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International Der Front National scheitert in allen Regionen

In Frankreich konnte die rechtsextreme Partei keine der insgesamt 13 Regionen erobern. Nach der zweiten Runde der Regionalwahlen zeigen erste Nachwahlbefragungen: Die Partei von Marine Le Pen landet auf dem dritten Platz, hinter den Konservativen und den Sozialisten.

Legende: Video Zweite Runde bei Frankreichs Regionalwahlen abspielen. Laufzeit 1:05 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.12.2015.

Der rechtsextreme Front National (FN) hat bei den Regionalwahlen in Frankreich in keiner einzigen der 13 Regionen gewonnen. In der ersten Wahlrunde vor einer Woche war die Partei noch mit landesweit 28 Prozent stärkste Kraft geworden und in sechs der 13 französischen Regionen vorne gelandet.

Parteichefin Marine Le Pen unterlag in der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie beim zweiten Wahlgang mit 42,8 Prozent ihrem konservativen Gegner Xavier Bertrand mit 57,2 Prozent, wie das Institut Ifop-Fiducial bekanntgab.

Auch deren 26-jährige Nichte Marion Maréchal-Le Pen verlor in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur mit 45,5 Prozent gegen den konservativen Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi mit 54,5 Prozent.

Wahlerfolg der Konservativen und Sozialisten

Das konservativ-bürgerliche Lager von Nicolas Sarkozy gewann laut Hochrechnungen mindestens sieben Regionen: Nord-Pas-de-Calais-Picardie, Provence-Alpes-Côte d'Azur, Elsass-Champagne-Ardenne-Lothringen, dann noch Auvergne-Rhône-Alpes, Pays de la Loire, die Normandie und die Hauptstadtregion Ile-de-France.

Die sozialistische Linke von François Hollande gewann die Regionen Bretagne, Languedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées, Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes, Burgund-Franche-Comté und Centre-Val de Loire. In Korsika gewannen die korsischen Nationalisten.

Rückzug der Sozialisten

In der ersten Wahlrunde vor einer Woche war der Front National noch mit landesweit 28 Prozent stärkste Kraft geworden und in sechs der 13 Regionen vorne gelandet. In den zwei Regionen, wo der FN vor einer Woche am weitesten vorne lag, hatten sich die Sozialisten aus dem Rennen zurückgezogen. Sie riefen ihre Anhänger in Nord-Pas-de-Calais-Picardie und Provence-Alpes-Cote-d'Azur auf, dort für die Konservativen zu stimmen.

Das sagte auch Frankreichs sozialistischer Premierminister Manuel Valls. Er appellierte an alle politische Verantwortlichen:

Der sozialistische Premierminister Manuel Valls dankte den Wählern am Sonntagabend, eine «Sperre» gegen die Rechtsextremen errichtet zu haben. Er mahnte zugleich: «Heute Abend gibt es keinerlei Erleichterung oder Siegesgewissheit. Die Gefahr der extremen Rechten ist bei weitem nicht abgewehrt.»

Den Front National nur schlecht zu reden, hilft nicht

Legende: Video Michael Gerber zur Regionalwahl in Frankreich abspielen. Laufzeit 0:31 Minuten.
Vom 13.12.2015.

Die etablierten Parteien, die konservativen Republikaner und Sozialisten haben versucht, den Front National aufzuhalten, sagt SRF-Korrespondent Michael Gerber. «Aber indem sie ihn schlecht reden oder gar verteufeln, wie dies Regierungschef Manuel Valls diese Woche tat. Diese Strategie der Verteufelung ist ja auch aus demokratischer Sicht eine Beleidigung der sechs Millionen Franzosen, die den Front National gewählt haben», sagt Gerber.

Die Parteien wären besser bedient, wenn sie die Wähler positiv ansprechen würden. Wenn sie ihnen erklären würden, wie Frankreich wieder zum Erfolg geführt werden könnte, wie die Wirtschaftskrise zu bekämpfen oder wie die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen sei. Gerber ist überzeugt, dass es «nur mit positiven Antworten gelingen wird, bei den nächsten Wahlen einen Triumphzug des Front National abzuhalten.»

