«Der Wille des Volkes hat gesiegt»

Wahlsieger Erdogan verspricht der Türkei einen Neuanfang. Er wolle eine «neue Ära» einläuten und den «Streit der Vergangenheit» beilegen, sagte der islamisch-konservative Politiker noch in der Nacht.

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Einschätzungen von SRF-Korrespondentin Ruth Bossart

2:10 min, aus Tagesschau am Mittag vom 11.8.2014

«Ich danke allen Bürgern, ob sie mich gewählt haben oder nicht, die dazu beigetragen haben, Geschichte zu schreiben an so einem historischen Tag», sagte Erdogan in einer Ansprache vor Anhängern in Ankara auf dem Balkon des Gebäudes seiner Partei AKP.

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Erdogan gewinnt Präsidentschaftswahl

1:05 min, aus Tagesschau am Mittag vom 11.8.2014

«Heute hat nicht nur Recep Tayyip Erdogan gewonnen», fügte der Wahlsieger hinzu. «Heute hat der Wille des Volkes einmal mehr gesiegt. Heute hat die Demokratie einmal mehr gesiegt.»

«Sozialer Versöhnungsprozess»

Der 60-Jährige kündigte einen «neuen sozialen Versöhnungsprozess» an. Alle Türken, ganz gleich welcher Herkunft und welchen Glaubens, sollten gleichberechtigte Bürger sein.

Erdogans Amtseinführung ist für den 28. August geplant. Der Politiker blickt auf das schwierigste Jahr seiner 2003 begonnen Regierungszeit zurück. Doch weder landesweite Proteste noch eine beispiellose Korruptionsaffäre oder internationale Kritik an seinem autoritären Regierungsstil vermochten seine Machtstellung ernsthaft zu gefährden.

Türken im Ausland zurückhaltend

Erste Reaktionen auf Erdogans Erfolg fallen zurückhaltend aus. Die Türkische Gemeinde in Deutschland etwa hat sehr reserviert auf den Sieg von Erdogan reagiert. Wenn Erdogan in seinem neuen Amt nicht einen moderateren Kurs als bislang einschlage, seien massive Auseinandersetzungen in der Türkei zu erwarten, sagte der Bundesvorsitzende Safter Çinar in Berlin.

«  Manchmal wachsen Menschen mit ihren Ämtern »

Safter Çinar
Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Deutschlands

Bisher habe Erdogan polarisiert, einen autoritären Führungsstil gezeigt und ein gewisses Demokratieverständnis vermissen lassen. Çinar sagte, er habe keine grosse Hoffnung, dass sich das ändere. «Aber manchmal wachsen die Menschen mit ihren Ämtern.» Kritiker befürchten, dass Erdogan als Präsident seine Macht weiter ausbauen und die Islamisierung der Türkei vorantreiben könnte. Çinar sagte, er teile diese Sorgen.

Klare Mehrheit für Erdogan in Deutschland

Mehr als zwei Drittel der Türken in Deutschland haben bei der Präsidentenwahl für Erdogan gestimmt. Der Staatssender TRT berichtete, der islamisch-konservative Regierungschef sei in Deutschland auf fast 69 Prozent der Stimmen gekommen. Sein wichtigster Herausforderer Ekmeleddin Ihsanoglu habe knapp 24 Prozent der Stimmen erlangt. Der dritte Kandidat Selahattin Demirtas sei auf 7,4 Prozent gekommen.

Die rund 2,8 Millionen wahlberechtigten Auslandstürken hatten erstmals ausserhalb der Türkei abstimmen dürfen. Von der Möglichkeit machten weltweit aber nur rund 8,3 Prozent Gebrauch.

Viele der insgesamt 76 Millionen Türken preisen den früheren Bürgermeister von Istanbul als Vater jenes bemerkenswerten Wirtschaftswachstums, mit dem sich die Türkei international grösseres Gewicht verschafft hat. Auch gilt Erdogan gerade dem streng religiösen Mittelstand als Hüter einer islamischen Ordnung, die wichtiger sei als demokratische Freiheiten.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Auf den Frontseiten aller Zeitungen in der Türkei: Der neue türkische Staatspräsident heist Recep Tayyip Erdogan.

    Die Allmachtsträume des türkischen Staatspräsidenten

    Aus Echo der Zeit vom 11.8.2014

    Der türkische Staatspräsident - bis am Sonntag hiess er Abdullah Gül - wurde ausserhalb des Landes bis jetzt kaum wahrgenommen, doch nun wird in der Türkei alles anders.

    Der neue Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will sich als Präsident nicht auf Repräsentieren beschränken und dem Amt mehr Macht verleihen. Was kommt auf die Türkinnen und Türken zu? Ein Gespräch mit dem freischaffenden Politologen und Turkisten Cemal Karakas.

    Simone Fatzer

  • Der neue türkische Präsident Erdogan mit seiner Ehefrau, am 10. August in Ankara.

    Der neue türkische Präsident strebt nach noch mehr Macht

    Aus Rendez-vous vom 11.8.2014

    Recep Tayyip Erdogan ist neuer türkischer Präsident. Er, der aus einem türkischen Armenviertel stammt, ist damit im höchsten Staatsamt angekommen. Aber er will mehr: Die Türkei soll nun zu einer präsidialen Demokratie werden - nach dem Vorbild der USA.

    Iren Meier