Deichbruch treibt Tausende Menschen in die Flucht

Der Pegelstand der Elbe steigt unaufhörlich weiter. Die Einsatzkräfte in Sachsen-Anhalt mussten einen herben Rückschlag hinnehmen: Ein Elbe-Deich ist gebrochen. Tausende Menschen brachten sich vor den Wassermassen in Sicherheit. Derweil scheint Budapest das Rekord-Hochwasser überstanden zu haben.

Nach dem Bruch eines Elb-Deiches in Fischbeck (Sachsen-Anhalt) hat sich die Hochwasserlage für Norddeutschland am Montagmorgen verschärft.

Der Deich war gegen Mitternacht auf einer Länge von rund 50 Metern gebrochen. 1000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ergossen sich aufs Land. Die Gemeinde Fischbeck stand am Mittag rund einen Meter unter Wasser – ca. 3000 Menschen mussten sich in der Region in Sicherheit bringen. Weitere Evakuierungen sind geplant.

Auch im nördlicher gelegenen Hohengöhren (Landkreis Stendal) ist die Lage an der Elbe kritisch. Nach einer Deichabrutschung auf 30 Metern Länge wird derzeit versucht, einen Deichbruch abzuwenden.

Magdeburger atmen auf

In der Landeshauptstadt Magdeburg (Sachsen-Anhalt) hat sich die Lage bei leicht sinkendem Pegel dagegen etwas entspannt. Der Elbepegel sank seit Sonntag deutlich. Am Morgen stand der Pegel gegen 9.00 Uhr bei 7,14 Metern, nachdem er am Sonntag auf die historische Höchstmarke von 7,46 gestiegen war.

Ein Mann hinter einer Hochwasser-Schutzmauer vor seinem Haus

Bildlegende: Entlang der Elbe (hier in Schönbeck, nahe Magdeburg) ist die Hochwasserlage äusserst kritisch. Reuters

«Es gibt ein leichtes Aufatmen, aber noch keine Entspannung», hiess es von der Stadtverwaltung. Die Deiche und Sandsackwälle seien auch in den kommenden Tagen noch einer hohen Belastung ausgesetzt.

In ganz Sachsen-Anhalt mussten bislang über 40'000 Menschen ihre Häuser verlassen. Das bedrohte Umspannwerk ist durch die Fluten jedoch nicht mehr in Gefahr. Dort hatte die Bundeswehr einen zusätzlichen Damm errichtet. Bei einem Ausfall wären Tausende Haushalte in Magdeburg ohne Strom gewesen.

Brandenburg wartet auf Rekordhochwasser

Die Flutwelle der Elbe bewegte sich weiter Richtung Norden. Die Pegel im Bundesland Brandenburg stiegen unaufhörlich. In Wittenberge erreichte der Fluss am Sonntagnachmittag einen historischen Höchststand von 7,85 Metern. Am Montag wird ein Wasserstand von 8 Metern erwartet, bis Dienstag sollen es 8,20 Meter sein – so hoch wie nie zuvor. Bei der Jahrhundertflut 2002 wurde am Pegel in Wittenberge ein Wert von 7,34 erreicht.

Das Bundesland Niedersachsen erwartet den Hochwasser-Scheitel der Elbe ebenfalls noch. In Schnackenburg und Hitzacker wurden schon am Sonntag neue Rekordwerte erreicht. Die von Elbe und Jeetzel umflossene Altstadtinsel von Hitzacker wurde bis Sonntagabend evakuiert.

Ungarn übersteht Rekord-Hochwasser

Auch die Länder entlang der Donau leiden seit mehr als einer Woche unter dem Hochwasser. In der ungarischen Hauptstadt Budapest hat der Pegel der Donau in der Nacht zum Montag einen Höchststand erreicht. Er lag bei 8,91 Metern, wie die Nachrichtenagentur MTI berichtete. Der bisherige Rekordpegel war 2006 mit 8,60 Metern gemessen worden. Normalerweise erreicht die Donau in der Zeit der Schneeschmelze Pegelstände von 5 bis 6 Metern.

Die Schäden hielten sich dank des Einsatzes von Tausenden Helfern in Grenzen. Diese hatten die Dämme erfolgreich verstärkt. Auf der Budaer Seite standen Strassenzüge unter Wasser. Die Behörden mussten einige überflutete und unterspülte Strassen sperren. Am Montagmorgen führte dies zu einem Verkehrschaos.

Störungen im ICE-Verkehr

Ein Deichbruch bei Fischbeck (Sachsen-Anhalt) hat am Montagmorgen den Fernbahnverkehr auf mehreren ICE-Hauptstrecken lahmgelegt. Mit Ausfällen von Zügen, Umleitungen und Verspätungen zwischen ein und drei Stunden oder mehr muss gerechnet werden. Die Dauer der Sperrung ist nicht absehbar.
 

Mehr Schaden als 2002

Die deutschen Versicherer rechnen damit, dass das Hochwasser in diesem Jahr mehr Schaden angerichtet hat als die Katastrophe vor elf Jahren. Das Hochwasser 2002 hatte die Branche 1,8 Milliarden Euro gekostet, die volkswirtschaftlichen Schäden waren aber deutlich höher. Erste Zahlen für die diesjährige Flut gibt es, wenn das Wasser abgeflossen ist.