Der Frieden in Kolumbien rückt näher

Hoffnung für ein terrorisiertes Land: Die Regierung und die marxistischen Farc-Rebellen haben sich auf eine Agrarreform geeinigt. Dies gilt als wichtiger Fortschritt. Doch der Weg zum Frieden ist noch lang.

Jesus Santrich und Tanja Nijmeijer laufen nebeneinander.

Bildlegende: Die Farc-Mitglieder Jesus Santrich und Tanja Nijmeijer aus den Niederlanden sind an den Gesprächen in Havanna dabei. Reuters

Die kolumbianische Regierung hat bei den Friedensgesprächen mit den Farc-Rebellen einen ersten wichtigen Erfolg erzielt. Nach sechs Monate langen Verhandlungen verkündeten beide Seiten eine Einigung auf eine Landreform. Demnach soll der armen Bevölkerung in den ländlichen Gebieten Agrarland zur Verfügung gestellt werden. Wie viel Land an die Bauern abgetreten wird, wurde nicht bekannt.

Die Landreform war eine der wichtigsten Forderungen der Farc, die seit fast 50 Jahren gegen die Regierung kämpft. Es handelt sich dabei um den ersten von fünf Punkten der vereinbarten Friedensagenda – und ist wegweisend für den weiteren Erfolg der Gespräche.

«  Nichts ist beschlossen, solange nicht alles beschlossen ist. »

Humberto de la Calle
Unterhändler der Regierung

Präsident Juan Manuel Santos feierte den Erfolg als «fundamentalen Schritt» zur Lösung des 50 Jahre andauernden blutigen Konflikts im Anden-Staat. Zugleich warnte er vor Euphorie: «Wir setzen den Prozess mit Vorsicht und Verantwortung fort», schrieb er. Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüsste die «bedeutsame Leistung» für den Frieden.

Zu der nun erzielten Einigung erklärte der Unterhändler der Regierung, die Grossgrundbesitzer würden ihr Land nicht verlieren. «Legale Landbesitzer haben nichts zu befürchten», sagte Humberto de la Calle. Zugleich betonte er, die Vereinbarung über die Landreform werde erst mit einem Friedensvertrag in Kraft treten. «Nichts ist beschlossen, solange nicht alles beschlossen ist», sagte er.

Friedensbemühungen mehrfach gescheitert

Seit November 2012 finden auf Kuba Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien statt. Zuvor waren die Friedensgespräche bereits dreimal gescheitert.

Die aktuellen Verhandlungen werden am 11. Juni mit dem zweiten Punkt, der politischen Zukunft der Guerilla, fortgesetzt. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos setzt auf ein erfolgreiches Ende noch 2013.

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Durchbruch bei Friedensgesprächen mit der Farc

2:10 min, aus Tagesschau am Mittag vom 27.5.2013

Die Farc in Kolumbien

Die linksgerichteten «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (Farc) bekämpfen seit 1964 die Staatsmacht. Laut Kritikern ist der Kampf aber kaum noch politisch motiviert, sondern eng mit Drogenhandel und Lösegelderpressung verbunden.

Im Zuge des Aufstands gab es über 100'000 Tote und Millionen Vertriebene. Die Farc zählt noch ca. 8000 Mitglieder.