Zum Inhalt springen

International Der Ton unter den Republikanern wird bissiger

Gut zwei Wochen vor Beginn der US-Vorwahlen sind sich die republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump und Ted Cruz in einer TV-Debatte heftig in die Haare geraten. Trump wirft Cruz vor, wegen seines Geburtsorts nicht wählbar zu sein. Und Cruz findet, Trump fehlten konservative Werte.

Legende: Video Wortgefecht zwischen Trump und Cruz abspielen. Laufzeit 1:05 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.01.2016.

Die beiden republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump und Ted Cruz liegen im ersten Vorwahlstaat Iowa praktisch gleichauf. Deshalb wird die Debatte darüber, wer als Präsidentschaftskandidat ins Rennen geschickt werden soll, nun deftiger geführt. Die einstigen Verbündeten gehen nun verbal aufeinander los.

So geschehen in einer TV-Debatte, bei der neben dem New Yorker Trump und dem Texaner Cruz noch Senator Marco Rubio (Florida), Ben Carson (Michigan), Jeb Bush (Florida), Chris Christie (New Jersey) und John Kasich (Ohio) zugelassen waren.

Cruz warf dem New Yorker Milliardär Trump fehlende konservative Werte vor. Der Immobilientycoon stehe für die um «Geld und Medien» kreisenden liberalen Werte von Grossstädten wie New York, sagte Cruz in North Charleston. Dazu zähle die Unterstützung von Abtreibung und Homoehe.

Trump nannte diese Äusserungen «sehr beleidigend» – für die New Yorker, die ihre Stadt nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wieder nach vorne gebracht hätten.

«Grosses Fragezeichen über dem Kopf»

Danach zweifelte Trump an, dass Cruz überhaupt die rechtlichen Voraussetzungen für die Präsidentschaft erfülle. Denn der 45-Jährige ist im kanadischen Calgary als Sohn einer US-Bürgerin und eines Kubaners zur Welt gekommen.

Aus Sicht von Cruz sind die US-Gesetze in dieser Sache klar: «Das im Ausland geborene Kind eines US-Bürgers ist von Geburt an US-Staatsbürger.» Trump entgegnete, dass mehrere Verfassungsrechtler anderer Ansicht seien.

Sollte Cruz die Nominierung der Republikaner gewinnen, würden die Demokraten umgehend eine Klage anstrengen. «Über deinem Kopf schwebt ein grosses Fragezeichen», sagte Trump also zu Cruz. «Das kannst du der Partei nicht zumuten.»

Kritik auch von Bush

Und auch der frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, kritisierte Trump. Vor allem für die «verwirrte» Forderung nach einem Einreiseverbot für Muslime in die USA. Ausserdem warnte er davor, dass Trump einen Handelskrieg mit China anzetteln würde. «Das wäre verheerend für unsere Wirtschaft», sagte er. «Wir brauchen jemanden mit einer ruhigen Hand als Präsidenten der USA.»

«Obama hat das Militär geschwächt»

Einig waren sich die republikanischen Präsidentschaftsbewerber in ihrer Kritik am Umgang Obamas mit dem Iran nach der vorübergehenden Festsetzung von zehn US-Marinesoldaten. «Wenn ich als Präsident gewählt werde, wird kein Soldat und keine Soldatin von keiner Nation (...) auf die Knie gezwungen», sagte Cruz.

Chris Christie warf Obama vor, das Militär so geschwächt zu haben, dass «sich unbedeutende Diktatoren wie die Mullahs im Iran unsere Marineschiffe greifen».

Das iranische Militär hatte am Dienstag zwei US-Patrouillenboote aufgebracht, die in iranische Hoheitsgewässer geraten waren. Die Marinesoldaten wurden am Mittwoch nach einer Entschuldigung wieder freigelassen. Das iranische Staatsfernsehen veröffentlichte danach aber erniedrigende Bilder.

Auftakt zum Wahljahr

  • Am 1. Februar macht Iowa den Auftakt bei den Vorwahlen. Diese dauern bis zum Frühsommer.
  • An den Nominierungsparteitagen im Juli küren die Republikaner und Demokraten offiziell ihre Kandidaten.
  • Der neue US-Präsident oder die erste US-Präsidentin wird am 8. November gewählt.
  • Bei den Demokraten gilt Hillary Clinton als grosse Favoritin.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Einfach schade, dass Donald Trump ein derart "polterndes" und oft "unüberlegtes" Auftreten (und mit oft sehr provozierenden Wortwahlen) hat! Wer den politischen Istzustand in den USA einigermassen verfolgt und kennt, kommt schnell zum Schluss: Trump hat im Grunde genommen vollkommen Recht, mit seiner Kritik! Weil er "den Nagel auf den Kopf trifft", ist er selbstverständlich derart bei den Gegnern und Medien unbeliebt und wird zur "Reizfigur"! (Bei uns gibt es genau gleiche "Reizfiguren"!)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Diese keifenden Politexoten, die es zu allen " lausigen Zeiten" gegeben hat, sind die Ergebnisse der schlampigen Politik nicht nur in den USA . Würden die Politiker endlich für die breite Masse eine faire Politik machen und den Reichtum durch gerechte Gesetze unter das Volk bringen, hätten Rattenfänger keine Chance. Auch der zur Zeit weltweite Terror hat den Hintergrund in der Verarmung der Massen . Aufwachen ihr Politiker aller couleur und endlich dem Volk dienen, das hat höchste Priorität .
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Patrik Zbinden (Nick Caraway)
    Bernie Sanders hat keine neutrale Haltung zur Waffen-Frage. Er unterstützt Präsident Obama in seiner Affirmative Action, und fordert als einziger Kandidat ein flächendeckendes Verkaufsverbot von Assault-Rifles. In der Immigrations-Frage vertritt er die progressivste Haltung von allen. Seine "Comprehensive Immigration Reform" fordert unter anderem: Zugang zu Obamacare für Immigranten, Einbürgerung von den ca. 11 Mio. undokumentierten Immigranten, Whistleblower-Schutz ausländischen ArbeiterInnen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Walter Wieser (Walt)
      Da haben sie wohl recht. Fuer die Demokraten zeichnet sich ein riesen Debakel ab. Hillary muss wohl aufgeben, Bernie Sanders, als Person OK aber als Praesident ebenso unfaehig wie unerwuenscht und so bleibt nichts brauchbares mehr uebrig. Vielleicht muessen sie im letzten Moment Biden oder Michelle Obama aktivieren? (Wuerg!) Oder Obama sagt die Wahlen ueberhaupt ab? Alles ist im Moment moeglich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen