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Wahl in NRW Der Schulz-Effekt hilft Merkel

Legende: Audio Hunderttausende SPD-Wähler laufen zur CDU über abspielen. Laufzeit 01:24 Minuten.
01:24 min, aus HeuteMorgen vom 15.05.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die CDU wird im SPD-Stammland Nordrhein-Westfalen zur stärksten Partei.
  • Für die SPD und ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz wird es sehr eng.
  • Kanzlerin Merkel zieht massenhaft Wähler an – vor allem Überläufer der SPD.

Es gibt tatsächlich einen Schulz Effekt. Doch nicht die SPD gewinnt dank ihrem Kanzlerkandidaten zusätzliche Stimmen, sondern die CDU. Die Gewinne der CDU speisen sich bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen am stärksten aus dem Lager der bisherigen Nichtwähler.

480'000 Personen, die vor fünf Jahren nicht gewählt hatten, gaben ihre Stimme der CDU. Noch interessanter ist, dass 340'000 Wähler aus dem Lager der SPD zur CDU übergelaufen sind – und sogar 100'000 ehemalige Grünen-Wähler ihr Kreuz bei der CDU gemacht haben.

Gleichzeitig haben sich nur vergleichsweise wenige Personen von der CDU abgewendet: 30'000 bisherige CDU Wähler haben neu FDP und 50'000 AfD gewählt.

Das heisst: Angela Merkel, die schon immer bis weit in die politische Mitte und nach Links Sympathien gewonnen hat, vor allem nach der Flüchtlingskrise, zieht Wähler von Mitte-Links an wie zu ihren besten Zeiten.

Der rasante Start von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat die Merkel-Anhänger aus ihrer Lethargie geweckt. Nur etwas muss Merkel in Bezug auf ihre Wiederwahl Sorgen bereiten: Meinungen und Stimmungen wechseln in Deutschland so schnell wie noch nie.

Muss die SPD in die Opposition?

Arithmetisch ist nach der Wahl in NRW eine grosse Koalition aus SPD und CDU oder sogar aus CDU und FDP möglich. In dem Fall müsste die SPD in ihrem Stammland in die Opposition. Mit wem die CDU regieren möchte, ist noch nicht klar. Gespräche zwischen der CDU und der FDP fanden noch keine statt.

Was heisst das für die Bundestagswahl?

Schulz, Hoffnungsträger der SPD für die Bundestagswahl Ende September, braucht nach der Niederlage seiner Partei ein zugkräftiges Thema oder ein unvorhergesehenes Ereignis, das alles auf den Kopf stellt. Aber vor allem braucht er ein gutes Team – denn gestern standen nur Wahlverlierer hinter Schulz.

Legende:
Wähleranteile bei Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 2017 Das sind die Zahlen des vorläufigen Endergebnisses: landtag.nrw.de
Legende:
Gewinne und Verluste bei Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 2017 Die Hochrechnungen im Vergleich zur letzten Landtagswahl 2012 zeigen: Nicht nur die SPD ist abgestürzt, auch die Grünen mussten einbüssen. Für die FDP hingegen hat sich die Oppositionsarbeit gelohnt. (Angaben in Prozent) landtag.nrw.de

Peter Voegeli

Peter Voegeli

Peter Voegeli ist seit Sommer 2015 SRF-Korrespondent in Deutschland. Er arbeitet seit 2005 für Radio SRF, zunächst als USA-Korrespondent, danach als Moderator beim «Echo der Zeit».

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump (Juha Ilkka Stump)
    Sehen wir es doch klar: Es war von Anfang an abzusehen, dass Schulz und seine Partei gegen die "Mutti" nicht ankommen. Ja, es sah zeitweise kritisch aus, als vor zwei Jahren plötzlich mehrere 100'000 ins Land strömten und Angie meinte, wir schaffen das - immerhin ist diese Aussage heute ein Sprichwort -, aber seitdem dieser Strom etwas eingedämmt werden konnte, hat sich die Waagschale wieder zugunsten der "Mutti" und ihrer Partei bewegt.
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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    Das beste am Schulz-Effekt: Martin Schulz hat jetzt gute Routine entwickelt, Niederlagen zu kommentieren.Freue mich schon auf den nächsten (und letzten) Kommentar...
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  • Kommentar von Erich Singer (liliput)
    Es scheint das Herr Schulz für die SPD zum Rohrkrepierer wird. Mit Gabriel wäre es nicht schlimmer geworden. Die Sozi`s verfügen derzeit weit und breit über keinen überzeugenden Kandidaten.
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