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International Der blutige Konflikt in Nordirland

Fast 100 Jahre lang kämpfte die Irisch-Republikanische Armee (IRA) für eine Unabhängigkeit Nordirlands von Grossbritannien. Nach über 3000 Toten und zehntausenden Verletzten herrscht in Nordirland zwar Frieden, doch bis heute ist der Norden der Insel in britischer Hand.

Die Wurzeln des Konflikts in Nordirland liegen im 17.Jahrhundert: Ab 1608 siedelt der englische König Jakob I. eine grössere Zahl englischer und schottischer Kolonisten in Ulster, der Nordost-Provinz Irlands, an. Die protestantischen Neusiedler sollen die englische Herrschaft im katholischen Irland nach mehreren weitreichenden Revolten stabilisieren.

Aufgrund der englischen Herrschaft bricht 1641 ein Aufstand des katholischen Irlands gegen die protestantischen Siedler aus. Etwa ein Drittel der Siedler, rund 12'000 Personen, werden getötet.

1801 wird Irland in das Vereinigte Königreich eingegliedert und verliert sein eigenes Parlament. Mit dem Erstarken des Nationalismus in Europa gewinnen im 19. Jahrhundert Bewegungen für ein unabhängiges Irland an Popularität.

  • Karte von Irland, Nordirland und Grossbritannien.
    Legende: Das heutige Irland, Nordirland und Grossbritannien. Google Maps

    Die Teilung

    1920 wird Irland durch den Government of Ireland Act, einem Gesetz des Vereinigten Königreiches Grossbritannien und Irland, in Nordirland und «Südirland» geteilt. Aus «Südirland» wird 1937 die heutige Republik Irland. Nordirland wird direkt von London aus regiert.

  • Blick in eine nordirische Strasse. Ein IRA-Logo hängt an einem Pfosten.
    Legende: Die IRA – in gewissen Gegenden noch heute präsent. Reuters

    Die IRA

    1919 wird die Irish Republican Army (IRA), die Irisch-Republikanische Armee, gegründet. Sie ist eine paramilitärische irisch-republikanische Organisation mit dem Ziel der völligen Unabhängigkeit Irlands von Grossbritannien. Die IRA ging aus den 1913 gegründeten Irish Volunteers hervor, von denen eine kleine Gruppe unter Federführung der Irish Republican Brotherhood (IRB) im April 1916 den fehlgeschlagenen Osteraufstand initiierte.

  • Ein zerstörtes Dublin im Jahr 1919 nach dem Osteraufstand.
    Legende: Ein zerstörtes Dublin im Jahr 1919 nach dem Osteraufstand. Keystone

    Der Osteraufstand

    Beim fehlgeschlagenen Osteraufstand von 1916 kommt es zu schweren Strassenkämpfen im Zentrum Dublins. Sie dauern eine Woche. Statt 12‘000 IRA-Kämpfer nehmen nur 2000 teil. Am Ende müssen sie gegen die Allmacht der britischen Armee mit über 16‘000 Mann aufgeben. 500 Menschen sterben, die meisten davon Zivilisten. 1919 wird die während des Osteraufstandes proklamierte Irische Republik durch ein illegales Untergrundparlament namens Dail Eireann erneut ausgerufen. Die Irish Volunteers werden als IRA als deren legitime Armee bestimmt.

  • Beerdigung
    Legende: Mehr als 80 Jahre nach dem Tod von 10 IRA-Kämpfern, werden deren Gebeine im Oktober 2001 in Dublin offiziell beerdigt. Keystone

    Der Irische Unabhängigkeitskrieg

    Ab 1919 führt die IRA im sogenannten Irischen Unabhängigkeitskrieg einen Krieg gegen die britische Herrschaft in Irland. Nach einem Waffenstillstand und der Unterzeichnung des Anglo-Irischen Vertrages wird der Unabhängigkeitskrieg am 6. Dezember 1921 beendet. Der Vertrag anerkennt nicht die Souveränität Irlands. Irland bleibt getrennt, auch die IRA spaltet sich. Vertragsbefürwortende Mitglieder bilden den Kern der Irish National Army (heute Irish Defence Forces) des neuen Irischen Freistaates. Die Vertragsgegner, der Grossteil, behalten den Namen IRA bei. Von 1922 bis 1923 kämpfen sie im Irischen Bürgerkrieg gegen ihre ehemaligen Kameraden. Trotz Niederlage kämpfen sie weiter.

