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Datenmissbrauch bei Facebook Auch EU-Parlament bringt Zuckerberg nicht ins Schwitzen

Die Entschuldigungs-Tour des Facebook-Chefs geht weiter. Doch konkrete Versprechen gab es nicht. Eine Einschätzung.

«Wir haben unsere Verantwortung zu wenig wahrgenommen – und das tut uns leid.» So eine Entschuldigung hatte man von Mark Zuckerberg erwartet. Und mit genau so einer Entschuldigung wandte sich der 36-Jährige auch an die Parlamentarier in Brüssel.

Legende: Video Zuckerberg sagt Sorry (englisch) abspielen. Laufzeit 0:21 Minuten.
Vom 22.05.2018.

Glaubt man Zuckerbergs Versprechen, dann soll eine Datenpanne wie mit der Analyse-Firma Cambridge Analytica in Zukunft nicht mehr möglich sein. Cambridge Analytica war an die Daten von rund 87 Millionen Facebook-Benutzern gekommen – darunter gut 2,7 Millionen Europäern. Die Firma soll diese Daten dazu benutzt haben, die US-Präsidentschaftswahl zu Gunsten von Donald Trump zu beeinflussen.

Das falsche Format für kritische Fragen

Doch insgesamt wiederholte Zuckerberg vor dem EU-Parlament nur das, was er bei den Facebook-Hearings vor dem US-Kongress schon versprochen hatte. Da nutzte es wenig, dass die Parlamentarier Zuckerberg wie versprochen besser informiert und kritischer befragten, als es ihre US-Kollegen getan hatten.

Denn um den gut vorbereiteten Zuckerberg aus der zu Reserve locken, hatte die Anhörung in Brüssel das falsche Format. Nacheinander stellten die Politiker zuerst ihre Fragen, erst am Ende antwortete Zuckerberg – kritisches Nachfragen war kaum möglich.

So konnte sich Zuckerberg die Themen herauspicken, die ihm am besten gefielen und mit gut einstudierten Antworten darauf reagieren. Bis am Ende die Zeit nicht reichte, auf wirklich heikle Fragen einzugehen. «The Problem is the timing», entschuldigte sich Antonio Tajani, der Präsident des Europaparlaments. Kurz danach verliess Mark Zuckerberg den Saal – er wollte seinen Flug nicht verpassen.

Zuckerberg verlässt das EU-Parlament in Brüssel nach der Anhörung
Legende: Nach der Anhörung verlässt Zuckerberg das EU-Parlament in Brüssel. Keystone

Datenschutz-Grundverordnung wichtiger als Anhörung

Trotzdem: In Zukunft wird Facebook genauer aufpassen müssen, wie es mit den Daten seiner europäischen Nutzer umgeht. Denn die neue Datenschutz-Grundverordnung, die ab Freitag in der EU zur Anwendung kommt, vereinheitlicht den europäischen Datenschutz und macht ihn in vielen Punkten strenger.

Neu können die Behörden ein fehlbares Unternehmen mit einer Busse von bis zu 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes strafen. Bei Facebook wären das gut 1,6 Milliarden Dollar – eine Summe, bei der auch der vor dem Europaparlament so gelassene Mark Zuckerberg wohl ins Schwitzen käme.

Jürg Tschirren

Jürg Tschirren

SRF-Digitalredaktor

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Jürg Tschirren hat Zeitgeschichte und Journalismus studiert. Er arbeitet seit 2007 für SRF und berichtet über IT, Kommunikation, Unterhaltungselektronik, digitale Distribution, soziale Netzwerke, Datenschutz, Computersicherheit und Games.

Infografik: Datenschutzbestimmungen

3 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Hauser (Nyota)
    Ich bekomme eine Busse wenn ich 5 Minuten zu lange parkiert habe. Und Multimiliardäre werden bei solch schwerwiegenden Fehlern nicht bestraft und wegen Zeitmangel kann man eine Anhörung nicht zu Ende führen. Da frage ich mich schon. Das muss mal Konsequenzen haben. Und eine saftige Busse geben. Und das Geld sollten die bekommen, deren Daten missbraucht wurden. Aber das ist ein Wunschtraum. Deshalb finde ich diese Welt oft nicht fair.
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  • Kommentar von Alfons Bauer (frustriert)
    Das war eher eine Anhörung der PolitikerInnen (hab den Livestream auf Youtube geschaut). Sinnloses Geplapper ohne zum Punkt zu kommen. Europäische Politik hat wieder mal Unfähigkeit bewiesen.
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  • Kommentar von Johannes Rösinger (JohMuc)
    Ich teile diese Einschätzung nicht. Ich hab es mir angesehen und empfand es weit besser vorbereitet und befragt als in den USA die Befragung. Dass ein "Schuldiger" ein Gespräch weil die Zeit um ist abbricht, zeigt für mich wie sehr er ins schwitzen kam. Und von dem abgesehen hätte ein Land alleine in Europa wohl noch weniger bis gar nichts erreicht. Ich bin zufrieden mit meiner EU. Nicht nur bei Facebook, derzeit macht Sie vieles richtig und ist die einzigste die Europa schützen kann.
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