Detroit: Eine Stadt hängt am Tropf

Detroit stand für die Automobilindustrie und für Reichtum. Das war einmal. Jetzt kämpft sie ums Überleben. Nun will Michigans Gouverneur Rick Snyder die Stadt unter Zwangsverwaltung stellen.

Detroit zeichnet sich heute durch die Leerflächen aus.

Bildlegende: Aus der «Motor City» wurde die «Empty City»: Detroit zeichnet sich heute durch Leerflächen aus. Reuters

Einst war sie die reichste Stadt der USA. Heute kämpft Detroit ums Überleben. Die Stadt im Bundestaat Michigan hat in den letzten Jahren einen beispiellosen Niedergang erlebt. Ihre Finanzen sind in einem desolaten Zustand. Um eine Pleite abzuwenden, soll Detroit für eine Weile unter Zwangsverwaltung gestellt werden.

Nur gerade eine Stunde dauerte gestern die öffentliche Anhörung. Es war die letzte Chance für die Stadt Detroit. Vertreter der Stadtverwaltung durften darlegen, warum Michigans Gouverneur Rick Snyder die «Motor City» nicht unter Zwangsverwaltung stellen soll. Das ist nämlich seine Absicht.

Detroit erstickt an den Schulden

Die Vertreter der Stadt bestritten nicht, dass es Detroit finanziell schlecht geht. Das wäre auch unglaubwürdig gewesen. Ein Defizit von fast einer Milliarde Dollar und Schulden von 15 Milliarden erdrücken Detroit.

Die Vertreter der Stadtverwaltung argumentierten: Es dauert halt, bis die ergriffenen Massnahmen Wirkung zeigen. Der Bundesstaat habe lange zugeschaut, widersprach der Vertreter jener Kommission, die die Zwangsverwaltung empfohlen hatte. Wenn jetzt nicht geschehe, sei Detroit Ende Jahr pleite.

Gähnende Leere in Mitten der Stadt

Eine harte Analyse für eine einst stolze Stadt. Früher boomte sie dank der Autoindustrie. Der Niedergang begann nicht erst mit der Krise 2008. Doch diese habe den Niedergang beschleunigt, sagt Mark Binelli, Autor eines Buchs über Detroit: «Es gibt mitten in der Stadt Flächen, da wächst einem das Gras bis zur Taille.» In einigen Quartieren stünden bloss Häuser statt ganzer Hausreihen. Die Leerfläche in Detroit sei insgesamt so gross wie die Innenstadt von Paris, sagt er.

Der Autor Mark Binelli.

Bildlegende: Mark Binelli ist Autor des Buches «Detroit City Is the Place to Be: The Afterlife of an American Metropolis.» zvg

Die Leere kennzeichnet Detroit heute. Und sie ist der Grund für die Finanzprobleme. Viele Menschen sind in die Vorstädte gezogen. Zurück blieben jene, die sich einen Umzug nicht leisten konnten. Arme Leute sind schlechte Steuerzahler.

Die Einnahmen der Stadt versiegten. Doch die Verpflichtungen blieben. Detroit versank in Schulden. Fortschritte? Bisher keine. Es droht eine Herabstufung des Kredit-Ratings von Detroit und zugleich des gesamten Bundesstaates Michigan.

Ohne Investitionen keine Auferstehung

Deshalb erwägt Gouverneur Snyder die Zwangsverwaltung. Die gestrige Anhörung wird ihn kaum umstimmen. Er hat das letzte Wort.

Detroit-Kenner Binelli geht von einer Zwangsverwaltung aus. Für ihn ist die Zukunft der Stadt allerdings nur gesichert, wenn zu den Sparübungen noch frisches Geld dazukommt.

«Wenn man die Detroit wieder aufbauen will, muss man auch bereit sein, zu investieren», sagt Binelli. Doch von Investitionen in die einst stolze «Motor City» höre man momentan überhaupt nichts.

prus;luek