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International Der Dschihad im Herzen Europas?

Der sogenannte Islamische Staat (IS) rekrutiert tausende Kämpfer mitten aus Europa. Und bildet sie aus zu kampferprobten Dschihadisten. Die Angst vor radikalisierten Rückkehrern wächst – ganz real wurde die Bedrohung eben erst in Belgien.

Der Angeklagte Enea B. während der Verhandlung
Legende: Am Oberlandesgericht Düsseldorf wird seit Anfang September vier mutmasslichen Dschihadisten der Prozess gemacht. Reuters

«Kehren Dschihadreisende ideologisch indoktriniert und kampferprobt zurück, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie Anschläge in Europa verüben oder als Vorbild für die Anwerbung weiterer Dschihadisten dienen.» Diese Zeilen notierte der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) im Mai in seinem jährlich erscheinenden Lagebericht. Seither hat sich der IS im Irak und Syrien wie ein Lauffeuer ausgebreitet.

Mit seiner gut geölten Propagandamaschinerie ist die radikalislamische Terrormiliz zum Magneten für tausende «Dschihadreisender» geworden – auch aus Europa. Kehren diese zurück, droht Ungemach, sind sich die westlichen Nachrichtendienste einig.

«Mehrere Anschläge» in Belgien vereitelt

Was in der Schweiz bislang hypothetisch ist, ist in Belgien manifest. So haben belgische Ermittler laut einem Bericht der Zeitung «L’Echo» in den vergangenen Monaten mehrere Anschläge radikaler Islamisten abgewendet. Ehemalige Kämpfer in Syrien sowie Sympathisanten der Terrormiliz IS hätten demnach Angriffe geplant, die mit dem Anschlag im Jüdischen Museum in Brüssel vergleichbar gewesen wären, so die Zeitung in ihrer Samstagsausgabe.

Eines der Ziele sei das Gebäude der EU-Kommission in Brüssel gewesen, berichtete der niederländische Fernsehsender NOS im Anschluss an den Bericht.

Am 24. Mai dieses Jahres hatte ein bewaffneter Mann im Eingangsbereich des Jüdischen Museums das Feuer eröffnet. Vier Menschen starben. Der mutmassliche Täter, ein algerischstämmiger Franzose, sitzt in Belgien in Haft. Er hatte mehr als ein Jahr auf der Seite von Islamisten in Syrien gekämpft. Die belgischen Behörden gehen laut «L'Echo» davon aus, dass bis zu 400 Belgier als Kämpfer nach Syrien reisten. Rund 90 von ihnen seien bisher zurückgekehrt.

«Wir arbeiten rund um die Uhr am Problem»

Die belgischen Behörden bestätigten der Nachrichtenagentur Belga, dass es mehrere Einsätze in diesem Zusammenhang gegeben habe. «Wir arbeiten rund um die Uhr am Problem der zurückgekehrten Kämpfer», sagte ein Vertreter der Justizbehörden.

Im Juni hatte ein belgisches Gericht 46 mutmassliche Mitglieder der Gruppe Sharia4Belgium angeklagt. Die radikale Gruppe wird verdächtigt, junge Kämpfer für den Bürgerkrieg in Syrien anzuwerben.

Pläne für Papst-Attentat?

Auch aus dem Vatikan wurde am Samstag ein ähnlich gelagerter Fall publik. Wie die italienische Tageszeitung «Il Messaggero» berichtete, habe ein ausländischer Geheimdienst ein Gespräch zweier Arabisch sprechender Männer abgefangen. Thema: Eine «überzeugende Tat im Vatikan», die für kommenden Mittwoch – den Tag der wöchentlichen Generalaudienz des Papstes – geplant sei.

Die italienischen Behörden seien in der zurückliegenden Woche darüber informiert worden; diese wiederum hätten festgestellt, dass einer der Männer vor rund acht Monaten in Italien unterwegs gewesen sei.

Bereits in den vergangenen Wochen hatte es mehrfach Warnungen gegeben, Anhänger der im Irak und in Syrien aktiven Dschihadistengruppe Islamischer Staat könnten einen Anschlag auf Papst Franziskus planen.

Gefahr «radikalisierter Einzeltäter» auch in der Schweiz

Darüber, wie real ein vergleichbares Bedrohungsszenario in der Schweiz ist, lässt sich nur mutmassen. In seinem Lagebericht erklärte der NDB zwar wie in den Jahren zuvor, dass die Schweiz «kein erklärtes prioritäres Ziel dschihadistisch motivierter Gruppierungen» sei. Jedoch könnten auch bei uns «ideologisch radikalisierte Einzeltäter» Terroranschläge verüben. Diese rechtzeitig zu stoppen, sei selbst dann schwierig, wenn die Person bereits polizeilich oder nachrichtendienstlich bekannt ist.

Besonderes Augenmerk gilt denn auch beim NDB allfälligen «in die Schweiz zurückkehrenden Dschihadreisenden». Der Nachrichtendienst schätzt, dass bislang rund 40 Personen in den Nahen Osten gereist sind, um sich am Dschihad zu beteiligen.

Anfang September wurde zudem bekannt, dass die Bundesanwaltschaft gegen vier mutmassliche Dschihadi ermittelt, die aus der Schweiz nach Syrien gereist sind.

