Der Graben zwischen Arm und Reich wird kleiner

Die Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern sind immer noch gross. Das sagt der jüngste Weltentwicklungsbericht der UNO. Aber: Die Unterschiede werden kleiner, und zwar nicht nur gegenüber Schwellenländern wie China oder Brasilien. Auch die meisten der ärmsten Länder legen rasant zu.

Ist von der Dritten Welt die Rede, geht es meistens um Armut, Hunger, Elende, Seuchen oder Gewalt. Doch das ist nur eine Seite. Die andere ist: Der Süden blüht.

Die Länder des Südens sind erstmals seit Jahrhunderten die Antreiber der Weltwirtschaft. Ihr Anteil am Welthandel hat sich in zwei Jahrzehnten praktisch auf 50 Prozent verdoppelt. Gleichzeitig halbierte sich der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben auf 22 Prozent. Die Lage entwickle sich gar nicht so schlecht, sagte Helen Clark, die Chefin des UNO-Entwicklungsprogramms UNDP, bei der Vorstellung des Weltentwicklungsberichts.

Der UNO-Bericht berücksichtigt nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch Faktoren wie Gesundheit, Gleichberechtigung der Geschlechter, Bildung oder Lebenserwartung. Dabei machten Schwellenländer grosse Fortschritte. Das wurde erwartet. Überraschender ist – selbst für UNO-Fachleute – die rasante Aufholjagd dutzender armer Länder. Länder wie Bangladesch, Uganda, Burma oder Äthiopien – sogar einige der von Gewalt erschütterten allerärmsten Länder wie Afghanistan, Jemen oder Kongo machten gewaltige Fortschritte.

Erfolgsfaktoren sind laut der UNO: massvolle, gezielte Staatseingriffe, globale Vernetzung - besonders auch mit neuen Kommunikationsmitteln -, Investitionen in Bildung und Gesundheit, nicht zuletzt auch die Frauenförderung. Auch im neusten UNO-Entwicklungsbericht führen zwar westliche Staaten die Rangliste an. Doch ihr Vorsprung sinkt rapide. Die Entwicklungsländer holen massiv auf. (nab)