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International «Der IS hat Geldspeicher wie Dagobert Duck»

Bei Luftangriffen gegen die Terrormiliz haben die USA nach eigenen Angaben bis zu 800 Millionen Dollar deren Vermögens zerstört. Das sei möglich, sagt Sicherheitsexperte Guido Steinberg. Denn die Organisation horte ihr Geld in bar und in Tresoren.

Demonstranten mit Schildern.
Legende: Ob es den USA gelungen ist, dem IS den Geldhahn abzudrehen, wie das diese Demonstrantin fordert? Reuters

Bei einem Luftschlag gegen ein Geldlager der Terrororganisation IS wurden nach Angaben des Pentagon Gelder in der Höhe von 800 Millionen vernichtet. Der Anschlag sei bereits anfangs Jahr auf einen Stützpunkt in der irakischen IS-Hochburg Mosul geschehen.

SRF News: Wie plausibel sind die Angaben aus den USA?

Guido Steinberg: Wir haben es sicherlich mit etwas Propaganda zu tun. Ich halte es für schwer vorstellbar, dass tatsächlich eine so grosse Menge Geld zerstört wurde. Allerdings ist bekannt, dass es diese Angriffe gegeben hat und dass der IS regelrechte Geldspeicher, vor allem mit US-, irakischen und syrischen Noten angelegt hat.

Wie muss man sich denn diese Geldspeicher vorstellen?

In den Gebieten, in denen der IS herrscht, gibt es kein Bankensystem mehr. Deswegen ist die Terrormiliz darauf angewiesen, ihre Geldbestände in bar zu horten. Man muss sich das wie ein Geldspeicher bei Dagobert Duck in Entenhausen vorstellen.

Das würde heissen, der IS ist finanziell physisch angreifbar. Könnte man versuchen, alles Geld zu zerstören und der IS wäre pleite?

Die Amerikaner versuchen dies ganz gezielt. Das führt zu einer Schwächung der Organisation. Aber pleite ist sie sicher nicht. Es ist eine kleine Organisation, die vielleicht noch 20'000 bis 25‘000 Kämpfer bezahlen muss. In den letzten zwei Jahren hat sie versucht, staatliche Funktionen zu übernehmen. Jetzt da das Geld knapper wird, wird sie ihre Ressourcen auf ihren Kernbereich reduzieren – die Bezahlung der Kämpfer. Sie wird aufhören, die Bevölkerung weiter zu versorgen. Das ist für die Bevölkerung, die sich im Territorium des IS aufhalten muss, keine gute Nachricht.

Welche Anlagen hat der IS ausser dieser Bargelddepots sonst?

Der IS hat vor allem noch Ölfelder im Osten des Landes. Zudem verdient er noch etwas Geld mit dem Export von Antiquitäten. Aber letzten Endes haben wir es mit einer Organisation zu tun, die von Steuern redet, aber Schutzgelder erpresst. Und dies in einem Gebiet, wo immer noch sechs Millionen Menschen leben. Es wird also ohne weiteres möglich sein, zumindest das Geld für die Kämpfer weiterhin zu beschaffen.

Guido Steinberg

Portrait von Guido Steinberg

Der promovierte Islamwissenschaftler ist Sicherheitsexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Bis 2005 arbeitete er als Terrorismusreferent für die deutsche Regierung. An der SWP erforscht er die Politik des Nahen Ostens und den islamistischen Terrorismus.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Steiner (Tom Stone)
    Schicken wir doch die Panzerknacker, die haben mit Dagoberts Geldspeicher Erfahrung gesammelt. Im Ernst: Seit Monaten wird diskutiert, dass der IS Öl aus den besetzten Raffinerien verkauft. Und die Waffenkommen halt aus good old America, als die Leute noch "rechtschaffene" Rebellen waren gegen Saddam. Und die Türkei unterstützte schon immer alle, die etwas gegen die Kurden haben. Nur fahren wir heute da in Hotels und wollen es nicht (mehr) sehen und hören.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Die inhaftierten türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül hatten von Geschäftsbeziehungen und Waffenlieferungen aus der Türkei zum IS berichtet - deshalb stehen sie nun vor Gericht - und deswegen müssen sie mit lebenslangen Haftstrafen rechnen. Wie kommt es, dass die "westliche Wertegemeinschaft" 1.für die Journalisten nicht Freiheit verlangt und Asyl anbietet. 2.die Türkei nicht sanktioniert und 3.dieser Spur von Geld und Waffen nicht nachgeht??? Was läuft hier falsch???
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    1. Antwort von R. Glättli (R. Maier-G.)
      In der guten alten DDR hatte man auch nicht alles aufgedeckt! ;-) Zu "3.", das geht auch nicht, die Spur würde in den eigenen Hinterhof führen!
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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    Schnee von gestern. Darüber wurde in diversen Medien bereits im Januar(!) nach der Zerstörung der Depots berichtet.
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