IS-Drohung an Fernandez

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez ist nach eigenen Angaben von der Terrormiliz IS bedroht worden. Grund sei ihre Freundschaft zu dem in Argentinien geborenen Papst Franziskus, sagte sie nach einem gemeinsamen Mittagessen mit dem Pontifex in Rom. Das Sicherheitsministerium und der Geheimdienst seien eingeschaltet worden.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Geiger, Zürich
    Freu Roe stimme ich zu. Mohamed war Prophet und Kriegsherr. Der Jihad, "der heilige Krieg" ,nicht die friedliche Mission war und ist das Mittel, den Islam zu verbreiten. Der Islam ist eine Religion der Unterwerfung. Sich zu einer Religion zu bekennen, die den Anspruch erhebt, eine weltumspannende Gemeinschaft, die "Umma", zu sein, sollte diejenigen ächten, die die Religion missbrauchen, um Andersgläubige zu verfolgen und zu töten. So gelesen und verstanden in einer Tageszeitung der Schweiz.
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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Gerade bei uns in der Schweiz dürfte es leicht sein einen Terroranschlag auszuüben. Bei uns wird die Überwachung verurteilt, die Festnahme von Verdächtigen verunglimpft und Verdächtigen und Labilen Personen noch ein Gesundheitsprogramm und Psychologische Unterstützung angeboten. Wenn man in der Schweiz den Islamisten nicht Vertrauen schenkt, wird man als Rassist verpönt. Bei uns haben fast nur noch "Wölfe im Schafspelz" etwas zu sagen.
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  • Kommentar von Tamer Aboalenin, Bern
    Der Islam als ein Problem darzustellen ist völlig daneben, rassistisch und xenophobisch. Das Problem liegt eher im Westen, der keine Demokratie in der islamischen Welt sehen will und somit gilt es jeglichen Erfolg des Arabischen Frühlings null und nichtig zu machen. Denn Demokratie heißt, dass der Westen diese rohstoffreichen Länder nicht mehr ausbeuten kann. Selbst wichtige westliche Politiker geben das offen zu (FT 19.09.14: Interview mit dem MI6-Chef).
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Was für eine absurde Behauptung! Was hat Europa davon, wenn es im Nahen Osten keine stabile Demokratie gibt? Nicht der Westen hat die 'Erfolge' (welche denn?) des sog. "Arabischen Frühlings" (nichts als eine Fata Morgana) zunichte gemacht, sondern die Islamisten und Jihadisten, die den Sturz von Mubarak und Co. als Chance sahen, ihren Ländern eine Scharia-Diktatur nach iranischem Vorbild aufzuzwingen. Es ist traurig, dass Moslems wie Sie den Sündenbock immer im Westen suchen, nie bei sich.
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    2. Antwort von Amira Salem, Zürich
      @ Christen, was für absurde Kommentar von einem Bekennender islamophob. Herr Aboalenin hat ja schon erwähnt, dass der Chef des mi6 schon zu gegeben hat, dass Europa keine Interesse daran hat, Demokratie in den arabischen Welt zu unterstützen.
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    3. Antwort von m.mitulla, wil
      @T. Aboalenin. Es gibt kein muslimisches Land, welches eine freie Demokratie lebt. Laut dem Koran, der immer noch absolut gilt, sind Religion und Politik eins. Was dort steht gilt und wird - notfalls mit Gewalt - durchesetzt, analog eines absolutistischen Systems. Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Rechtsgleichheit usw. sind nur einige Stichworte dazu.
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    4. Antwort von Tamer Aboalenin, Bern
      @mitulla, wenn Sie sich tiefer über den Islam informieren, dann werden Sie auch erfahren dass, der Islam demokratische Werte hat. Zahlreiche Bücher von weltweit berühmten Theologen und gelehrten haben schon das Thema und andere Missverständnisse über den Islam bearbeitet.
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    5. Antwort von m.mitulla, wil
      @T. Aboalenin. Sicher gibt es demokratische Werte - die Frauen dürfen wählen, Respekt gegenüber Fremden, gute Werke für die Armen. Das Problem sind die starren Regeln, die - je nach Land - mit mehr oder weniger Gewalt durchgesetzt werden., z.B. der Umgang mit Andersgläubigen und deren Berufschancen und Verdienstmöglichkeiten. Umgang mit Frauen, die dem Mann ungenügend "zu Diensten" sind, Umgang mit Konvertiten (z.B. vom Islam zum Christentum), Umgang mit islamkritischen Schriftstellern, usw.
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    6. Antwort von Tamer Aboalenin, Zurich
      @mitulla, Man muss unterscheiden zwischen Sitten und Religion, was Sie erwähnt haben, sind eigentlich Sitten, die nichts mit dem Religion zu tun haben sondern variieren sich von Land zu Land. Deshalb ist eine Pauschalisierung ein Fehler. wie hier in Europa z.B. alle Länder snd nicht gleich in Frage Lohngleichberechtigung zwischen Mann und Frau, auch nicht gleich in Minderheitsschutz oder Presse und Redefreiheit.
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    7. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Aboalenin - wenn der Islam so grossartig demokratisch und tolerant ist - was tun Sie eigentlich in der Schweiz anstatt in Islamistan wohnhaft zu sein?
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    8. Antwort von m.mitulla, wil
      Sicher müsste zwischen Sitten und Religion unterschieden werden. Nur ist eben gerade die Vermischung von Religion, Sitten und und staatlicher Macht das Problem des Islam. Reformen täten not, um Staat und Religion zu trennen. Vernachlässigte Lohngleichheit ist nicht vergleichbar mit Religions- Presse- oder EINKLGBARER Rechtsgleichheit zwischen Mann und Frau.
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