Der Literaturnobelpreis geht an Bob Dylan

Der Singer-Songwriter Bob Dylan wird für seinen Beitrag zur grossen amerikanischen Song-Tradition geehrt. Zwar galt der Barde seit längerem als heimlicher Kandidat für den Nobelpreis, trotzdem kommt die Ehrung einigermassen überraschend.

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Bob Dylan erhält den literarischen Ritterschlag

1:40 min, aus Tagesschau vom 13.10.2016

Der US-amerikanische Sänger und Songwriter Bob Dylan bekommt den Literaturnobelpreis. Erstmals wird damit ein Popmusiker mit dem Preis geehrt.

Dylan wird für seine poetischen Neuschöpfungen in der grossen amerikanischen Song-Tradition geehrt, wie die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm bekanntgab.

Wegweisende Texte

Der 75-Jährige, der als Robert Allen Zimmerman in Minnesota geboren wurde, begann seine Karriere in den 50er-Jahren. Seine Texte gelten für die Folk- und Rockmusik als wegweisend. Zu seinen bekanntesten Liedern gehören «The Times They Are A-Changin'», «Masters Of War», «Like A Rolling Stone» oder «Blowin' In The Wind».

«Er ist wahrscheinlich der grösste lebende Poet», sagte Akademie-Mitglied Per Wästberg. Akademie-Vertreterin Sara Danius erklärte, die Entscheidung für Dylan sei in «grosser Einigkeit» getroffen worden.

In diesem Jahr waren rund 220 Autoren für den Preis nominiert. Den Preisträger wählt die Schwedische Akademie, die aus Schriftstellern, Literatur- und Sprachwissenschaftlern und Historikern besteht, aus fünf Kandidaten auf einer Shortlist aus. Letzte deutschsprachige Preisträgerin war die Schriftstellerin Herta Müller 2009.

Letztjähriger Preis ging nach Weissrussland

Im vergangenen Jahr hatte die Jury die weissrussische Schriftstellerin und Journalistin Swetlana Alexijewitsch «für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt», ausgezeichnet.

Die mit acht Millionen schwedischen Kronen (rund 900'000 Franken) dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember - dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) - gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen in Stockholm verliehen.

Nur der Friedensnobelpreis wird in Oslo überreicht. Damit hatte das norwegische Nobelkomitee in diesem Jahr Kolumbiens Präsidenten Juan Manuel Santos für seine Bemühungen um ein Ende des Bürgerkriegs in dem Land geehrt. Jurys in Stockholm hatten in der vergangenen Woche ausserdem Preisträger in Medizin, Physik und Chemie gekürt. Die Preise gehen auf Nobels Testament zurück und werden seit 1901 vergeben.

Das sind die Preisträger 2016

Bob Dylan nicht vorgewarnt

Für Bob Dylan dürfte die Zuerkennung des Preises eine genauso grosse Überraschung gewesen sein wie für alle anderen. Die Jury habe vor der Verkündung nicht mit ihm gesprochen, sagte die Chefin der Schwedischen Akademie, Sara Danius, nach der Bekanntgabe. Sie wollte ihn aber so schnell wie möglich anrufen. «Ich denke, ich habe eine gute Botschaft.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Bob Dylan in Los Angeles am 5. Mai 2004.

    Bob Dylan im Literatur-Olymp

    Aus Echo der Zeit vom 13.10.2016

    Der diesjährige Literaturnobelpreis geht an den US-amerikanischen Rock-Poeten Bob Dylan. Zwar galt Dylan schon seit Jahren als Anwärter auf höchste literarische Ehren. Aber dass der 75-Jährige sie je gewinnen würde, ist trotzdem eine riesige Überraschung.

    Dylan ist der erste Popmusiker im Literatur-Olymp.

    Felix Münger

  • Dylan-Biographen Howard Sounes erzählt im Interview was Zeitgenossen vom ehrgeizigen jungen Bob Dylan hielten.

    Interview mit dem Dylan-Biographen Howard Sounes

    Aus Kontext vom 24.5.2016

    Der Brite Howard Sounes ist einer von unzähligen Autoren, die über Bob Dylan geschrieben haben. Sein vor 15 Jahren erschienenes Buch «Down the highway – the life of Bob Dylan» enthält weniger musikalische Analysen als vielmehr akribisch aufgearbeitete Details aus Dylans Leben.

    Von ihm hören wir, was Zeitgenossen von Dylan von dem ehrgeizigen jungen Mann hielten.

    Eric Facon

  • Im Greenwich Village in New York trifft der junge Dylan auf gleichgesinnte.

    Bob Dylan 1961: New York City

    Aus Kontext vom 24.5.2016

    Das entscheidende Jahr einer jungen Karriere: Robert Zimmermann wird immer mehr zu Bob Dylan. Er will sich in der Metropole und Millionenstadt New York City behaupten und zieht in das Hauptquartier der Andersdenkenden, Poeten und Folk-Musiker der Welt: nach Greenwich Village.

    Innert dieses Jahres wird er wichtige Leute kennenlernen und grosse künstlerische Schritte – bis hin zu einem Vertrag und Aufnahmen zu seiner ersten Langspielplatte.

    Eric Facon