Der Klub der Mächtigen plant das Ende des Kohle-Zeitalters

Die deutsche Kanzlerin kann zufrieden sein: Der G7-Gipfel verlief reibungslos, die Stimmung war gut. Und Angela Merkel verbucht bei der Klimapolitik einen Erfolg: Erstmals bekannte sich der Klub der Mächtigen zu einem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas – wenn auch mit äusserst langer Frist.

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G7 beschliesst verbindliche Klima-Ziele

2:14 min, aus Tagesschau vom 8.6.2015

Den Auftakt zum letzten Tag des G7-Gipfeltreffebs setzte frühmorgens Greenpeace mit einer raffinierten Inszenierung. Per Laserstrahl projizierte die Umweltorganisation einen kilometergrossen giftgrünen Schriftzug auf das noch nachtdunkle Wettersteingebirge: «G7: Beschliesst 100 Prozent erneuerbare Energien!»

Tatsächlich verhandelten die Staats- und Regierungschef genau darüber – und zwar fast bis zur letzten Minute. Erst dann konnte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Plan zum Totalausstieg aus den fossilen Brenn- und Treibstoffen verkünden: «Wir wissen, dass wir dafür tiefe Einschnitte bei weltweiten Treibhausgas-Emissionen brauchen.» Deshalb habe man sich dazu bekannt, dass es im Laufe dieses Jahrhunderts eine «Dekarbonisierung der Weltwirtschaft» brauche.

Die Frist ist jedoch extrem lang, viel zu lang finden Umweltorganisationen. Sie hatten das Jahr 2050 und nicht erst 2100 als Zieldatum gefordert.

Bekenntnis zum Zwei-Grad-Ziel

Die G7 bekennen sich ausserdem zum Zwei-Grad-Ziel bei der Erderwärmung – gemeint ist eine maximale durchschnittliche Temperaturerwärmung um zwei Grad bis 2050, und zwar verglichen mit den Werten aus der vorindustriellen Zeit.

Eigentlich ist dieses Ziel alt. Es wurde bereits vor fast zehn Jahren auf G7-Gipfeltreffen anvisiert, in Heiligendamm (BRD) und L'Aquila (Italien). Dennoch war die Verpflichtung darauf keineswegs selbstverständlich. Sie musste vielmehr neu erkämpft werden. Zumal die Fortschritte in den letzten Jahren schleppend waren und das Ziel unerreichbar scheint, wenn die Anstrengungen nicht gewaltig erhöht werden.

«  Wir alle müssen Opfer bringen, aber es gibt keinen anderen Weg. »

US-Präsident Barack Obama
Zum vereinbarten Zwei-Grad-Ziel

Japan und Kanada versuchten hartnäckig zu verhindern, dass das Ziel erneut beschlossen wurde, mussten aber letztlich nachgeben, als sich auch US-Präsident Barack Obama darauf einliess. Er stimmte sein energieverschleuderndes Heimpublikum schon mal vorsorglich zwar nicht auf Blut, aber auf Schweiss und Tränen ein: «Wir alle müssen Opfer bringen, aber es gibt keinen anderen Weg», so Obama.

Kanzlerin Merkel, US-Präsident Obama und der italienische Premier Renzi sitzen auf einer Bank in Elmau.

Bildlegende: Demonstrative Eintracht: Mit einem Teil-Erfolg in der Klimapolitik endet das Treffen der G7. Keystone

Die G7 beschlossen ausserdem, bis Mitte des Jahrhunderts die klimaschädigenden Emissionen gemäss den Forderungen des Weltklimarates zu reduzieren. Und schliesslich unterstützen die G7 das Ziel, dass die reichen Länder ab 2020 den Drittweltländern jährlich hundert Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, damit auch sie vorankommen bei der Reduktion des Schadstoffausstosses. Konkrete Summen mochten indes die einzelnen Länder noch nicht nennen.

Die Grossen nehmen die Kleinen in die Pflicht

Frankreichs Präsident François Hollande hätte sich hier mehr Konkretheit gewünscht. Will heissen: Möglichst viele, möglichst hohe, möglichst fixe Geldzusagen. Denn in Paris findet im Dezember die entscheidende UNO-Klimakonferenz statt. Dort sollen weltweit verbindliche Klimaziele beschlossen werden.


Zufriedene Gastgeberin des G7-Gipfels

7:30 min, aus Echo der Zeit vom 08.06.2015

Die Regierungen der Entwicklungs- und Schwellenländer dürften in diesen Tagen intensiv beobachtet haben, was die reiche Gruppe der Sieben auf Schloss Elmau beschliessen. Das wusste Angela Merkel: «Viele Entwicklungsländer und kleine Inselstaaten werden überhaupt erst mit dem Ziel nach Paris fahren, ein Abkommen zu erreichen, wenn wir uns zu diesem Finanzierungsziel bekennen.»

Die G7 haben in der Klimapolitik einen Schritt vorwärts gemacht. Das ist noch keine Garantie für einen Erfolg des Klimagipfels. Es schafft aber immerhin die Voraussetzung dafür. Auch kleinere und ärmere Staaten können sich nun nicht mehr so einfach aus der Verantwortung stehlen.

Lob von Greenpeace

«Elmau hat geliefert», lobte Greenpeace-Klimaexperte Tobias Münchmeyer. Die Umweltschützer forderten Merkel auf, nun in Deutschland die Nutzung von Kohlestrom deutlich zu verringern. Gegen Pläne von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) über eine Klimaabgabe für alte Kohlekraftwerke gibt es aber erheblichen Widerstand.