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International Das Sterben in Donezk nimmt kein Ende

Trotz Waffenruhe sind in der ostukrainischen Stadt Donezk weiterhin Kämpfe im Gang. Bei Granateneinschlägen wurden mindestens zehn Menschen getötet. Beide Konfliktparteien machen jeweils die Gegenseite für die Angriffe verantwortlich.

Eine weisshaarige Frau weint und greift sich mit einer Hand an den Kopf; im Hintergund zwei bewaffnete Männer.
Legende: Trauer und Bestürzung nach dem Granateneinschlag in einer Donezker Schule. Keystone

In der ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk sind durch Granateneinschläge mindestens zehn Zivilisten getötet worden. Dies meldet die Kiew-treue Regionalregierung. Mehrere Granaten seien in und um eine Schule eingeschlagen. Dabei seien vier Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Laut Augenzeugen sind unter den Todesopfern ein Lehrer und ein Elternteil. Kinder kamen offenbar nicht zu Schaden.

Kiew-Treue und Rebellen geben sich gegenseitig die Schuld

Eine weitere Granate habe einen Kleinbus getroffen. Dabei seien sechs Menschen getötet worden, hiess es weiter. In der Erklärung werden die Rebellen für die Angriffe verantwortlich gemacht. Die Aufständischen in der selbsternannten «Volksrepublik Donezk» machten ihrerseits das ukrainische Militär verantwortlich, wie russische Nachrichtenagenturen meldeten.

Seit dem 5. September gilt zwischen den ukrainischen Truppen und den prorussischen Separatisten in der Ostukraine eigentlich eine Waffenruhe. Dennoch kam es seitdem nahezu täglich zu gewalttätigen Zwischenfällen, bei denen mehrere Menschen getötet wurden. Laut Angaben aus Kiew ist vor allem der Flughafen von Donezk seit Tagen schwer umkämpft. Bislang konnte er von den Regierungstruppen gehalten werden.

Umkämpfter Flughafen von Donezk

Erst am Montag hatten die ukrainischen Behörden von den schwersten Kämpfen seit Vereinbarung der Waffenruhe berichtet. Bei Kämpfen rund um Donezk seien dabei neun Soldaten, fünf Rebellen und drei Zivilisten getötet worden. Dutzende Menschen seien verletzt worden. Erneut sei dabei der Flughafen unter schweren Beschuss geraten. Aufständische ihrerseits berichteten von Kämpfen im Gebiet von Lugansk.

Am 20. September hatte sich die ukrainische Regierung bei Verhandlungen in Minsk mit den prorussischen Milizen auf einen Neun-Punkte-Plan geeinigt, der neben einer dauerhaften Waffenruhe auch die Einrichtung einer Pufferzone entlang der Frontlinie vorsieht. Zwar gab es Fortschritte beim Rückzug der Truppen beider Seiten aus der geplanten entmilitarisierten Zone, trotzdem schweigen die Waffen nicht.

Massengräber gefunden?

Für Schlagzeilen sorgen auch Berichte von Separatisten, wonach sie in zuvor von ukrainischen Truppen beherrschten Gebieten um Donezk bis zu 400 Leichen von Zivilisten in Massengräbern gefunden hätten. Kiew sprach von «russischen Lügen». Moskau leitete ein Verfahren wegen Völkermords an der russischsprachigen Bevölkerung in der Ostukraine ein.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von S. Meier, Adliswil
    Der DVR-Premier Alexander Sachartschenko mutmaßte, dass ukrainische Kampfeinheiten von Donezk sich über die Feuereinstellungsbefehle aus Kiew hinwegsetzen. Die ukrainische Armee hat bei ihrem heutigen Angriff auf Donezk Mehrfachraketenwerfer vom Typ Uragan eingesetzt. „Wir haben weder gestern noch heute morgen geschossen. Doch hagelt es in Donezk Geschosse“, sagte Sachartschenko zu Journalisten.
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  • Kommentar von A. Schulze, Paderborn
    Hmm. Das Geschrei um einschlagende Granaten in Gaza war deutlich größer. Diesen Vorfall hier hätte ich fast nicht mitbekommen, obwohl es sich um eine Schule handelt. Scheinbar soll uns das nicht interessieren. Unsere Medien regen mich iwie auf. Alle schimpfen über Russlands Pressefreiheit, dabei ist Vorenthaltung und Herunterspielung und tendenzielle Berichterstattung genau so schlimm und "propagandistisch".
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Scheinbar sollen wir uns wieder mehr für die Ukraine interessieren! Jetzt ist die Aufmerksamkeit aller auf den Irak & Syrien & betreffen Ebola auf diese Länder gerichtet. Die Regierung in Kiew will aber unbedingt Aufmerksamkeit, damit sie Gründe für ihre Forderungen an den Westen vorweisen können. Motto: "Seht zu uns her! Wir müssen in die NATO & brauchen unbedingt militärische Unterstützung aus dem Westen." Menschen verachtendes Kalkül dieser Regierung.
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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    so so, die Waffenruhe wurde auch hier von den Systemmedien als Erfolg gepriesen, die gar nie richtig eingehalten wurde. Das Sterben in der Ukraine geht leider weiter. Und für den Winter ist in den belagerten Städten mit einer Katastrophe zu rechnen.
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