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200'000 Menschen kehren zurück «Der Krieg ist nicht weg aus Aleppo»

Während Jahren lieferten sich in Aleppo Aufständische und die Truppen des syrischen Präsidenten Assad blutige Kämpfe. Rund eine Million Menschen sind aus der einstigen Geschäftsmetropole geflüchtet. Mittlerweile sind laut Angaben der UNO 200'000 Menschen wieder zurückgekehrt. Simon Kremer, der Nahost-Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur, war diese Woche in Aleppo.

SRF News: Was erwartet die Rückkehrer in Aleppo?

Simon Kremer: Das kommt ganz darauf an, wohin die Menschen zurückkehren. Wenn wir vom zerstörten Aleppo sprechen, dann reden wir meistens über den Ostteil der Stadt, der von Rebellen gehalten wurde und lange Zeit belagert war. Dieser Ostteil ist wirklich eine unfassbare Trümmerlandschaft. Da gibt es kein intaktes Haus mehr.

Der Ostteil von Aleppo ist wirklich eine unfassbare Trümmerlandschaft. Da gibt es kein intaktes Haus mehr.
Autor: Simon KremerKorrespondent DPA

Von Alltag kann man da nicht sprechen.

Ja. Und deswegen ist es so beeindruckend, dass trotzdem so viele Einwohner in die einst belagerten Gebiete zurückkommen. Die UNO gibt provisorische Türen aus, damit die Menschen ihre Trümmerruinen überhaupt wieder abschliessen können. Die UNO unterstützt die Menschen mit Wasser, mit Elektrizität, mit Generatoren, mit Wassertanks und Kanistern. Die gesamte Infrastruktur ist komplett zerstört worden.

Der zerstörte Ostteil der Stadt Aleppo.
Legende: Der zerstörte Ostteil von Aleppo beginnt sich wieder zu bevölkern. Keystone

Wie sieht es mit der Sicherheit aus?

Die Kämpfe in der Innenstadt von Aleppo sind vor gut einem halben Jahr zu Ende gegangen. Trotzdem muss man sagen: Der Krieg ist nicht weg aus Aleppo. In den Vororten und im Umland gibt es immer noch Rebellengruppen. Es werden immer wieder Mörsergranaten in die Vororte von Aleppo geschossen. Man hört permanent Artillerie-Feuer der syrischen Armee. Man hört die Kampfjets, die Luftangriffe fliegen. Und es gibt noch ein weiteres Problem – welches mir ein Parlamentsabgeordneter geschildert hat – dass in der Stadt sehr viele regierungstreue Milizen sind, die für Sicherheit sorgen sollten. Diese Milizen bauten aber ihr eigenes System aus und erpressten an Checkpoints Menschen, um ihnen Geld abzunehmen. Das sei ein riesiges Problem, weswegen es eine grosse russische Präsenz in der Stadt gebe. Die russische Militärpolizei versucht für Ruhe zu sorgen.

Es werden immer wieder Mörsergranaten in die Vororte von Aleppo geschossen. Wir mussten deswegen aus Sicherheitsgründen ein Hotel in Aleppo verlassen.
Autor: Simon KremerKorrespondent DPA

Wie erging es ihnen persönlich, wie konnten sie sich in der Stadt bewegen?

Als Journalist kann man sich nicht ganz frei bewegen. Man hat immer jemanden vom Informationsministerium dabei. Dieser zeigte uns bestimmte Orte und Punkte in der Stadt und auch bei den Interviews dabei ist. Bei den ersten Interviews mit Anwohnern wunderte ich mich, dass alle ein Loblied auf die syrische Armee gesungen haben. Lag es daran, dass der Aufpasser der syrischen Regierung mit dabei war? Oder lag es daran, dass es in der Stadt gar keine Opposition mehr gibt? Dass alle Menschen, die gegen die Regierung sind, die Stadt längst verlassen haben? Klar ist: Es ist kaum mehr Opposition in der Stadt.

Das Gespräch führte Karin Britsch.

Zur Person

Zur Person

Simon Kremer ist Nahost-Korrespondent für die Deutsche Presse Agentur (dpa) und arbeitet als freier Autor für Radio und Fernsehen. Sein Büro ist in Tunesien.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Selbst wenn der Daesh (IS) zusammenbricht, die Jihadisten im Endkampf hohe Verluste erleiden, die Überlebenden werden in ihre Heimatländer zurückkehren und ihre islamistische Ideologie zusammen mit ihrer Enttäuschung mitbringen. Die Enttäuschung der Rückkehrer wird sich dann hier in Wut wandeln und sie werden sich hierzulande richtig austoben.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Nt-v, 02.07.2017:"Tote und Verletzte in Damaskus-Zu dem Angriff bekannte sich die islamistische Fateh-al-Scham-Front, der frühere Ableger von Al-Kaida in Syrien". Nun muss man wissen, dass die Fateh al-Sham sich jetzt HTS nennt, Chan Schaichun kontrolliert, die führende "Rebellen"-Gruppe in Ost-Aleppo war und von westlichen Medien/Staaten unterstützt wird. Diese verzweifelte Namensverschleierung zu Gunsten von Terroristen ist ein kläglicher Versuch von der eigenen Mitverantwortung abzulenken.
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  • Kommentar von Udo Gerschler (UG)
    Seit wann sind Mördertruppen des IS mit Rebellen oder Aufständischen gleichzusetzen?Solch ein Artikel hat doch SRF nicht nötig.
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    1. Antwort von László Schink (Schink)
      falsch, die meisten Rebellen und Aufständischen sind Islamisten und kaum besser als der IS, so quasi die Wahl zwischen SS und SA.
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