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Flüchtlinge in Südkorea Der Argwohn gegenüber den Flüchtlingen aus dem Norden

Rund 30'000 Nordkoreaner leben in Südkorea. Einfach ist das für sie aber nicht. Denn die Vorurteile sind gross.

Legende: Audio Der schwierige Alltag einer Nordkoreanerin in Südkorea abspielen. Laufzeit 06:04 Minuten.
06:04 min, aus Echo der Zeit vom 01.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Südkoreaner begegnen nordkoreanischen Flüchtlingen voreingenommen. Ihr simples Bild des Nachbarstaats wird auch durch Fernsehnachrichten zementiert.
  • In Talk-Shows und auf Facebook sollen Südkoreaner über das Leben im Norden und über den Alltag der nordkoranischen Flüchtlinge in ihrem Land aufgeklärt werden.

Park Eun-hee sitzt in einem Café in einem Vorort von Seoul. Seit vier Jahren wohnt die 26-Jährige Nordkoreanerin hier. Sie ist aus ihrer Heimat geflohen und über China in Südkorea gelandet. Vor ihrer Flucht hatte sie genaue Vorstellungen vom Leben im Süden. In Filmen, die illegal auf Memory Sticks gespeichert waren, bewunderte sie damals die elegant gekleideten südkoreanischen Frauen.

Mode als Symbol der Freiheit

«Ich habe Seifenopern aus Südkorea geschaut, und auch ein paar chinesische Serien. Ich war fasziniert, was die Frauen auf der Strasse tragen konnten. So wollte ich auch leben», erzählt Park Eun-hee.

Sie sei nicht wegen des Hungers geflohen. Das werde sie von Südkoreanern ständig gefragt. Ihr sei es um die Freiheit gegangen und dazu gehöre auch die Freiheit, sich so anzuziehen, wie sie wolle. Diesbezüglich sei sie nicht enttäuscht worden.

Kein Teil der Familie

Doch mit den Reaktionen der Südkoreaner habe sie nicht gerechnet. «Ich dachte, sie würden mich mit offenen Armen empfangen, mich als Nordkoreanerin als Teil ihrer Familie sehen.»

Stattdessen stellte Park Eun-hee fest, dass die Nordkoreaner als ungebildet gelten, die nicht einmal einen Computer bedienen können. Oder eben als hungrige Menschen, denen man alles Mögliche zu essen vorsetzen kann.

Um nicht weiter negativ aufzufallen, begann Park Eun-hee, ihren nordkoreanischen Akzent zu verstecken. «Ich habe mir eine CD gekauft, um zu lernen, wie ein Nachrichtensprecher zu reden. Nach etwa sechs Monaten Übung fragte mich niemand mehr, woher ich komme.»

Die TV-Nachrichten zeigen Nordkoreaner an Aufmärschen, singend oder wie gehirngewaschene, automatisierte Soldaten.
Autor: Sokeel ParkMitarbeiter der NGO «Liberty in North Korea»

Kampf gegen Vorurteile der Südkoreaner

Doch die Vorurteile gegenüber den Nordkoreanern waren für Park Eun-hee schwer auszuhalten. Schliesslich entschied sie sich, selbst etwas dagegen zu tun. Sie hält inzwischen Vorträge, in denen sie das Leben in Nordkorea schildert. Und sie tritt im Fernsehen auf.

«Auf dem Weg zu Dir ...» ist eine erfolgreiche Talk-Sendung im südkoreanischen Fernsehen. Das Publikum stellt Fragen, nordkoreanische Gäste wie Park Eun-hee geben Antwort. Die Palette reicht von lockeren Themen wie Ginseng-Wurzeln bis zu ernsten Themen wie öffentliche Hinrichtungen in Nordkorea.

Alltag in Südkorea

Sokeel Park, Link öffnet in einem neuen Fenster von der Nichtregierungsorganisation «Liberty in North Korea» begrüsst solche Fernsehprogramme. Die NGO unterstützt Nordkoreaner auf der Flucht und hilft ihnen beim Neuanfang in Südkorea.

«Dass die Südkoreaner diese Talk- und Unterhaltungs-Shows mit Nordkoreanern sehen, finde ich sehr wertvoll. Sie lernen so deren Alltag besser kennen.»

