Demonstranten stürmen pakistanisches Staatsfernsehen

Regierungskritische Demonstranten haben in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad den Sitz des Staatsfernsehens (PTV) gestürmt. Die Eindringlinge haben Kabel herausgerissen und Sendungen unterbrochen. Solche Unruhen hätten in Pakistan Tradition, sagt ein Journalist.

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Wütende Demonstranten vor PTV-Gebäude

0:21 min, vom 1.9.2014

Seit nunmehr zwei Wochen belagern mehrere tausend Anhänger der Opposition das Regierungsviertel in Islamabad. Oppositionspolitiker Imran Khan und der Geistlichen Tahirul Qadri führen die Proteste an. Sie fordern den Rücktritt von Premier Nawaz Sharif, dem sie die Manipulation der Parlamentswahl im Mai 2013 vorwerfen.

Nun sind die Proteste weiter eskaliert: Rund 1000 Demonstranten haben die Gebäude des Staatsfernsehens PTV gestürmt. Verteidigungsminister Khawaja Asif sagte, die Demonstranten hätten die Angestellten als Geiseln genommen. Das Militär sei gerufen worden, um die Eindringlinge aus dem Sendergebäude zu entfernen.

«  Sie reissen die Kabel heraus. Wir werden belagert. »

Moderator des Senders PTV

Ein Moderator sagte am Sender über die Angreifer: «Sie reissen die Kabel heraus. Wir werden belagert». Wenige Minuten später war die Übertragung unterbrochen. Der Sendebetrieb wurde für rund 40 Minuten eingestellt. Inzwischen sendet PTV aber wieder.

Sicherheitskräfte überrumpelt

Dass Demonstranten ins Gebäude des Staatssenders eindringen konnten, sei erstaunlich, sagt der deutsche Journalist Stephan Kloss, der lange in Islamabad lebte. Das Gebiet, worin sich das Fernsehstudio befindet, gehöre zur sogenannten roten Zone: Gleich in der Nähe befinde sich das Parlament und der Sitz des Premierministers. «Offenbar sind die Sicherheitskräfte von den Demonstranten überrumpelt worden.»

Solche Unruhen habe es in Pakistan aber in den letzten 60 Jahren immer wieder gegeben, sagt Kloss. «Die Emotionen kochen hoch, Demonstranten laufen mit Knüppeln durch die Strassen und beschädigen Läden.

Dann beruhigt sich die Lage meist wieder.» Im Hintergrund einige man sich auf Zugeständnisse der Regierungsparteien und schliesslich gingen alle wieder friedlich ihres Weges.

Was passiert mit Premier Sharif?

Daher sieht Kloss auch Premier Sharif nicht in Gefahr. Das Militär stütze die jeweilige Regierung solange diese das Land gut führe. Sollte es aber zu schweren Unruhen kommen, die die Innere Sicherheit bedrohen, könnte das Militär die Macht wieder übernehmen. «Im Moment ist das aber nicht der Fall.»

Die vom Oppositionspolitiker Imran Khan und dem Geistlichen Tahirul Qadri angeführten Proteste dauern seit dem Unabhängigkeitstag am 14. August an. Sharif lehnt einen Rücktritt ab. Khan und Qadri hatten ihre Anhänger am Sonntag dazu aufgerufen, auszuharren. «Wir werden nicht zurückgehen, ohne Sharif zum Rücktritt gezwungen zu haben», sagte Khan. Qadri äusserte sich ähnlich.