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«Desaströser Deal» Trump verkündet Rückzug aus Atomabkommen mit dem Iran

Legende: Video «Das iranische Regime ist der grösste Terror-Unterstützer» abspielen. Laufzeit 4:23 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.05.2018.
  • US-Präsident Donald Trump hat den Ausstieg der USA aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran verkündet.
  • Teheran habe trotz der Vereinbarung von 2015 sein Streben nach Atomwaffen fortgesetzt, begründete Trump den Entscheid.
  • In seiner Rede kündigte er «schärfste Sanktionen» gegen den Iran an. Zugleich erklärte er sich aber bereit, mit Teheran zu verhandeln.

Trump kritisierte den Iran in seiner Rede scharf und warf dem Regime in Teheran unter anderem Unterstützung von Terrorismus und die Destabilisierung des Nahen Ostens vor. Er verwies auf die Verwicklung der Islamischen Republik in die Konflikte in Syrien und dem Jemen.

Im Herzen des Deals stand eine gigantische Illusion.
Autor: Donald Trump

Der US-Präsident sprach von einem «desaströsen Deal», der im Kern faul sei und den Iran nicht an der Entwicklung von Kernwaffen hindern könne. Bliebe das Abkommen bestehen, würde ein atomares Wettrüsten im Nahen Osten entstehen. «Im Herzen des Deals stand die gigantische Illusion, dass ein mörderisches Regime nur ein friedliches Nuklearprogramm anstrebt», sagte Trump.

Trump zu Verhandlungen bereit

Trump kündigte die Verhängung schärfster Wirtschaftssanktionen an. Iran werde ein neues und langfristiges Abkommen schliessen wollen, sagte Trump voraus. Er sei zu Verhandlungen bereit.

US-Finanzminister Steve Mnuchin erklärte, dass die derzeit ausgesetzten Sanktionen in einer Phase von 90 bis 180 Tagen wieder komplett in Kraft gesetzt würden.

Der US-Präsident fordert seit Monaten, von ihm ausgemachte Schwächen im Vertrag müssten nachverhandelt werden. Unter anderem will Trump, dass Iran sein Atomprogramm auch nach dem Ende der Laufzeit 2025 einschränkt.

Die «New York Times» hatte kurz vor Trumps Rede unter Berufung auf einen Insider berichtet, die Gespräche über einen Fortbestand des Abkommens seien an Trumps Forderung gescheitert, über 2030 hinaus an strengen Grenzen für die iranische Produktion von atomarem Brennstoff festzuhalten. Der Iran hat neuen Verhandlungen eine Absage erteilt.

EU und Iran halten an Abkommen fest

Trotz Trumps Entscheidung will die Europäische Union am Abkommen mit Iran festhalten. «So lange sich Iran an seine nuklearen Verpflichtungen hält – was er bislang tut – wird die EU der vollen Umsetzung des Abkommens verpflichtet bleiben», sagte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini.

Auch der Iran besteht weiter auf dem Abkommen. Trumps Rückzug werde daran nichts ändern, sagte Präsident Hassan Ruhani in einer Fernsehansprache. «Wir haben statt eines Abkommens mit sechs Staaten nun eines mit fünf», sagte Ruhani. «Wir lassen nicht zu, dass Trump diesen psychologischen Krieg gewinnt.»

Der Iran hatte das Abkommen 2015 mit den fünf UNO-Vetomächten USA, Russland, China, Grossbritannien und Frankreich sowie Deutschland vereinbart. Die Islamische Republik verpflichtete sich darin, auf die Entwicklung von Nuklearwaffen zu verzichten und die Überprüfung seiner Atomanlagen zu gestatten. Im Gegenzug hoben westliche Staaten Sanktionen gegen das Land auf.

16 Jahre Atomstreit in 1 Minute

2015 stimmte die Islamische Republik einem Atomabkommen zu. Das Land musste sein Nuklearprogramm drastisch begrenzen. Eine Chronologie des Konflikts.
2002
Erste Hinweise auf ein Atomwaffenprogramm unter dem Deckmantel ziviler Nuklearentwicklung. Es wird der Bau einer unterirdischen Anlage in Natans vermutet.
2003/2004Die Bedenken gegen den Iran steigen. Laut neuen Erkenntnissen soll Teheran bereits seit den 1980er Jahren nicht-deklariertes Uran verwenden.
2003-2008Iran räumt ein, Kontakt zu einem geheimen Technologie-Netzwerk unterhalten zu haben. Nach erfolglosen Verhandlungen werden Ende 2006 Sanktionen verhängt. 2008 weist das Land den Verdacht zurück, an einer Atomwaffe zu bauen.

2007-2010Die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA klagt über mangelnde Kooperationsbereitschaft. Der Iran hatte unter anderem nicht über den Bau des Forschungsreaktors Fordo informiert.
2013
Der neue Präsident Hassan Ruhani will ein Ende der Wirtschaftssanktionen und willigt ein, das Atomprogramm drastisch einzuschränken.
14.7.2015Unterzeichnung des Atomabkommens mit Teheran. Begrenzung des Programms gegen die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen.
2016-2018Donald Trump kündigt an, aus dem Abkommen auszusteigen, respektive es neu verhandeln zu wollen. Die IAEA bestätigt derweil, der Iran halte die Bedingungen ein.
12.1.2018Trump setzt die Atomsanktionen gegen den Iran für weitere 120 Tage aus, fordert für die Zeit nach dem 12. Mai aber eine Anschlussregelung. Die EU will am bestehenden Abkommen festhalten.
8.5.2018Trump kündigt den Ausstieg aus dem Abkommen und «schärfste Wirtschaftssanktionen» gegen den Iran an.

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78 Kommentare

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  • Kommentar von Christina Gehre (Chrisi)
    Ich finde es super, dass Donald Trump sich zurück zieht, weil das Abkommen bringt keinen Frieden in dieser Region. Die Tür steht ja offen, wenn sie sich für Frieden in der Region einsetzen usw . Für die kommenden Wahlen drücke ich den Republikaner die Daumen ! Mögen Sie Gewinnen.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Kriegsmaterial-Produktion - egal welcher abscheulichen Art -, der eine darf, der andere nicht....wer entscheidet hier über Leben und quahlvollen Tod??
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Wer Kriegsmaterial produziert - egal welche - , handelt egostisch, verantwortungs-und skrupellos, da damit vor allem unschuldige Menschen verstümmelt, getötet und ins Elend gebracht werden!! Die Schweiz macht bei diesem profitgierigen Unterfangen aktiv mit!! Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Mächtigen dieser Welt sehr wohl über Atombomben verfügen dürfen (?), andere aber nicht....??
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