Der Kronprinz stellt sich gegen Berlusconi

Der Sieger des gestrigen Showdowns in Italien ist Premier Enrico Letta. Er verdankt dies einer eigentlichen Meuterei gegen Silvio Berlusconi. Dahinter steckt einer, den Italiens Öffentlichkeit eher belächelt: Angelino Alfano.

Alfano und Berlusconi

Bildlegende: Zeigt seinem Ziehvater Berlusconi jetzt, wo es langgeht: Alfano. Keystone/Archiv

Wer ist er, der politische Ziehsohn von Silvio Berlusconi? Angelino Alfano hat viele Übernamen. Einer lautet Fido, der Treue. Auf italienisch klingt das ziemlich herablassend. Grund: Der 42jährige Alfano hat in den vergangenen zwölf Jahren immer das getan, was Berlusconi von ihm verlangte.

Noch vor drei Wochen behauptete er kühn, kein Parlamentarier innerhalb von Berlusconis Popolo della Liberta denke darüber nach, Berlusconi die kalte Schulter zu zeigen und stattdessen die Linksextremen im Land zu unterstützen. Wer das mache, würde von den eigenen Wählern nicht mehr berücksichtigt werden.

Gestern nun war er es, der seinem politischen Ziehvater die Stirn bot und sagte: ‹Jetzt ist Schluss. Wir stürzen Letta nicht, weil Du mit der Justiz Probleme hast.› Das überrascht viele in Italien. Doch ganz so überraschend kam das vielleicht doch nicht.

Zehn Jahre Arbeit für Berlusconi

Vor über zehn Jahren begann Alfano im Parlament für Berlusconi zu arbeiten. In einer wichtigen Kommission schrieb er Gesetze, die Berlusconi zufällig zupass kamen. Das gleiche tat er ab 2008 als Justizminister.

Angelino Alfano war immer an der Seite von Berlusconi. Nicht uneigennützig. Er hoffte, seinen grossen Ziehvater Berlusconi politisch einmal beerben zu können. Der versprach ihm das auch immer wieder, übergab ihm vor bald einem Jahr gar die Führung der Partei. Nur um sie ihm ein paar Wochen später wieder aus der Hand zu reissen.

Monti-Sturz gegen Alfanos Willen

Damals stürzte Berlusconi die Technokraten-Regierung von Monti - gegen den Willen von Alfano. Das wollte sich Alfano nun wohl nicht mehr bieten lassen - und organisierte die Revolte gegen seinen einstigen Förderer.

Als Berlusconi am Mittwoch in letzter Sekunde entschied, Letta doch zu unterstützen, blickte Alfano glücklich und entsetzt drein. Glücklich, da der Übervater bleibt, unglücklich, weil er vielleicht mit der Rache von Berlusconi rechnen muss.

Napolitano lobt Letta

Italiens Präsident Giorgio Napolitano hat die politischen Parteien vor einer Wiederholung der Turbulenzen gewarnt. «Die Regierung hat den Test bestanden, die Kampfansage zurückgeschlagen», so Napolitano. Letta und das Kabinett dürften nicht zulassen, dass es erneut zu solch täglichen politischen Tumulten komme, warnte der 88-jährige Präsident.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Regierungskrise abgewendet

    Aus 10vor10 vom 2.10.2013

    Italiens Premier Enrico Letta hat sein Kabinett gerettet. Der Senat sprach ihm am Nachmittag sein Vertrauen aus und konnte so eine Regierungskrise verhindern. Seinen Amtsverbleib verdankt Letta der überraschenden Kehrtwende von Silvio Berlusconi.

  • Das System Berlusconi

    Aus 10vor10 vom 2.10.2013

    Heute haben Silvio Berlusconi die eigenen Leuten im Stich gelassen. Bis anhin schien es, als wäre er Politiker auf Lebzeit. Trotz unzähliger Skandale war er in den letzten 20 Jahren drei Mal Ministerpräsident. Immer wieder wurde er totgesagt - immer wieder ist er auferstanden. Wie konnte er sich so lange halten?