Salama - Oncupinar.

      Bildlegende: Verzweifelte Flüchtlinge beim Grenzübergang Bab al-Salama - Oncupinar. Keystone

      «Es ist eine Tragödie», sagte die Journalistin Luise Sammann in Istanbul gegenüber Radio SRF. Die Temperaturen lägen nachts unter dem Gefrierpunkt. «Viele Flüchtlinge haben nichts mitnehmen können.» Die Vertriebenenlager sind völlig überfüllt. Das Gesundheitssystem steht vor dem Zusammenbruch. Die Grenzschliessung der Türkei hat taktische Gründe: Erdogan will eine Flugverbotszone in Syrien einführen, um die Menschen dort zu schützen. Die syrische Regierung und die russische Schutzmacht lehnen die Schutzzone jedoch ab.

    • 2.
      Griechisch-mazedonische Grenze
      Es ist das Nadelöhr auf der Balkanroute nach Mitteleuropa: Der Übergang Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. Nach einem Aufstand wurde die Grenze teilweise geschlossen.
      Schlange stehen in Idomeni.

      Bildlegende: Die griechische Polizei hat begonnen, das provisorische Flüchtlingslager in Idomeni zu räumen. Keystone

      Seit einer Woche lässt Mazedonien – wenn überhaupt – nur noch Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak ins Land. Das verärgert die vielen afghanischen Flüchtlinge. Sie besetzten kurzerhand das Bahntrassee an der griechisch-mazedonischen Grenze und stoppten den Bahnverkehr. Daraufhin intervenierte die griechische Polizei und führte die Flüchtlinge nach Athen zurück. «Es ist eine einigermassen unübersichtliche Situation» sagte Journalist Dirk Emmerich gegenüber Radio SRF 4 News. «Viele Afghanen begreifen nicht, warum es Flüchtlinge erster und zweiter Klasse gibt.» Am Übergang Idomeni harren derzeit noch rund 4000 Menschen aus. In Griechenland warten 20'000 Flüchtlinge auf die Weiterfahrt.

    • 3.
      Libysche Mittelmeerküste
      Libyen ist das wichtigste Durchgangsland für Flüchtlinge vom Süden nach Europa. Momentan warten nach UNO-Schätzungen rund 250'000 Flüchtlinge auf die Überfahrt.
      Mitarbeiter vom Roten Kreuz bergen eine Leiche an der libyschen Mittelmeerküste.

      Bildlegende: Mitarbeiter vom Roten Kreuz bergen eine Leiche an der libyschen Mittelmeerküste. Keystone

      Entlang der Balkanroute wird ein Durchkommen nach Westeuropa immer schwieriger. Deshalb wird der gefährliche Seeweg über das Mittelmeer für viele Migranten wieder zur Option. Im Frühling, wenn die See wieder ruhiger ist, werden in Süditalien wieder Hunderte kleine Flüchtlingsboote erwartet. 250'000 Flüchtlinge warten derzeit an der libyschen Mittelmeerküste auf die Überfahrt. Für viele von ihnen war der Weg nach Libyen bereits äusserst beschwerlich. Die Flüchtlingskrise in Afrika führte zu einem tödlichen Boom der organisierten Kriminalität. «Nach vorsichtigen Schätzungen sind über eine Million Menschen in der Sahara ums Leben gekommen», sagte unlängst der deutsche Staatssekretär für Entwicklung, Thomas Silberhorn.

    • 4.
      Calais
      Der Dschungel von Calais – ein grosses, slum-ähnliches Flüchtlingslager in der Nähe des Eurotunnels: Mehrere Tausend Menschen warten dort auf die Chance, nach Grossbritannien zu gelangen. Die Zustände in den Hütten sind äusserst prekär.
      Die Menschen in Calais hausen in einfachsten Zelten und Hütten.

      Bildlegende: Die Menschen in Calais hausen in einfachsten Zelten und Hütten. Keystone

      Schlechte hygienische Zustände, Unsicherheit und Gewalt: Die Zustände im Flüchtlingslager von Calais werfen ein schlechtes Licht auf Frankreich. Jetzt hat die französische Justiz reagiert und grünes Licht für eine Teilräumung des Lagers gegeben. Das ruft wiederum Kritiker auf den Plan, die monieren, dass mit der Räumung das Problem nur verlagert werde. In Belgien befürchtet man, dass ähnliche Lager entstehen könnten. Deshalb hat Belgien wieder Grenzkontrollen eingeführt. «Das Zeltlager in Calais wird nicht zum ersten Mal geräumt», sagt SRF-Korrespondent Charles Liebherr. «Es dauert jeweils nur ein paar Wochen, zum Teil sogar nur Tage, und alles beginnt wieder von Neuem.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Griechenland empört über Balkanpolitik

    Aus Tagesschau vom 25.2.2016

    Der griechische Premierminister Alexis Tsipras zeigt kein Verständnis für die restriktive Flüchtlingspolitik der Balkanstaaten. Er droht, die Entscheide der EU künftig zu blockieren.

  • EU berät erneut über Flüchtlinge

    Aus Tagesschau vom 25.2.2016

    In Brüssel beraten die EU-Innenminister einmal mehr über die Flüchtlingskrise. Besonders der Alleingang gewisser Staaten bedroht eine Einigkeit.