Das sind die drei Favoriten

Acht Kandidaten buhlen um die Nachfolge des afghanischen Präsidenten. Eine Frau ist nicht dabei. Realistische Wahlchancen haben nur drei der Bewerber.

Unter den acht Präsidentschaftskandidaten gelten Karsais langjähriger Rivale Abdullah Abdullah, der renommierte Intellektuelle Aschraf Ghani und der frühere Aussenminister Salmai Rassul als Favoriten.

Alle drei haben angekündigt, das Sicherheitsabkommen mit den USA zu unterzeichnen, das Voraussetzung für einen kleineren Nato-Einsatz zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte ab 2015 ist. Karsai hatte die Unterschrift trotz Appellen aus dem In- und Ausland verweigert.

Das sind die Favoriten:

  • Abdullah Abdullah

Der Ex-Aussenminister schaffte es 2009 in die Stichwahl gegen Karsai, auf die er dann aber wegen angeblich massiven Wahlbetrugs verzichtete. Er studierte Medizin an der Universität Kabul und arbeitete bis 1985 als Augenarzt. Ein Jahr später schloss er sich dem antisowjetischen Widerstand an und wurde Berater des 2001 ermordeten Guerilla-Anführers Ahmed Schah Masud, der von vielen Afghanen als Volksheld verehrt wird.

Abdullah spielte eine entscheidende Rolle in der Allianz, die den US-Truppen dabei half, die Taliban nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu entmachten. Abdullah ist zur Hälfte Paschtune. Er setzt sich aber vorwiegend für die Anliegen afghanischer Tadschiken ein, die die zweitgrösste Bevölkerungsgruppe Afghanistans bilden.

  • Aschraf Ghani Ahmadsai

Der in den USA ausgebildete Anthropologe zählt zu den bekanntesten Intellektuellen Afghanistans. Er bewarb sich bereits 2009 um das Präsidentenamt. Damals erhielt er etwa vier Prozent der Stimmen. Er verbrachte fast ein Vierteljahrhundert im Ausland, wo er u.a. als Akademiker in den USA und in Dänemark arbeitete. Wenige Monate nach den Anschlägen vom 11. September trat er von seinen internationalen Ämtern zurück, um nach dem Sturz der Taliban Berater Karsais zu werden. Seitdem hatte er mehrere Posten in der Regierung inne, unter anderem den des Finanzministers.

Ghani ist Paschtune und damit Mitglied der grössten Bevölkerungsgruppe in Afghanistan. Umstritten ist sein Entscheid, den usbekischstämmigen ehemaligen Warlord Abdul Raschid Dostum als Vizepräsidentschaftskandidaten aufzustellen.

  • Salmai Rassul

Der ehemalige Aussenminister zählt zu den engsten Vertrauten Karsais, für den er auch als Sicherheitsberater arbeitete. Rassul gilt als ruhig und zurückhaltend. Kritiker werfen ihm vor, nicht durchsetzungsstark und unabhängig genug zu sein, um mit der alten Regierung zu brechen. Ihr werden Korruption und Ineffizienz vorgeworfen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Afghanistan wählt Präsidenten

    Aus Tagesschau vom 4.4.2014

    In Afghanistan geht der Wahlkampf um das Präsidentschaftsamt in den Endspurt. Es soll die erste geordnete Machtübergabe in der Geschichte des Landes stattfinden. Acht Kandidaten wollen als Staatsoberhaupt den Vielvölker-Staat, nach Abzug der Nato-Truppen, zusammenhalten. Wer auch immer gewählt wird, er wird vor eine schwierige Aufgabe gestellt.