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Präsidentenwahl in Österreich «Der erwartete Rechtsrutsch ist vielleicht nur aufgeschoben»

SRF-Korrespondent Peter Balzli über die Politik in Österreich nach der Wahl des Bundespräsidenten.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Peter Balzli abspielen. Laufzeit 1:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.12.2016.

SRF: Es war lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen – was hat jetzt den Ausschlag gegeben für dieses deutliche Resultat?

Peter Balzli: Offensichtlich hat Alexander Van der Bellen seine Wähler besser erreicht, er hat besser mobilisiert. Das ist doch eine Überraschung, denn Norbert Hofer war in praktisch allen TV-Duellen der bessere Kandidat, er hat seinen Gegner oft in die Defensive geschlagen – aber er war dabei auch oft herablassend und beleidigend, und das hat die Wählerschaft offenbar nicht goutiert. Letztlich geht es hier um das Amt des Bundespräsidenten, und das verlangt in erster Linie Würde und Übersicht und nicht so sehr Aggressivität und Schlagfertigkeit.

Diese Wahl ist ein Wendepunkt in der politischen Kultur Österreichs.
Autor: Peter Balzli

Wie geht es nun weiter mit der Politik in Österreich mit dem neuen Bundespräsidenten?

Dieses Ergebnis zeigt, dass der von vielen erwartete Rechtsrutsch in Österreich aufgehalten ist – oder vielleicht aufgeschoben. Aufgeschoben deshalb, weil die meisten Fachleute hier erwarten, dass die grosse Koalition in den nächsten Wochen oder Monaten auseinanderbricht und dass es zu Neuwahlen kommt. Dort liegt Hofers FPÖ in allen Umfragen vorne. Das Spiel ist sicher noch nicht aus – nur ein Kapitel ist vorüber.

Die Wahlen scheinen ein gespaltenes Land zu hinterlassen – sehen Sie das auch so?

Auf jeden Fall, und ich würde sogar noch weiter gehen: Diese Wahl ist ein Wendepunkt in der politischen Kultur Österreichs. Noch nie war ein Wahlkampf so aggressiv, so schmutzig. Ich denke, diese politische Un-Kultur wird bleiben, auch bei den nächsten Parlamentswahlen.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Das sieht Peter Balzli genau richtig: Die FPOe wird umso schneller wachsen, wie die EU-Bürokratie Fehlentscheide und volksfremde Massnahmen durchzwängt! In Oesterreich käme heute bei einer Volksabstimmung für einen EU-Beitritt ein klares NEIN heraus! Ausser der Hauptstadt Wien, wohnen die meisten Oesterreicher auf dem Land! Dort hangen die Menschen noch sehr fest an ihren Werten und Selbstbestimmungsrechten! Viele haben längst genug von den urbanen Globalisierung!
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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben". Solange die EU starr an ihrer Politik festhält & mit dieser das eigene Volk "klein" hält, wird die Unzufriedenheit weiter wachsen.
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  • Kommentar von Peter Frei (Peter Frei)
    Journalist: "Die Wahlen scheinen ein gespaltenes Land zu hinterlassen". Schon wieder diese absurde linkspopulistisches Schlechtmachen, wenn Andersdenkende (Freiheitliche Parteien) in einem Land stark werden. Nichtgespaltene Länder sind Kuba, Russland, Gottesstaat Iran. Und Erdogan ist gerade daran, die "Spaltung" zu überwinden, indem er einen Teil im Gefängnis mundtot macht. Sind USA (Demokraten/Republikaner), Belgien, Italien, etwa keine "gespaltenen" Länder? "Geteilt heisst: Demokratie lebt
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    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      "Geteilt heisst: Demokratie lebt" Wobei nach wie vor mit allen Mitteln, insbesondere medial, versucht wird, sie einseitig auf Eis zu legen.
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