Das sind die Kritikpunkte des Papstes

Wurde der Vatikan gehackt? Verwundert nehmen nicht nur Experten die Äusserungen des Papstes in den letzten Monaten zur Kenntnis. Auch in seiner jüngsten Enzyklika zur Situation der Umwelt findet das Kirchenoberhaupt wieder einmal klare Worte. Doch dafür gibt es nicht nur Applaus.

Der Papst wird gefeiert.

Bildlegende: Papst Franziskus: Auch Nicht-Katholiken stehen ihm positiv gegenüber – nicht zuletzt wegen seiner offenen Worte. Keystone

Die wichtigsten Punkte der Papst-Enzyklika:

  • Klimawandel eine der wichtigsten Herausforderung der Gegenwart
  • Konsum und Verschwendung überfordern Kapazität des Planeten
  • Politik unterwirft sich dem Finanzwesen zu Lasten der Umwelt
  • rasantes Wachstum geht auf Kosten der Ärmsten
  • übermässige Nutzung sozialer Netzwerke ist geistige Umweltverschmutzung

Papst Franziskus hat in seiner neuen Enzyklika Konsumrausch, Umweltzerstörung und eine Unterwerfung der Politik unter die Wirtschaft angeprangert. «Niemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten», erklärt der Papst in seinem Weltrundschreiben «Laudato si».

Die Erde scheine sich in eine «unermessliche Mülldeponie» zu verwandeln. «Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann», heisst es in der ersten Enzyklika, die Franziskus alleine geschrieben hat.

Wachstum der Reichen auf Kosten der Armen

Angesichts des Klimawandels ging das Oberhaupt von weltweit rund 1,2 Milliarden Katholiken hart mit Politik und Wirtschaft ins Gericht. «Die Unterwerfung der Politik unter die Technologie und das Finanzwesen zeigt sich in der Erfolglosigkeit der Weltgipfel über Umweltfragen», erklärt der 78-Jährige.

Mit Blick auf die Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris schreibt er, es sei dringend geboten, Programme zu entwickeln und den Ausstoss von Kohlendioxid drastisch zu reduzieren. Der Klimawandel sei «eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit».

Das rasante Wachstum in reichen Ländern gehe vor allem auf Kosten der Armen, schreibt der Papst. «Wir wissen, dass das Verhalten derer, die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde leben können, unvertretbar ist.» Er rief dazu auf, das Wachstum zu verlangsamen.

«Darum ist die Stunde gekommen, in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann.»

Lehrschreiben auch im Vatikan umstritten

Kritisch sieht der Papst auch die übermässige Nutzung sozialer Netzwerke und digitaler Medien. Dies gleiche einer «blossen Anhäufung von Daten, die sättigend und benebelnd in einer Art geistiger Umweltverschmutzung endet». Dadurch entstehe «eine schädliche Vereinsamung».

Die Enzyklika – eines der wichtigsten Lehrschreiben der katholischen Kirche – hatte schon vorab für Wirbel gesorgt. Vor allem in den USA kritisierten konservative Kreise, die den Klimawandel bezweifeln, den Papst für seine politische Stellungnahme. Auch innerhalb des Vatikans ist das Öko-Schreiben von Franziskus durchaus umstritten.