Der Preis der Solidarität

Verschiedene Akteure sind bereit, der Redaktion von «Charlie Hebdo» auch mit sachlichen oder monetären Mitteln unter die Arme zu greifen. Der Staat Frankreich sieht sich in der Verantwortung, wie auch der Internetgigant Google beim Spenden nicht aussen vor bleiben will.

Charlie Hebdo-Zeitungscover

Bildlegende: Die Unterstützung für «Charlie Hebdo» kann sich auch in der Bereitstellung monetärer Mittel niederschlagen. Keystone

Die weltweite Solidarität mit der Satire-Zeitschrift «Charlie Hebdo» zeigt sich aktuell nicht nur auf den Strassen; sie schlägt sich auch in gezielten wirtschaftlichen Hilfestellungen seitens diverser Sponsoren nieder. Die Pariser Redaktion kann die Unterstützung gut gebrauchen. Denn zum einen hat sie nach dem Anschlag einen markanten personellen Aderlass zu verkraften. Zum anderen sind auch die Verkaufszahlen – bemessen an einer üblichen Auflage von 60‘000 – bis dato nicht gerade hoch gewesen.

Es helfen der Staat, die Kollegen und Google

Als Mäzene sind nun vorderhand die französische Regierung (1 Million Euro), der staatliche Hörfunk und das Fernsehen in Erscheinung getreten. Aber auch die Kollegschaft hat Rückendeckung geleistet oder versprochen: Die französische Tageszeitung «Le Monde» hat – um den Fortbestand von «Charlie Hebdo» zu sichern – Personal und Sachmittel zur Verfügung gestellt. Die britische «Guardian»-Mediengruppe will sich mit einer monetären Hilfestellung (100‘000 Pfund bzw. 128'127 Euro) solidarisch zeigen. Die NGO «Reporter ohne Grenzen» betreibt ein gezieltes Fundraising. Und schliesslich steht auch der Internet-Gigant Google nach eigenen Angaben mit einer Finanzspritze bereit (296‘000 US-Dollar bzw. 250'420 Euro).

Beiträge der Spender

GönnerSpenden
Le MondePersonal und Sachmittel
LibérationRäumlichkeiten
Französische Regierung1 Million Euro
Guardian-Gruppe128'127 Euro
Google-Konzern250'420 Euro

«Charlie Hebdo» kann indes auch aus eigenen Quellen schöpfen. Abgesehen davon, dass die Ausgabe vom kommenden Mittwoch in einer Millionen-Auflage erscheinen soll, werden ältere Hefte – wie unlängst bereits die «Handelszeitung» nachgezeichnet hat – auf Ebay zu stattlichen Preisen gehandelt. Bei 80‘000 US-Dollar steht derzeit das Angebot für ein bestimmtes Heft aus dem Jahr 2006. Zwar sind hierfür noch keine Gebote verzeichnet. Aber der Vorschlag des Verkäufers ist doch als ein in kommerziellen Belangen signifikanter Gradmesser zu werten.

Charlie Hebdo-Zeitungscover

Bildlegende: Die Unterstützung für «Charlie Hebdo» kann sich auch in der Bereitstellung monetärer Mittel niederschlagen. Keystone

«i-am-charlie-Domain» steht zum Verkauf

Das zweithöchste Angebot auf ebay.com ist in markttechnischer Hinsicht nicht minder bemerkenswert. Die «i-am-charlie»-Domain steht zum Verkauf; in drei Domänen-Varianten angepriesen, die alle mit demselben Klick erworben werden können, wird sie feilgeboten für 45‘000 US-Dollar. Abgesehen von der schlagartig populär gewordenen Internet-Adresse und den «Charlie-Hebdo»-Ausgaben mit Sammlerwert hat der virtuelle Käufer auf ebensolchen Märkten die altbekannte Qual der Wahl: Er kann die Je-suis-Charlie-Parole gewoben auf der Brust tragen, geknüpft um das Handgelenk binden, ja gar auf Tassen gedruckt zum Munde führen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Place de la République, Paris am Sonntag, 11. Januar 2015.

    Wie lange hält die französische Einheit an?

    Aus Rendez-vous vom 12.1.2015

    Das Menschenmeer in Paris und in weiteren französischen Städten als Zeichen gegen den Terror war ein Erfolg für Präsident Francois Hollande. Er hatte zum Aufmarsch gerufen, mehrere hunderttausend Menschen kamen.

    Was bleibt von der Einheit auf der Strasse am Tag danach? Frankreich-Mitarbeiter Ruedi Mäder mit einer Einschätzung.

    Ruedi Mäder