  • Britische Soldaten in Nordirland

    Nach schweren Unruhen spaltet sich die IRA 1969 erneut. Es ist der Beginn des Nordirlandkonflikts. Der moderate Flügel gründet die sozialistisch orientierte Official Irish Republican Army und der radikale militaristische Flügel die anfangs rein irisch-republikanisch orientierte Provisional Irish Republican Army (PIRA). Die PIRA gewinnt die Oberhand. Die britische Regierung greift ein und schickt Soldaten, um die Streitparteien zu trennen. Vor allem die PIRA verübt nun Anschläge auf die britische Armee.

  • «Bloody Sunday»

    Am 30. Januar 1972 erschiessen britische Soldaten während eines Protestzugs in der nordirischen Stadt Derry 14 unbewaffnete Demonstranten. Nach dem sogenannten Bloody Sunday (blutiger Sonntag) versinkt Nordirland in einen Bürgerkrieg. Mit etlichen Bombenanschlägen bekämpfen sich nun nationalistische und unionistisch-loyalistischen Terrorgruppen sowie Nationalisten und Sicherheitsorganen (Polizei, Armee). Dem Konflikt fallen über 3300 Menschen zum Opfer, rund 42‘000 Personen werden verletzt. 2010, 38 Jahre nach dem «Bloody Sunday», bittet der britische Premier David Cameron im Namen der Regierung um Verzeihung für die Taten der britischen Soldaten.

  • Der britische UUP-Politiker, John Taylor (l.), und der nordirische UUP-Politiker, David Trimble, treffen 1997 den britischen Premierminister Tony Blair zu Gesprächen.
    Legende: Der britische UUP-Politiker, John Taylor (l.), und der nordirische UUP-Politiker, David Trimble, treffen 1997 den britischen Premierminister Tony Blair zu Gesprächen. Keystone

    Die Friedensgespräche

    Ab 1991 führt die britische Regierung Friedensgespräche mit den wichtigsten Parteien Nordirlands. Dazu zählen die unionistischen Kräften UUP und Democratic Unionist Party (DUP) sowie die gemässigt nationalistische Social Democratic and Labour Party (SDLP). Gleichzeitig verhandelt die Regierung insgeheim mit Sinn Féin, dem politischen Arm der IRA.

  • Blair und Ahern im Jahr 1997.
    Legende: Blair und Ahern im Jahr 1997. Reuters

    Das Karfreitagsabkommen

    Die Friedensgespräche stocken immer wieder, denn die IRA verübt weiterhin Bombenanschläge. Erst 1997 erklärt die IRA eine unbefristete Waffenruhe, sodass die irisch-republikanische Sinn Féin zu den Verhandlungen zugelassen wird. Unter dem Druck der neugewählten britischen (Tony Blair) und irischen Premierminister (Bertie Ahern) sowie des US-Präsidenten Bill Clinton unterzeichnen die Parteien am 10. April 1998 ein Friedensabkommen, das sogenannte Karfreitagsabkommen.

  • Nordirland mit eigener Regierung

    Am 8. Mai 2007 hat Nordirland wieder eine eigenständige Regierung. Als neuer Regierungschef wird der Protestant Ian Paisley vereidigt. Es ist eine Gemeinschaftsregierung zwischen Unionisten und katholischen Nationalisten.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Der Norden soll also in britischer Hand sein? 1. Der Landesteil Donegal, wo bei der Teilung vor bald 100 Jahren fast nur Gälisch gesprochen wurde - deshalb wurde es Nordirland nicht eingegliedert -, liegt ebenfalls im Norden. 2. Solange die Mehrheit noch bei GB bleiben will, wird es nach verschiedenen britisch-irischen Abkommen auch so bleiben. Aber es tut sich etwas, weil die Protestanten heute nur noch etwa 45% stellen. 3. Immer mehr Inselbriten empfinden NI nur noch als Last.
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