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International Das Vermächtnis des saudischen Regenten

Der verstorbene König Abdullah galt allgemein als Reformer und Modernisierer – zumindest für saudi-arabische Verhältnisse. Doch dass der Arabische Frühling an seinem Land vorüberging, hatte nicht nur mit seiner Politik zu tun.

Das wichtigste Vermächtnis von König Abdullah ist die Bildung. Das sagt Jörg Matthias Determann. Er ist Historiker an der Virginia Commonwealth Universität in Katar und hat mehrere Bücher Saudi-Arabien publiziert. «Er war der Stifter einer neuen Universität, der King Abdullah University of Science and Technology.»

Die Universtität mit Forschern aus aller Welt verfügt über ein Stiftungsvermögen von über zehn Milliarden Dollar. «Und – was ganz besonders ist für das Königreich – es ist eine Universität, an der Frauen und Männer Seite an Seite studieren, forschen, lehren», erklärt er. Neben der Bildung steche aber noch etwas anderes hervor.

Milliarden-Einnahmen aus dem Erdölhandel

«Das ist die Stabilität des Landes», so Determann. «Während viele Länder im arabischen Raum wie der Irak, Jemen, Syrien, Libanon und Ägypten in den letzten Jahren in ganz tiefen Krisen steckten, ist es im saudischen Königreich relativ ruhig geblieben.»

Legende: Video Saudi-arabischer König ist tot abspielen. Laufzeit 01:35 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 23.01.2015.

Dass der König sein Land aus dem Strudel des Arabischen Frühlings heraushalten konnte, habe nicht zuletzt ökonomische Gründe gehabt. «Abdullah verfügt über enorme finanzielle Ressourcen», sagt Determann. In Tunesien und Ägypten seien viele gut ausgebildete, junge Leute frustriert gewesen über den Mangel an Jobs.

«Saudi-Arabien hat dagegen fast bis ans Ende von Abdullahs Regentschaft von einem relativ hohen Ölpreis profitiert», erklärt der Historiker. Dabei habe das Land unzählige Milliarden an Devisen angehäuft. «Diese hat der König unter anderem dazu verwendet, die wirtschaftliche Not im Königreich zu bekämpfen.»

Jobprogramme für junge, gebildete Saudis

Er habe Sozialprojekte umgesetzt und Arbeitsstellen für junge Saudis geschaffen, sagt Determann. «Ausserdem konnte die saudische Wirtschaft selbst aufgrund der hohen Öl-Einnahmen mehr Saudis einstellen.»

Mit Abdullahs Nachfolger auf dem Thron, dem 79-jährigen Kronprinz Salman, bleibe das Land sehr wahrscheinlich auf demselben Kurs, meint Determann. «Der neue König war vorher Verteidigungsminister. Davor war er jahrzehntelang Gouverneur der Provinz Riad.» Salman hat alsoeng mit Abdallah zusammengearbeitet. Als Halbbrüder stammen sie zudem aus dem selben Umfeld.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Müller, Zürich
    Es gibt einen Artikel von the intercept mit dem Titel "Saudi Arabia's tyrant king misremembered as a man of peace".
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  • Kommentar von Hanspeter Schwarb, Eiken
    Mal schauen was passiert, wenn der IS in Riad einmarschiert. Dann muss sich die USA mit diesem Terror Regime arrangieren, wenn sie weiterhin Oel wollen.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Ob der neue König die blauen "Schlümpfe" wieder zulässt und die Religionspolizei zurückpfeift? Oder die Fatwa gegen den Bau von Schneemänner/Dromedaren im Norden Saudi-Arabiens bei ihren Jahrhundert-Schneefällen als nichtig erklärt??? Ich kenne die Antwort. Lebte und arbeitete am Persischen Golf Ende 70er eine Weile dort :-( Mir scheint damals unter King Khalid, waren die Saudis aber noch etwas Lebensnaher als heute.
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