Dauerkrise in Italien Der neue Wähler: Radikal oder politikverdrossen

Komiker Grillo im Hoch – Cavaliere Berlusconi überflügelt: Vier Beispiele zeigen, wie Italien 2017 politisch tickt.

Protestparteien haben Zulauf

Ex-Komiker Beppe Grillo.

Bildlegende: Grosse Erfolge: Die Fünf-Sterne-Bewegung von Ex-Komiker Beppe Grillo. Keystone

Die Krise hat dazu geführt, dass sich immer mehr Italienerinnen und Italiener Protestparteien zugewandt haben. Die grösste ist die Fünf-Sterne-Bewegung des ehemaligen Komikers Beppe Grillo. Die «Grillini» fordern zum Beispiel ein garantiertes Mindesteinkommen für alle. Was die Bewegung für die vielen Opfer der Krise, für Langzeitarbeitslose zum Beispiel, attraktiv macht.

Die politische Apathie nimmt zu

Frustrierte Menschen.

Bildlegende: 64 Regierungen in 72 Jahren: Viele Menschen haben in Italien den Glauben in die Politik verloren. Keystone

«Ich gehe nicht mehr wählen, die machen sowieso, was sie wollen.» Diesen Satz hörte man in Italien seit jeher und oft. Doch in der Krise hat das Desinteressen an der Politik noch zugenommen. Viele Italienerinnen und Italiener glauben nicht mehr daran, mit dem Wahlzettel etwas verändern zu können. Der Staat erscheint vielen als ein Übel, als ein Fremdkörper, der dem Einfluss und der Kontrolle durch die Bürger vollkommen entglitten ist.

Die Radikalisierung wächst

Parlamentsmitglieder der Lega Nord während einem Protest im Senat.

Bildlegende: Parlamentsmitglieder der Lega Nord während eines Protestes im Senat. Keystone

Noch vor zehn oder zwanzig Jahren gehört Italien zu den EU-freundlichsten Ländern. Das hat sich in der Krise geändert. Parteien, die die EU offen ablehnen und am liebsten austreten würden (wie die rechtspopulistische Lega Nord) oder die den Euro über ein Referendum hinterfragen möchten (wie die Fünf-Sterne-Bewegung) haben regen Zulauf. In gewissen Umfragen erreichen die Lega Nord und die Fünf-Sterne-Bewegung zusammen Werte von weit über 40 Prozent.

Die traditionellen Parteien überzeugen immer weniger

Ein nachdenklicher Berlusconi.

Bildlegende: Silvio Berlusconi bekommt neue, starke Konkurrenz von rechts. Keystone

Bis vor wenigen Jahren war Silvio Berlusconis «Forza Italia» stärkste Kraft im bürgerlichen Lager. Der Ex-Cavaliere dominierte die weiter rechts stehenden Parteien klar. Heute ist es umgekehrt: Die rechtspopulistische Lega Nord, vor allem deren Chef Matteo Salvini, hat zu Berlusconi aufgeschlossen oder ihn in der Wählergunst sogar schon überflügelt. Und auch auf der Linken haben sich die Gewichte verschoben: der linke Flügel hat den sozialdemokratischen Partito Democratico verlassen. Der Partei von Ex-Premier Matteo Renzi werden deswegen Verluste prophezeit.

Sendung zu diesem Artikel

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  • In Rom ist der Tourismus ein sicherer Wert. Blick auf den Petersplatz.

    Italiens Mittelstand verarmt

    Aus Rendez-vous vom 9.3.2017

    Italiens Mittelstand hat schwer zu kämpfen – gegen die Armut, die Krise. Ohne Unterstützung der Eltern könnten viele nicht leben. Wie zum Beispiel Sara und Bruno. Bei dem jungen Paar stimmt auf den ersten Blick alles. Und trotzdem hat die Krise auch in ihrem Leben tiefe Spuren hinterlassen.

    Ein Besuch bei den beiden mitten in Rom.

    Franco Battel