Der Fluchthelfer aus Syrien

Ein syrisch-orthodoxer Priester hat über 250 Geiseln aus den Fängen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit. Für viele ist er deshalb ein Held. Zurzeit weilt der Mann in der Schweiz. Doch sein Gesicht öffentlich zeigen, kann er nicht mehr.

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Wie ein Priester IS-Geiseln befreit

4:11 min, vom 20.12.2015

Erst letzte Woche hat ihn der Papst empfangen: Den syrisch-orthodoxen Priester, der kein Risiko scheute, um Geiseln aus den Fängen des IS zur Flucht zu verhelfen. Seinen Namen veröffentlichen darf man zu seinem eigenen Schutz nicht. Sein Gesicht zeigen auch nicht. Denn für die Terroristen des IS ist er ein Feind, der den Tod verdient.

Beim Mittagsgebet mit syrisch-orthodoxen Gläubigen in der Schweiz, trifft sich der Priester mit der «Tagesschau», um von den Befreiungen zu erzählen. Obwohl weit entfernt von seiner Heimat, ist er in Gedanken auch hier bei den Menschen, die noch in Geiselhaft der IS-Terroristen sind. Er zeigt Aufnahmen seiner Heimatstadt – sie war nach der Eroberung durch den IS grossflächig zerstört. Von dort aus hat er zahlreichen Menschen die Flucht ermöglicht.

Fluchtplanung mit Google-Maps

«Mit Hilfe von Google-Maps haben wir Fluchtrouten erstellt. Dann ist ein Freund heimlich in die Stadt eingedrungen, um herauszufinden, wo die Geiseln versteckt werden.» Drei Fahrzeuge hätten sie organisiert und abwechselnd zur Flucht benutzt. «Wenn die Terroristen durch Kämpfe abgelenkt waren, konnten wir eine Geisel nach der anderen aus der Stadt in Sicherheit bringen.»

Er sei kein mutiger Mann und auch kein Held, sagt der Priester. Nur der Glaube und die Gebete seiner Gemeinde gäben ihm den Mut für die Fluchthilfe: «Ein alter Mann hat mich nach jeder Befreiung umarmt und mich als Helden bezeichnet. Ein anderer weint immer, wenn er mich sieht. Er sagt, Gott habe mich geschickt, um die Geiseln zu befreien.»

Der Priester will seine Fluchthilfe für Geiseln fortsetzten, bis sich niemand mehr in der Gewalt von Terroristen befindet. Angst vor dem IS hat er nicht – seinen Körper könne man töten, seinen Glauben und seine Botschaft nicht. Trotzdem plädiert er für internationale Hilfe: «Von der Schweiz und Europa wünsche ich mir Unterstützung für die Menschen, die in Syrien ausharren. Wir dürfen sie nicht vergessen.»