Globaler Schifffahrt-Boom Das sind die fünf Gründe, warum immer mehr Leute an Bord wollen

Kreuzfahrtschiff mit aufgemalten glücklichen Gesicht

Bildlegende: Mit gutem Marketing werden bei Kreuzfahrten Angstgedanken von Passagieren verscheucht. Keystone

Kreuzfahrten sind beliebt. Tourismusexperten sprechen sogar von einem globalen Boom. Was steckt hinter diesem Schifffahrt-Trend? Tourismusexperte Thorsten Merkle vom Institut für Tourismus und Freizeit an der HTW Chur nennt fünf entscheidende Gründe.

1. Angst vor Terroranschlägen: Weit weg vom «gefährlichen» Festland

«Von Terroranschlägen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes hat man seit 1985 – beim Fall Achille Lauro – nicht mehr gehört», sagt Tourismusexperte Merkle. Diese seien auch schwieriger zu bewerkstelligen als an Land. Dadurch haben offenbar vielen Leuten das Gefühl, dass das Schiff ein besonders sicheres Transportmittel ist – obwohl es auch in der Kreuzfahrt keine 100-prozentige Garantie gibt. «Die ohnehin geringe Wahrscheinlichkeit für einen Schiffbruch oder einer Monsterwelle wird aber bald ausgeblendet», sagt Merkle. Das Sicherheitsgefühl wird zudem an Bord durch konkreten Notfallübungen weiter verstärkt.

2. Imagewandel dank starkem Marketing: Nicht nur für Omis und Opis

Singles, Shopping-Queens, Familien: Heute gibt es für praktisch alle spezielle Kreuzfahrten. Das Marketing von Kreuzfahrtschiffen versucht also, eine sehr breite Konsumentengruppe anzusprechen. «Kreuzfahrten verlieren dadurch immer mehr das verstaubte Image von Senioren-Ferien», sagt Merkle.

3. Das Produkt wird weiterentwickelt: Immer grösser, schöner, besser

Nicht nur das Marketing wurde besser, sondern auch das Produkt. Dies hat laut Merkle generell mit der Produktentwicklung im Tourismus zu tun. Die Schiffe werden immer grösser und sind immer besser ausgestattet, da die Ansprüche der Reisenden auch stetig wachsen.

4. Anbieter nehmen zu, Preise sinken: Schnäppchenjäger auf hoher See

Das Angebot an Kreuzfahrten nimmt zu, genauso wie die Anbieter. Darunter sind auch Billiganbieter. Kreuzfahrten sind heute dadurch auch mit kleineren Budgets möglich. Vor allem Mittelmeerstrecken. Diese Kurzschifffahrten sind laut Merkle auch besonders beliebt. «Einerseits, weil sie generell güngstiger sind, anderseits wegen dem Sicherheitsbedürfnis. Immer weniger wollen heute noch in politisch instabilen Ländern wie die Türkei oder Ägypten reisen.»

5. Doch auch die Senioren: Jungegebliebene wollen bequem reisen

«Die Bevölkerung wird immer älter, verfügt aber über mehr finanzielle Mittel, die sie auch nutzt», sagt Merkle. Senioren haben Zeit zu reisen und tun dies offenbar besonders gerne mit Kreuzfahrtschiffen. Bereits die Anfahrt ist praktisch: Viele Hafen sind ohne lange Flugreise erreichbar. Einmal an Bord, ist man jeden Tag an einem anderen Zielort, muss die Unterkunft aber nie wechseln.

Die Schweiz ist kein Kreuzfahrerland

Der Kreuzfahrtentrend hat besonders ins Südostasien zugenommen. Nach den neusten Zahlen vom deutschen Statistik-Portal Statista waren im 2015 140'000 Schweizer Kreuzfahrt-Passagiere unterwegs. Dies entspricht etwa 1,4 Prozent der Bevölkerung – leicht weniger als im 2014. In Deutschland ist der Anteil von 2,2 Prozent (1,8 Mio. Passagiere) fast doppelt so hoch. Laut Merkle hat letzteres vermutlich mit den durchschnittlich günstigeren Preisen zu tun, aber auch mit dem direkten Zugang zum Meer.

Thorsten Merkle

Porträt Thorsten Merkle

ZVG

Tourismusexperte Dr. Thorsten Merkle ist an der HTW Chur Studienleiter des «Bachelor of Science in Tourism».

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