Der ANC erhält neue Konkurrenz

Seit 1994 ist in Südafrika der Afrikanische Nationalkongress ANC an der Macht. Doch die Kritik wächst. Nun soll eine neue Partei die Unzufriedenen vereinen.

Mamphela Ramphele, Ärztin und Geschäftsfrau in Südafrika.

Bildlegende: Mamphela Ramphele ist auch international eine bekannte Figur. Reuters

AGANG: In einer der südafrikanischen Sprachen heisst das soviel wie «wir bauen». AGANG so heisst auch eine neue politische Partei. Deren Gründerin ist die Ärztin und Geschäftsfrau Mamphela Ramphele. Sie ist eine scharfe Kritikerin des regierenden ANC, der das Land seit dem Fall der Apartheid vor 19 Jahren regiert.


Vom ANC enttäuscht. (Dagmar Wittek)

3:17 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.06.2013

Ramphele will ihre Partei am Samstag der Öffentlichkeit vorstellen. Die 66-Jährige sieht sich als Fürsprecherin der einfachen Leute. «Sie haben das Gefühl, vergessen zu sein, sie sind fassungslos, sie haben das Gefühl nicht gehört zu werden, dass sie nichts zählen», sagt Ramphele im Bericht von SRF-Mitarbeiterin Dagmar Wittek. Ramphele prangert die hohe Arbeitslosigkeit von 25 Prozent an. Auch dass nach wie vor fast die Hälfte der Bevölkerung jenseits der Armutsgrenze lebt, sei ein Skandal, findet sie.. «Das Volk sagt, wir haben jetzt lange genug gewartet, jetzt muss endlich gehandelt werden.»

Prominente Kämpferin für die Rechte der Schwarzen

Ramphele ist eine der bekanntesten Figuren Südafrikas und kämpfte gemeinsam mit Steve Biko in der Black Consciousness-Bewegung. Mit Biko, der 1977 in Polizeigewahrsam starb, hat sie einen gemeinsamen Sohn. Sie wurde wegen ihrer politischen Arbeit gegen das Apartheid-Regime jahrelang in ihrer Arbeit behindert und in ein entlegenes Dorf verbannt. Danach wurde sie 1996 Vizekanzlerin der Universität Kapstadt und im Jahr 2000 in das Direktorium der Weltbank berufen.

Heute lässt Ramphele an der einstigen Freiheitsbewegung von Nelson Mandela kein gutes Haar. Sie versteht ihre Plattform vor allem als Sammelbecken für unzufriedene ANC-Mitglieder.

Gute Regierungsführung und Rechenschaft ablegen, das wären die obersten Prioritäten ihrer Partei, sagt Ramphele. Ihr Ziel: Die Wahlen im nächsten Jahr.

Nur eine Randerscheinung?

Doch die Chancen, dass Ramphele mit ihrer Bewegung die Vormacht des ANC in Südafrika brechen könnte, stehen nicht besonders gut. Beobachter gehen davon aus, dass sie höchstens einige Prozent der Unzufriedenen für sich gewinnen kann. Ramphele lege weder ein solides Parteiprogramm noch einen Aktionsplan vor, kritisiert ein Politologe in Südafrika. Die einzige Chance wäre wohl, die Wähler der ANC-Splitterpartei «Congress of the People» (Cope) für sich zu überzeugen. Cope erreichte bei den Wahlen 2009 immerhin einen Anteil von 7,4 Prozent der Stimmen. Seither aber ist die Bewegung vor allem mit internen Streitigkeiten beschäftigt. «Diese Wähler suchen ein neues Zuhause», sagt der Politologe.

Er ist aber überzeugt, dass AGANG nur wenig Überlebenschancen hat. Ramphele sei zwar eine starke Führungsfigur, aber wenn es nur sie gebe, werde die Partei in der Bedeutungslosigkeit versinken.