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Zeid al-Hussein Der Prinz und die Menschenrechte

Zeid al-Hussein, jordanischer Prinz und Hochkommissar für Menschenrechte, ist eine Ausnahme im grauen UNO-Betrieb. Und das macht seine Position in der Organisation nicht einfacher. Ein Porträt von Fredy Gsteiger.

Legende: Audio Unerschrockener Verteidiger der Menschenrechte abspielen. Laufzeit 05:13 Minuten.
05:13 min, aus Echo der Zeit vom 17.09.2017.

Viele Chefs von UNO-Organisationen sind graue Mäuse. Das Wahlverfahren sorgt häufig dafür, dass allzu profilierte Kandidaten ausgesiebt werden. Die Ausnahme von der Regel ist Zeid al-Hussein, der jordanische Prinz, der seit drei Jahren als Hochkommissar für Menschenrechte, Link öffnet in einem neuen Fenster amtiert.

Er ist der bekannteste UNO-krat, gleich nach UNO-Generalsekretär Antonio Guterres. Gerade weil es zurzeit vielerorts schlecht steht um die Menschenrechte, steht er im Rampenlicht. Der 53-jährige Zeid al-Hussein ist umstritten, bisweilen wird er gar heftig angefeindet. Nicht weil er etwas falsch, sondern weil er vieles richtig macht.

Die Krux mit den Menschenrechten

Während niemand grundsätzlich etwas hat gegen UNO-Organisationen wie die Atombehörde IAEA, das Entwicklungsprogramm UNDP oder das Kinderhilfswerk Unicef, ist das beim UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte (UNHCR) anders. Zwar geben es nur die wenigsten Machthaber zu, aber sehr viele – und immer mehr – sähen es am liebsten, wenn die Vereinten Nationen die Hände von den Menschenrechten liessen.

Eben wies die Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch nach, wie etwa China systematisch die Arbeit von Zeid al-Husseins Behörde und des Menschenrechtsrates hintertreibt.

«Populisten und Terroristen profitieren voneinander»

Porträt von Zeid al-Hussein.
Legende: Der jordanische Prinz und UNO-Spitzendiplomat Zeid Ra'ad Al Hussein. UNHCR , Link öffnet in einem neuen Fenster

Zeid al-Hussein spricht leise, wirkt in seinen Auftritten emotionslos, langweilig gar. Doch er nimmt kein Blatt vor den Mund: «Regierungen gehen gegen Menschenrechtsaktivisten und -organisationen vor, hindern sie daran, mit der UNO zusammenzuarbeiten, drängen, ihnen die UNO-Akkreditierung zu entziehen.»

In einer Rede in den Niederlanden meinte er, dass dort, aber ebenso in Österreich, Frankreich, Ungarn oder den USA, Populisten Aufwind verspürten: «Ich werfe sie ganz bestimmt nicht in einen Topf mit islamistischen Terroristen. Aber sie bedienen sich zum Teil ähnlicher Taktiken: Lügen oder Fake-News verbreiten, Hass schüren, provozieren, ausgrenzen. Und es ist offensichtlich: Populisten und Terroristen profitieren voneinander.»

Als Zeid al-Hussein sein Amt antrat, freuten sich die Vertreter von Menschenrechts-Organisationen. Sie kannten den jordanischen Prinzen und Spitzendiplomaten als hervorragenden Anwalt, mit Diplomen aus Cambridge und der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität, vor allem aber als Kämpfer für den internationalen Strafgerichtshof. Er besass Erfahrung mit Friedenseinsätzen, schrieb den ersten kritischen Bericht über sexuelle Missbräuche durch Blauhelm-Soldaten, auch über die Missbräuche durch Soldaten aus seinem Heimatland Jordanien.

Keine Angst vor grossen Tieren

Es gab aber von Anfang an auch Kritiker. «Skandal», hiess es vereinzelt gar. Wie soll ausgerechnet ein Prinz aus dem wenig demokratischen Jordanien dieses Amt ausüben können, ein Vertreter der autokratischen arabischen Welt, der erste Muslim?

Diese Vorwürfe hat al-Hussein widerlegt. Und tut es immer und immer wieder. Dieser Tage etwa griff er als erster UNO-Spitzenfunktionär die Machthaber in Burma scharf an, sprach von völlig unverhältnismässiger Gewalt durch die Streitkräfte gegen die Rohingya. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zog später nach.

Der Jordanier kritisiert aber auch den von den USA gehätschelten ägyptischen Diktator Abdel al-Sisi und fordert eine Untersuchungskommission für Venezuela.

