De Blasio im Endspurt

Nach zwölf Jahren mit Michael Bloomberg wählt New York einen neuen Bürgermeister. Als Nachfolger können die Einwohner der Millionenmetropole zwischen dem Demokraten Bill de Blasio und dem Republikaner Joe Lhota wählen. Die Nase vorn hat De Blasio.

Zwei Personen gestikulierend und an einem Rednerpult stehend.

Bildlegende: Joe Lhota (links) und Bill de Blasio sind die beiden Top-Kandidaten für das prestigeträchtige Amt. Keystone

Lange lag der grosse und schlaksige Demokrat Bill de Blasio in den Umfragen hinten, dann katapultierte ihn ein Afro-Haarstyle nach ganz vorne.

Die nach allen Seiten abstehenden krausen Locken seines Sohn Dante wurden nach einem Wahl-Werbespot zum Stadtgespräch und verhalfen dem 52-Jährigen zu enormen Popularitätsschüben.

Bill De Blasio mit seinem Sohn Dante bei einer Parteiveranstaltung.

Bildlegende: Erst der Afro-Look seines Sohnes Dante brachte die Kandidatur von Bill De Blasio fürs Bürgermeisteramt ins Rollen. Keystone

Der 1961 in New York geborene de Blasio studierte Politik und Internationale Beziehungen. Er wuchs im US-Bundesstaat Massachusetts auf. Unter US-Päsident Bill Clinton wurde er 1997 Beauftragter für regionalen Wohnungsbau in New York und New Jersey. Für dessen Frau Hillary arbeitete er als Manager ihrer ersten Senats-Kampagne.

Danach war er acht Jahre lang Mitglied des New Yorker Stadtrats und seit 2010 Bürgerbeauftragter. De Blasio gilt politisch als links, er selbst beschreibt sich jedoch lieber als progressiv-liberal.

De Blasio hat im Wahlkampf eine bessere Verbindung zu den Menschen aufbauen können. Mit seiner charismatischen Frau, der afro-amerikanischen Dichterin Chirlane,wirkt er sehr sympathisch auf das Wahlvolk. Die beiden Kinder im Teenager-Alter gehen auf öffentliche Schulen und verpassen so de Blasio bei der multi-ethnischen Bevölkerung New Yorks ein nahbares Image.

Umfragen sehen de Blasio vorn

Auch seine Vorschläge kommen bei vielen gut an: Die Errungenschaften aus Bloombergs Amtszeit, die von den meisten positiv beurteilt werden, will er beibehalten – beispielsweise das weitgreifende Rauchverbot, die Wiederbelebung von Parks, Grünflächen und Küstenstreifen und die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit. Darüber hinaus will de Blasio eine Reichensteuer einführen, für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen und die Standards der Schulen verbessern.

De Blasio hat Umfragen zufolge die besten Chancen für den Bürgermeisterposten und führt mit rund 40 Prozentpunkten. 65 Prozent der New Yorker Wahlberechtigten wollen einer Befragung des TV-Senders NBC zufolge für de Blasio stimmen und nur 24 Prozent für seinen republikanischen Gegenkandidaten Joe Lhota.

Porträt Lhota.

Bildlegende: Joe Lhota gilt als moderater Republikaner. So befürwortet er den Gebrauch von Marihuana, Abtreibung und die Homo-Ehe. Reuters

Der bislang grösste Erfolg des Republikaners Joe Lhota kam in einer der schwersten Stunden New Yorks: Nach dem verheerenden Durchzug von Wirbelsturm «Sandy» im vergangenen Oktober organisierte der damalige Chef der Verkehrsbehörde die Aufräumarbeiten so gut, dass die U-Bahnen schon nach wenigen Tagen wieder fahren konnten. Das brachte ihm Lob von allen Seiten ein.

Der 1954 im New Yorker Stadtteil Bronx als Sohn eines Polizisten geborene Lhota studierte unter anderem an der Elite-Universität Harvard Wirtschaft. Danach arbeitete er jahrelang als Investment-Banker und gilt so inzwischen als erfahrener Politiker.

Lhota betont seine politische Erfahrung

Unter Rudy Giuliani, dem Vorgänger des derzeitigen Bürgermeisters Michael Bloomberg, war Lhota unter anderem Chef der Finanzbehörde und Vize-Bürgermeister.

Lhota, der verheiratet ist und eine Tochter hat, gilt als sehr moderater Republikaner: Abtreibung, Homo-Ehe und die Legalisierung von Marihuana unterstützt er.

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Neuer Bürgermeister für New York

0:36 min, aus 10vor10 vom 5.11.2013

Lhotas Themen sind ähnlich wie diejenigen von de Blasio, allerdings will er die Steuern so lassen wie sie sind. De Blasio habe – anders als er selbst – zu wenig Politik-Erfahrung, wirft Lhota seinem Konkurrenten vor. «Ich werde vom ersten Tag an bereit sein.» Ausserdem nehme de Blasio die Polizeiarbeit nicht ernst genug, die Kriminalitätsrate werde unter seiner Regentschaft wieder steigen.

«New York Times» für de Blasio

Mit angsteinflössenden Videos, die die Gewalt auf den Strassen der Millionenmetropole aus früheren Tagen zeigen, versuchte Lhota jüngst, auf den letzten Drücker noch Stimmen zu gewinnen. Aber es scheint vergeblich. Auch die «New York Times» hat sich bereits auf de Blasio festgelegt und ihm ihre Unterstützung gegeben: «Mr. de Blasio kann es.»