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International Der schlimmste Moment im Leben von Margaret Thatcher

30 Jahre waren sie geheim. Nun sind in London Dokumente der damaligen Regierung zum Falklandkrieg veröffentlicht worden. Sie geben Einblick in das Denken von Premierministerin Margaret Thatcher. Die «Eiserne Lady» war nicht nur hart.

Die britische Flagge weht auf den Falklandinseln
Legende: Auf den Falklandinseln weht die britische Flagge auch heute noch. Keystone

Grossbritannien war überrascht. In der Nacht zum 2. April 1982 landeten argentinische Truppen auf den Falklandinseln vor Argentinien. Das war der militärische Auftakt zum Falklandkrieg zwischen den beiden Ländern. Die Regierung in London – angeführt von Margaret Thatcher – konnte die Annexion nicht dulden. Denn die Inseln gehörten und gehören auch heute noch zum britischen Überseegebiet. Der Krieg dauerte zwei Monate, mehr als 900 Menschen kamen ums Leben.

Nun öffnen die Archive in London ihre Türen. Die bisher geheimen Regierungsdokumente von 1982 zeigen, wie die damalige Regierung unter Margaret Thatcher die Situation einschätzte.

Radio SRF Grossbritannien-Korrespondent Martin Alioth erklärt im Gespräch, welche Überraschungen in den Akten zu finden sind.

SRF: Die damalige Premierministerin bezeichnet den Angriff Argentiniens auf die Falklandinseln offenbar als «einer der schlimmsten Momente ihres Lebens». Wieso eigentlich?

Martin Alioth: Sie hatte die argentinische Invasion überhaupt nicht erwartet. Erst zwei Tage vorher musste sie die Warnungen ernst nehmen, und das war eben dann der schlimmste Moment in ihrem Leben.

Diese Falklandinseln waren ja eine ehemalige Kolonie des britischen Königreichs. Wieso waren sie für die Regierung Thatcher so wichtig?

Die Antwort liegt im metaphysischen Bereich. Es ging ums Prestige. Thatcher war eine altmodische Imperialistin. Es ging ihr ums Prinzip, dass hier das letzte Fragment des britischen Empires bedroht war von den Argentiniern. Sie war bereit, Menschen dafür zu opfern. Sie gab aber vor dem Ausschuss, der die Ereignisse nachträglich untersuchte, zu, dass sie anfänglich nicht wusste, ob es militärisch überhaupt möglich sei, die Falklands zurückzuerobern.

Die USA tolerierten das Eingreifen der Briten auf den Falklandinseln. Der damalige Präsident Ronald Reagan hatte mit Thatcher gesprochen. Was steht dazu in den Dokumenten?

Washington war eigentlich verständnislos über die scharfe britische Reaktion, weil die USA die kolonialen Instinkte der Briten nicht teilten. Reagan forderte bis zum Schluss – unmittelbar vor der Rückeroberung der Falklands – noch einmal einen Verzicht Grossbritanniens, damit Argentinien nicht gedemütigt werde. Thatcher lehnte das zu dem Zeitpunkt, als sie von ihrer militärischen Überlegenheit wusste, kategorisch ab.

Welche Fakten im Zusammenhang mit dem Krieg wurden denn mit der Veröffentlichung dieser Dokumente sonst noch publik?

Hier wird es skurril: Thatcher befürchtete eine spanische Invasion von Gibraltar. Quasi als Vergeltung, aus Sympathie der Spanier mit den Argentiniern. Das war aber ein Hirngespinst. Ferner debattierte das britische Kabinett intensiv, ob die britischen Fussballmannschaften an der Weltmeisterschaft teilnehmen sollten, die pikanterweise am 13. Juni 1982 begann. Das war der Tag vor der endgültigen Rückeroberung der Falklandinseln. Man wollte verhindern, dass eine britische Mannschaft gegen Argentinien spielen müsste. Am Schluss passierte dann nichts und es gab auch keine derartige Begegnung.

Gibt es etwas in diesen Dokumenten, das wirklich überraschend ist?

Manche sehen in diesen Dokumenten eine wesentlich flexiblere, weil verunsicherte Margreth Thatcher, als sie in der Karikatur als eiserne Lady jeweils dargestellt wird. Dass sie eben durchaus bereit war, kreative Lösungen mit den Argentiniern zu finden. Sie ging eigentlich nur deshalb als «Eiserne Lady» aus diesem Konflikt hervor, weil ihr gegenüber, General Leopoldo Galtieri der argentinischen Junta, noch viel störrischer war als sie selbst.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Dr.Bruchmüller, Georg, Siedlung 30 DE - 01471 Radeburg
    Magreth hat aus englischer Sicht die Situation klar und realistisch eingeschätzt, Sie war von bewundernswerter Größe.Die Geschichtsschreibung möge Sie als große Brittin bewahren.
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  • Kommentar von Nighat Schaufelberger, Küsnacht ZH
    Die störrische «Eiserne Lady» hat vieles mehr auf Ihr Konto und hoffentlich ihr Gewissen. Die Deregulierung die sie befürwortete, verursachte die Weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise und das grosse Gefälle zwischen arm und reich; was zu sozialen Unruhen führen kann. War auch hier eine altmodische Imperialistin und ihre kolonialen Instinkte mit Prestige Gehabe am Werk, oder hatte sie einfach die Konsequenzen nicht sehen können?
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      Interessant - Was hat Sie denn genau auf dem Gewissen? Bitte klarstellen! Die Deregulierung der Wirtschaft war in GB dringend, da dieselbe sonst noch viel weniger konkurrenzfähig wäre wie heute. Es gäbe heute praktisch überhaupt keine Industrie mehr in GB. Sie als altmodische Imperialistin zu bezeichnen ist zu einfach und oberflächlich und zeigt, dass Sie die brit. Mentalität schlicht nicht kennen.
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    So ein Unfug, die Begründung des Falklandkrieges im "metaphysischen Bereich" darzustellen. Liebes SRF: Nahe den Falkland-Inseln lagern um die 18 Mia Barrel Erdöl, die sich Grossbritannien mit der Invasion unter den Nagel riss. Ohne diese Rohstoffe hätte es diesen Krieg nie gegeben. Bitte genauer hinschauen.
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    1. Antwort von Jean-Luc Picard, Prenterise
      Welche Invasion meinen Sie? Die Briten besiedeln diese Insel seit rund 200 Jahren. Weder waren damals die Erdölvorkommen bekannt noch von wirtschaftlicher Bedeutung. Die Falkland-Inseln werden seit langem ausschließlich von Briten bewohnt - es war rechtens, dieser Bevölkerung zu Hilfe zu eilen.
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      Es siedelten schon Briten dort, als der argentinische Staat noch gar nicht gegründet war, geschweige denn von den vormaligen spanischen Eroberern das Gebiet des heutigen Patagoniens kolonisiert war. Heute mögen die vermuteten Erdöllagerstätten eine Triebfeder bilden, früher war es die Kontrolle zum Zugang zur Antarktis und diese Kontrolle wollten auch die USA gesichert wissen und waren deshalb bereit das militärische Abenteuer von der brit. Regierung zu akzeptieren.
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