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International «Der Grossteil der Russen kriegt den Offshore-Skandal nicht mit»

Die Enthüllungen über Offshore-Geschäfte zahlreicher bekannter Persönlichkeiten beherrschen derzeit die westlichen Medien. Die Vorwürfe betreffen auch das Umfeld von Wladimir Putin. Doch in Russland wird das Thema zum Teil heruntergespielt – oder es kommt in den Medien gar nicht erst vor.

Legende: Video Panama Papers abspielen. Laufzeit 4:00 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.04.2016.

Bereits Tage vor der Veröffentlichung der «Panama Papers» machte der Kreml den Russen klar: Eine Informationsattacke des Westens ist im Anzug. Der vermeintliche Skandal um versteckte Offshore-Gelder aus dem Bekanntenkreis von Wladimir Putin wurde damit bereits im Vorfeld diskreditiert.

Kein Thema beim Staatsfernsehen

So ist es denn auch nicht erstaunlich, dass für die staatlich kontrollierten Medien in Russland die «Panama Papers» kein Thema sind. Das Staatsfernsehen vermeldete das Thema mit keiner Silbe, wie SRF-Russlandkorrespondent David Nauer am Montagvormittag berichtet. Auf dem ersten Kanal wurde stattdessen der Dopingskandal in Grossbritanniens Sportszene umfänglich abgehandelt.

Auch die regierungsnahen Presseagenturen hatten lange nichts über den Briefkastenfirmen-Skandal geschrieben. «Erst als Kreml-Sprecher Dmitri Peskow die Berichte kommentierte, griffen auch die Nachrichtenagenturen das Thema auf», sagt Nauer. Der Kreml habe quasi erst die Linie vorgeben müssen.

Sprecher Peskow machte sich lustig über die Vorwürfe, die gegen das Umfeld von Putin erhoben worden sind. «Da steht nicht wirklich etwas Neues drin», sagte Peskow – und ironisch: Er sei sogar etwas enttäuscht.

Kritische Zeitungen haben geringe Reichweite

So weit die staatliche Seite. Bei kritischen Internetportalen und Zeitungen waren die Panama Papers jedoch durchaus ein Thema. Die kremlkritische Zeitung Novaya Gazeta war sogar selber beteiligt an dem Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) und berichtete in der Montagsausgabe sehr breit über das Thema, wie Nauer festhält.

  • Bericht über Sergei Roldugin, in kyrillischer Schrift
    Legende: Auszug der Webseite: Die kritische russische Zeitung Novaya Gazetta berichtete gross über die Offshore-Enthüllungen. novayagazeta.ru

    Bericht in der Novaya Gazeta

    Die kremlkritische Zeitung Novaya Gazeta titelte in ihrer Online-Ausgabe: «Goldene Partitur: Warum Sergej Roldugin – ein enger Freund von Putin – nicht nur ein virtuoser Musiker ist, sondern auch Besitzer eines Offshore-Schattenimperiums im Wert von Milliarden von Dollar.»

Es gebe mehrere Zeitungen, die das Thema aufgegriffen hätten – wenn auch oftmals eingebettet in die Aussage eines Kreml-Sprechers von letzter Woche, wonach die Enthüllungen lediglich zum Ziel hätten, Putin schlecht zu machen.

Bei den interessierten Russen herrscht die Stimmung vor: <Was? Es geht nur um zwei Milliarden Dollar?>
Autor: David NauerSRF-Russlandkorrespondent

Doch unmittelbare Image-Probleme dürfte Putin in Russland nicht erwarten, schätzt Nauer. Denn: Viele Leute erfahren gar nicht von den Vorwürfen, da die kritischen Zeitungen insgesamt eine sehr kleine Reichweite im Land haben. Andere Russen glauben an die angebliche Attacke des Westens. Und für den interessierten Russen seien die Enthüllungen nicht wirklich überraschend, brachte Nauer vor Ort in Erfahrung. «Hier herrscht eher die Stimmung vor: Was? Es geht nur um zwei Milliarden Dollar?» Man hätte Schlimmeres erwartet.

Bei den sogenannten «Panama Papers, Link öffnet in einem neuen Fenster» geht es um 11,5 Millionen Dokumente zu 214'000 Briefkastenfirmen, die von der Kanzlei Mossack Fonseca aus Panama gegründet worden sind. Inhaber solcher Firmen sollen unter anderem berühmte Politiker und Sportstars sein.

Putin und sein Umfeld

Der Musiker Sergei Roldugin, ein enger Vertrauter von Präsident Putin, fungierte den Angaben zufolge als Inhaber gleich zweier Briefkastenfirmen. Im Laufe mehrerer Jahre sollen über seine Firmen zwei Milliarden Dollar aus Russland geschleust worden sein. Der Rechercheverbund betont aber, Putin selber werde nicht genannt.

David Nauer

David Nauer

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

21 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Das ganze Ausmass der "Briefkastenfirmen" ist schon lange bekannt. Man versucht mit diesem Thema gleich zwei Fliegen auf einen Schlag zu erledigen: 1. kann man noch etwas mehr (zwar kontraproduktiv) auf Putin herum hacken, + 2. kann man von der Flüchtlingskrise ablenken. Beides gehört sich nicht für Leute die angeblich Politik machen. Mir sind Menschen wie Donald Trump lieber als die heuchlerische Politelite. Hat man etwa Angst, dass Donald die Offshore-Wahrheit ausposaunt +will ihm zuvor kommen
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  • Kommentar von André Ackermann (Andrei)
    Woher hat der Korrespondent in Moskau seine Information. Ich habe viele russ. TV-Kanäle zu Hause (CH) und es wurde davon ausführlich berichtet!!?? Wie kann man nur solche Fehlinformationen liefern. Weiss man denn nicht, dass man russ. TV auch hier sehen kann. Es wäre wünschenswert, wenn die westl. Welt sich mal russisches TV ansieht. Polit. Talkshows mit Meinungsfreiheit!! Gegner u. Befürworter kommen zum Wort. Journalisten u. Politologen aus der ganzen Welt!!!! Wieso immer diese Fehlinfo?
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  • Kommentar von Hans Marti (Hans M. Bellerive)
    Es ist sehr interessant: SRF macht genau das was sie Russland vorwirft. Wir Schweizer erhalten gar keine Informationen über Schweizer oder z.B. US Amerikaner, die auf diese Art Geld "verschoben" haben!
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