52 Kommentare

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  • Kommentar von Cédric Schmid (Grüne Partei)
    ha ha die Rechtsradikale FN ist in Frankreich kläglich gescheitert. Und das vor allem weil die Sozialisten sich ins Bett ihrer eigentlich gehassten Konservativen legten. Wow, das sagt doch wieder alles über die einwandfreie Glaubwürdigkeit der Sozialisten da. Es mehr linksradikale geben da wäre ich KunzBächler sehr glücklich. Aber es darf keine Plattform für Rechtsradikale Parteien und oder Rechtsradikales Gedankengut geben. Das gefährdet unsere Freiheit. jawohl. Danke an das Französische Volk
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Es war zu erwarten, dess der FN zulegt. Kann man es den gebeutelten Franzosen verdenken? Vieles liegt im Argen. Die Wirtschaft liegt seit Jahren am Boden, hohe Arbeitslosigkeit. Dann die hohe Anzahl an Muslimen, die sich nicht integrieren lassen wollen und ganze Stadtviertel in No-Go-areas verwandeln. Dann noch die grauenhaften Terroranschläge. Mit Frankreich verglichen geht es England und Deutschland noch gut. Noch geht es gut, aber wo soll das enden mit der ungeregelten Masseneinwanderung?
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    1. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      Ungeregelte Masseneinwanderung? Deutschland hat heute wesentlich weniger Einwohner als noch vor 10 Jahren wobei der Altersschnitt steigt und steigt. Warum nimmt DE so viele Flüchtlinge auf? DE braucht dringend junge Arbeitskräfte - die Flüchtlinge kommen da wie gerufen. Die Aussage, dass sich Muslime "nicht integrieren lassen wollen" halte ich für kreuzfalsch. Sie wollen nicht konvertieren, aber das muss man in einem fortschrittlichen Land auch nicht.
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    2. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Wo das Enden wird? Die Einwanderung ist eine Chance für Europa. Da ich vor Menschen in Not keine Angst habe, sehe ich die Flüchtlingskrise als die Sternstunde schlechthin für Frieden und Wohlstand in Europa. Millionen Menschen werden nie vergessen, dass wir ihnen in grösster Not geholfen haben!
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  • Kommentar von H. Kaalam (Aitheantas a thabhairt don ealaín tú)
    Ich bin immer wieder schockiert, dass hier CH Bürger jeden der die FN nicht verurteilt verunglimpft ! Linkes Gesinnungsgut wird in nicht allzu langer Zeit unser Land zur Spaltung der Gesellschaft zwingen und dann ist der Weg zum «Kristallnacht-Revival» nicht mehr weit! Viele merken nicht, dass dieser Weg in den Abgrund führt. Die Menschheit lernt leider nichts!
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    1. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      Zum streiten braucht's immer zwei... Ich sehe aktuell die rechtspopulistische Tendenz in Europa als grösste Bedrohung unserer freien Gesellschaft. Parteien wie der FN untergraben systematisch unsere Freiheit und greifen unsere Grundrechte an - hierzulande die SVP mit der Kritik an der EMRK.
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    2. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Richtig, die Nazis haben die Welt schon vor 70 Jahren an den Abgrund gebracht, und die heutigen nationalistischen Parteien werden es wieder tun, wenn sie an die Macht kommen. Wie kann man nur den FN wählen? Ist der 2.Weltkrieg und seine Gräuel schon vergessen? Rechtsnationale Idiologien haben noch nie Gutes bewirkt, sondern nur Tod und Unterdrückung über die Menschen gebracht! Wacht auf!!!
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    3. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      @Steiner. Ich teile Ihre Ansicht und möchte noch ergänzen, dass linksradikal ebenfalls gefährlich ist. Ob links oder rechts ist nicht entscheidend, sobald jemand das Gefühl hat, er sei denn anderen überlegen und müsse diesem vorschreiben, wie er zu leben habe, wird er extrem. Der Extremismus - ob politischer oder religiöser - ist das Problem und muss bekämpft werden.
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    4. Antwort von Cédric Schmid (Grüne Partei)
      "- hierzulande die SVP mit der Kritik an der EMRK. " Bravo! Ich wollte die SVP ja auch für das krititisieren. Doch leider leider verhält es nicht. Die SVP will die Schweizer Demokratie stärken und hat leider recht, dass die Menschenrechte schon in unserer Verfassung sind. Da hat die SVP ja wieder mal Glück gehabt
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