Ebenso wagt es der UNO-Hochkommissar, einflussreiche Mächte anzugreifen. Etwa die USA, wo völlig willkürlich Einwanderer eingesperrt oder ausgeschafft würden und wo Donald Trump mit seinen ständigen Angriffen auf die Medien die Pressefreiheit aushöhle. Oder sagt, der nach langer Haft verstorbene chinesische Dissident Liu Xiaobo sei eine Inspiration für China.

Migration als Menschenrecht

Und al-Hussein wendet sich gegen die Migrationsabkommen der EU mit Libyen. Zumal für ihn Migration zur menschlichen Existenz gehöre. Er geht fast so weit, die Ein- und Auswanderung, also das Recht zu leben, wo man wolle, als Menschenrecht zu bezeichnen.

All das missfällt vielen. Al-Hussein steht unter Druck. Seine Wiederwahl im kommenden Jahr als UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte ist keineswegs gesichert. Einige Regierungen versuchen, ihn zu ignorieren. Andere, in jüngster Zeit etwa das syrische Regime oder der türkische Präsident, greifen ihn frontal an.

Offenkundig ist der Haschemiten-Prinz auf dem richtigen Weg.

Fredy Gsteiger

Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er u.a. Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Typ ist eine US Marionette. Er kritisiert Lage in Venezuela, aber hat er Krieg in Jemen übersehen. Vielleicht hängt es damit an, dass Saudis in diesen Kremium sitzen?
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Genau. Man schaue nach " Timber Sycamore" - die US-Geheimdienstoperation zum Regimewechsel in Syrien mit Ausgangspunkte Jordanien und Türkei. NYT vom 23.1.16: "The White House has embraced the covert financing (Anm.: der Rebellen in Syrien) from Saudi Arabia — and from Qatar, Jordan and Turkey — at a time when Mr. Obama has pushed gulf nations to take a greater security role in the region." Wieder einmal sieht man hier die Verlogenheit des Westens, der Krieg sät wenn er von Frieden spricht.
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Zeid al-Hussein hat mehrfach verlangt, dass die Verbrechen im Yemen unabhängig untersucht und aufgeklärt werden. Nachlesbar in den Protokollen der UN-Menschenrechtskommisionssitzungen.
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    3. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Ok, ein Punkt geht an Sie, Herr Hanspeter Müller.
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    4. Antwort von Steff Stemmer (Steff)
      @Drago, klar Al Hussein ist die Marionette der USA. Deshalb kritisiert er auch den Zampanoo im Weissen Haus und die Einwandererpolitik der USA! Wie kommen Sie zu dieser Behauptung? Ist es, weil Syrien, dessen Schirmherr Putins Russland ist, gegen Al Hussein wettert? Ist die Welt wirklich so einfach?
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    5. Antwort von Steff Stemmer (Steff)
      @Bernoulli, Nur einen Punkt? Weiter unten haben Sie auch schon eine Behauptung aufgestellt die von Herrn Müller wiederlegt wurde!?
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  • Kommentar von Arnold Weiss (A.Weiss)
    Eine inspirierende Persönlichkeit. Jemand der nicht davon zurück scheut, unbequeme Dinge auszusprechen. Ich teile die Meinung, dass viele Machthaber der UNO in Sachen Menschenrechte die Hände binden wollen. Als "Einmischung in innere Angelegenheiten" werden diese Menschenrechte empfunden. Noch in den 90ern glaubt man, die westliche Vorstellung von Menschenrechten werde weltweit Schule machen. Heute können wir froh sein, wenn wir wenistens bei uns einen Teil der Menschenrechte wahren können...
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Mit den völkerrechtswidrigen Kriege, Regierungsumstürze, geheime Foltergefängnisse und Geheimdienstoperationen in Iran, Syrien, Irak (1 Mio Tote), Libyen, Jemen, Afghanistan u.a. hat der Westen schon lange seine Werte verraten. Er hat keine Legitimität mehr, irgend jemand eine Lektion in Sachen Menschenrechte zu erteilen - leider! Wo heute mit Menschenrechte Politik betrieben wird, ist Vorsicht geboten, meist handelt es sich heuchlerisch um vorgeschobene Argumente.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    So lange er die Missstände in und durch Saudi-Arabien nicht kritisiert, wird er unglaubwürdig bleiben. Ebenso müsste der die Verfolgung der Christen in der arabischen Welt thematisieren. Tut er aber offensichtlich nicht. Der Artikel zeigt: er setzt sich dort ein, wo Muslime, insbesondere sunnitischer Prägung kritisiert, verfolgt oder benachteiligt werden. Sehr suspekte Persönlichkeit, was der Artikel bestätigt.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Ihre Behauptung ist nachweislich falsch. Zeid al-Hussein hat mehrfach Saudi Arabien kritisiert und im UN-Menschenrechtsrat verlangt, dass die Verbrechen in Yemen unabhängig untersucht und aufgeklärt werden. Alles nachlesbar in den Protokollen.
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