Der Krieg hat Spuren hinterlassen

Auf die rund 50 Millionen Südkoreaner kommen nur 30'000 Nordkoreaner. Ein grosser Teil der Südkoreaner hat selbst noch nie einen Nordkoreaner getroffen.

Sokeel Park sagt, dass die meisten Südkoreaner deshalb ein sehr simples Bild von Nordkorea hätten. «Vor nicht allzu langer Zeit wurden die Südkoreaner gar ermutigt, nordkoreanische Spione zu melden. In einigen Küstenregionen sieht man sogar heute noch solche Schilder. Das gehört zum Erbe des Koreakriegs.»

Klischees des Nachbarstaats

Von vielen Südkoreanern werde deshalb die gesamte nordkoreanische Bevölkerung, ja sogar die Flüchtlinge, mit dem Konflikt in Verbindung gebracht, sagt der NGO-Mitarbeiter. Als Beispiel nennt er die südkoreanischen Fernsehnachrichten, die immer wieder dieselben Bilder zeigen würden.

«Sie zeigen Nordkoreaner an Aufmärschen, singend oder wie gehirngewaschene, automatisierte Soldaten.» Gerade deshalb sei es nötig, dass die Südkoreaner die Nordkoreaner auch als Menschen zu sehen bekämen, und sich nicht nur auf das Sicherheitsproblem oder Kim Jong-Un fokussierten, sagt Sokeel Park.

Alltag im Livestream auf Facebook

Park Eun-hee tippt auf ihr Smartphone und öffnet Facebook. Sie pflegt auch ein öffentliches Facebook-Profil mit Livestreaming. Darin ist sie zum Beispiel in der Küche zu sehen, wie sie aus Tofu und Reis das nordkoreanisches Nationalgericht zubereitet oder Fragen beantwortet.

Am Anfang sei es etwas seltsam gewesen, sich selbst zu filmen und in Echtzeit ins Internet zu übertragen. Inzwischen habe sie sich aber daran gewöhnt. Schliesslich wolle sie einfach ihren Alltag zeigen, den Alltag einer Nordkoreanerin in Südkorea.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Wie gross ist der Unterschied bei Völkern, die plötzlich geteilt wurden? Und wer macht diesen Unterschied? Fast immer die neuen Herrscher und deren Unterstützer im Hintergrund. Die Regierung in Nordkorea ist besonders krass. Kaum einer der Bürger dort kann sich entfalten. Vielen geht es sehr schlimm. Der Unterschied zu Südkorea, dass ein erfolgreicher Industriestaat ist, ist extrem. Die Lebensqualität ist nicht nur auf Grund des Lohnes eine ganz andere.
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    Der Beitrag suggeriert, Misstrauen sei falsch. Und genau das ist falsch! Die Geheimdienste in aller Welt - die westlichen nicht ausgenommen, gehören zum Dreckigsten was die menschliche Gesellschaft in den letzten paar hundert Jahren hervorgebracht hat. Da ist Misstrauen überlebens-wichtig. Keiner kann ausschliessen, dass Park Eun-hee gezielt vom nordkoreanischen Geheimdienst in den Süden geschickt wurde, um dort die Arbeit nordkoreanischer Agenten zu erleichtern. Traurig für echte Flüchtlinge!
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Des einen Freud, des Andern Leid;-)
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    2. Antwort von Mark Stalden (Mark)
      Der Beitrag zeigt Misstrauen gegenüber dem Norden.Gesundes Misstrauen ist Gut aber sich verschliessen gegenüber anderem und sich als die einzige Wahrheit zu verstehen ist Falsch.Das können sie in der Kath. Kirche praktizieren dort gibt es auch nur Eine Wahrheit.Das Frau Park eine Agentin sei ist schon sehr Weit hergeholt, im Fremden als erstes eine Gefahr sehen ist was zieht beim Manipulierbaren Geist.Der Verdacht kommt auf sie könnten ein FSB Agent sein Herr Bernhardt aus reinem Misstrauen...
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    3. Antwort von Joel Busch (Joel)
      Man kann doch nicht ohne weitere Indizien jedem erstmal misstrauen. Wenn man versucht so mit der Welt umzugehen geht man doch innerlich zu Grunde. Davon abgesehen, wieso sollte ein nordkoreanischer Spion sich als Nordkoreaner zu erkennen geben, das erschwert doch bloss die Mission
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