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International «Dem Front National fehlen Allianzen»

Von einer Zeitenwende in der französischen Politik war nach dem ersten Wahlgang der Regionalwahlen die Rede. Am Schluss gingen die Rechtsextremisten leer aus. Den Frontisten fehle ein glaubwürdiges Programm, um die Mitte der Gesellschaft zu erreichen, sagt unser Korrespondent.

Legende: Video Wahlschlappe für Front National abspielen. Laufzeit 3:33 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 14.12.2015.

SRF News: Ist die Strategie von Premier Manuel Valls – alle gegen den Front National – aufgegangen?

Charles Liebherr: Das ist sie. In allen Regionen konnten die Bürgerlichen die Kandidatinnen und Kandidaten des Front National deutlich schlagen. Der Preis für diese Strategie ist allerdings sehr hoch. In zwei ehemaligen Hochburgen der Sozialisten wird es sechs Jahre lang nicht einen einzigen linken Parlamentarier mehr geben.

Ist es also ein klarer Sieg für die Bürgerlichen, «Les Républicains»?

Auf den ersten Blick schon. Sarkozys Partei gewinnt sieben von 13 Regionen, insbesondere die prestigeträchtige Grossregion Paris. Aber auch sie müssen die Lehre aus diesen Regionalwahlen ziehen: Die Rechte kann auch mit einer dezidiert rechten Politik, also den gleichen Themen wie der Front National, nicht gegen das «Original» bestehen. Das alleine reicht nicht.

Heisst das nicht trotz allem: Wenn die Linken und die Konservativen zusammenspannen, können sie den Front National in Schach halten?

Das war auch in früheren Wahlen immer der Fall. Es gilt aber auch, dass beide Parteien den Front National auch alleine durchaus schlagen könnten. Voraussetzung dafür ist ein politisch breit abgestütztes Programm. Das zeigt der zweite Wahlgang in Regionen, in denen die rechte und die linke jeweils alleine gegen den Front National angetreten sind. Hier gilt es für jedes Lager: Geschlossenheit, Allianzen mit verbündeten Parteien – dann ist ein Sieg möglich.

Was bedeutet der Wahlausgang für den Front National und Parteichefin Marine Le Pen – muss sie ihre Ambitionen aufs Elysée begraben?

Das wird sie natürlich nie tun. Das Problem des Front National ist, dass Allianzen mit anderen Parteien im rechten Lager fehlen. Thematisch politisiert der Front National zu eng. Es fehlt ein glaubwürdiges Programm ausserhalb der Kernthemen Einwanderung, Sicherheit und Europa, das eine Mehrheit der Bevölkerung überzeugen könnte. Das bedeutet, dass der Front National zwar immer noch erste Wahlgänge gewinnen kann. Im zweiten wird er aber nie mindestens die Hälfte der Bevölkerung auf seine Seite ziehen.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Charles Liebherr

Charles Liebherr

Seit 2014 ist Charles Liebherr Frankreich-Korrespondent von Radio SRF. Er studierte in Basel und Lausanne Geschichte, Deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Politologie. Davor war er beim Schweizer Radio unter anderem als Wirtschaftsredaktor tätig.

6 Kommentare

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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Der Journalismus tut sich schwer mit der Mengenlehre. In diesem Wahlsystem (ähnlich den Ständeratswahlen) konnten sich die Linken und Bürgerlichen gegenseitig halten und den FN verhindern. Ähnlich ist es der SVP gegangen im Ständerat. Das wird den FN oder in der Schweiz die SVP bei den nächsten Wahlen noch mehr in die Höhe treiben.
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  • Kommentar von Daniel Kellerhals (Daniel Kellerhals)
    Und wo sind sie, die hurra Patrioten, die letzte Woche noch Sieg gebrüllt haben. Verloren haben sie. Die rechten Parteien sind Verlierer.. Die Linken natürlich auch, aber das weiss man schon lange.
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  • Kommentar von David Rothen (EinLinkerundmehr)
    Angst ist der grösste Feind der Demokratie. In ganz Europa lassen die rechtsnationalen Puppenspieler die Angst tanzen.
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    1. Antwort von u. Felber (Keule)
      so viele als Angsthasen zu verunglimpfen ist eine Sauerei, los getreten von linken Vordenkern Europas. Viele haben einfach die Schnauze voll von dem Kriminaltourismus, von mit Ausländern überfüllten Gefängnissen, ausgebeuteten Sozialwerken und den zunehmenden Problemen zwischen den Religionen in einem säkularem Europa! Die CH hatte bis in die neunziger Jahre ruhe mit all dem Mist, seit der TOTALEN Öffnung ist es damit vorbei, verantwortet von den ach so lieben, blendenden Linken!
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    2. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      U. Felber: "Viele haben einfach die Schnauze voll von dem Kriminaltourismus, von mit Ausländern überfüllten Gefängnissen, ausgebeuteten Sozialwerken und den zunehmenden Problemen zwischen den Religionen in einem säkularem Europa!" DAS sind ihre ängste?!? Ich habe mehr Angst davor, meinen Job zu verlieren, meine Freiheit oder den Frieden in unserem Land. Ich habe danke der öffnung der Grenzen einen Job, eine Wohnung und genug Essen auf dem Tisch!!
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    3. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      @Felber: Angst ist ein schlechter Ratgeber, kombiniert mit einem Feindbild sogar gefährlich - DER Ausländer ist an allem Schuld. Dass das Blödsinn ist zeigt die Geschichte und die Statistik - sie leben in einem der sichersten Ländern, Ihre Kaufkraft ist die höchste, die Arbeitslosigkeit tief und Religionsprobleme gibt es seit es Religionen gibt. In den 70ern waren es die bösen Italiener und in den 90ern die Ex-Jugoslawen. Jetzt sind es die bösen Muslime. Damit lässt sich gut Stimmen fangen...
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