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International Der meistgesuchte Mann Europas

Im Fadenkreuz der Pariser Ermittler steht Abdelhamid Abaaoud. Der Name des 28-jährigen Belgiers mit Kampferfahrung in Syrien findet sich schon seit Monaten auf sämtlichen Fahndungslisten.

Mit aller Kraft fahnden die Ermittler nach Abdelhamid Abaaoud – dem Mann, der die Anschläge von Paris organisiert und koordiniert haben soll. Die Hoffnung, ihn zu finden, löste denn auch die grossangelegte Polizeiaktion in Saint-Denis nördlich der französischen Hauptstadt aus. Ob der meistgesuchte Islamist Europas dabei war, ist noch unklar. Laut dem Staatsanwalt befindet sich Abaaoud nicht unter den Verhafteten. Der Gesuchte könnte jedoch zu den Toten zählen oder in den Trümmern der zerstörten Hauses liegen.

Fest steht hingegen: Abaaoud prahlte in der Vergangenheit gerne damit, wie schwierig er zu fassen und wie oft er den Behörden schon durch die Lappen gegangen ist. Spätestens seit dem vergangenen Januar steht der 28-jährige Belgier auf jeder Fahndungsliste.

Seine Vergangenheit führt nach Molenbeek

Denn der mutmassliche Terrorpate, Sohn eines marokkanischen Händlers, wurde bereits seit einer vereitelten Attacke auf Polizisten im ostbelgischen Verviers gesucht. Bei dem Einsatz von Polizei-Spezialkräften im vergangenen Winter waren zwei gesuchte Dschihadisten ums Leben gekommen, Abaaoud soll Kopf der aus drei Personen bestehenden Terrorzelle gewesen sein.

Abaaoud lebte früher in dem als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Medienberichten zufolge stand er auch in engem Kontakt mit Brahim Abdeslam, der sich am Freitagabend in Paris auf dem Boulevard Voltaire in die Luft gesprengt hat. Beide Namen sollen auch in Verbindung stehen mit mehreren Straftaten aus den Jahren 2010 und 2011.

Mann blickt grinsend aus einem Auto.
Legende: Abdelhamid Abaaoud taucht immer wieder in Propagandavideos der IS-Terrormiliz auf. Keystone

Sein 13-jähriger Bruder folgte ihm nach Syrien

In mehreren Propagandavideos der Dschihadisten taucht der Belgier auf. Bekannt ist auch ein Video, auf dem Abaaoud ein Auto steuert, das vier verstümmelte Leichen hinter sich herzieht. Im vergangenen Juli wurde Abaaoud in Brüssel wegen Rekrutierung von Syrien-Kämpfern zu 20 Jahren Haft verurteilt – in Abwesenheit.

Schlagzeilen machte der Islamist gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Younes, der ihm im vergangenen Jahr als Kämpfer nach Syrien gefolgt war. Belgische Zeitungen bezeichneten den 13-Jährigen damals als «jüngsten Dschihadisten der Welt». Auf einem Foto im Internet posiert ein Junge in traditioneller Kleidung und mit Waffe, es soll sich dabei um Younes handeln.

«Direkt vor der Nase des belgischen Geheimdienstes»

Auch bekannt als Abu Omar al-Baldschiki («der Belgier») verheimlicht Abaaoud seine menschenverachtenden Pläne keineswegs: Nach Angaben der englischen Tageszeitung «Guardian» rühmte er sich in einem Propaganda-Magazin der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) mehrerer Terrorplanungen gegen den Westen – von Belgien aus und «direkt vor der Nase des belgischen Geheimdienstes».

«Mein Name und mein Bild waren überall in den Nachrichten, trotzdem konnte ich in ihrem Land bleiben, Operationen gegen sie planen und ungehindert weggehen, als es nötig war.» Als bereits gesuchter Islamist sei er sogar kontrolliert worden, behauptet er. Der Polizist habe ihn aber nicht erkannt. Unklar ist allerdings, ob das Interview echt ist.

Drahtzieher eines solchen Angriffs mit mehreren Attentätern, mehreren Zielen und mehreren Waffen wird man nicht einfach so.
Autor: Charlie WinterIS-Experte

«Er ist genau die Art von Mensch, von der man erwarten würde, so etwas zu planen», sagte IS-Experte Charlie Winter der englischen Zeitung «Independent». Es sei zudem wahrscheinlich, dass Abaaoud bereits Erfahrung in der Organisation von Terroranschlägen habe: «Drahtzieher eines solchen Angriffs mit mehreren Attentätern, mehreren Zielen und mehreren Waffen wird man nicht einfach so.»

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