Deutsch-griechischer Gipfel: Zurück zum Dialog

Mit Spannung war der offizielle Antrittsbesuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in Berlin erwartet worden. Konkrete Ergebnisse zur Lösung der Griechenland-Krise brachte dieser jedoch nicht.

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Militärische Ehren für Tsipras in Berlin

0:20 min, vom 23.3.2015

Beiden Seiten sei an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gelegen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am frühen Abend bei einer gemeinsamen Medienkonferenz: «Wir möchten, dass Griechenland wirtschaftlich stark ist und Wachstum hat.» Sie sei jedoch lediglich die Regierungschefin eines von vielen Ländern der Euro-Gruppe und könne deshalb keinerlei Zusagen machen.

Für die Bewertung der griechischen Reformpläne seien die «Institutionen» zuständig, sagte Merkel. Sie vermied es dabei geflissentlich, die Bezeichnung «Troika» zu verwenden.

Auch von Alexis Tsipras gab es nur sehr Allgemeines zu hören. Tsipras bot Deutschland eine neue Form der Zusammenarbeit an. «Wir müssen uns besser verstehen», sagte er in Berlin. «Es gibt keinen anderen Weg als den des Dialogs, um bestehende Schwierigkeiten zu überwinden.»

Tsipras unterstreicht den Reformwillen

Zugleich warnte Tsipras beide Seiten vor weiteren gegenseitigen Schuldzuweisungen. «Weder sind die Griechen Faulenzer, noch sind die Deutschen Schuld an den Übeln und den Missständen in Griechenland. Wir müssen hart daran arbeiten, diese schrecklichen Stereotypen zu überwinden.»

Tsipras versprach auch «umfangreiche Strukturreformen». Griechenland sei es in den vergangenen fünf Jahren nicht gelungen, seine eigenen Probleme zu lösen. «Es gibt auch interne Ursachen für die enorme Krise in Griechenland. Wir müssen einen neuen politischen Mix erreichen, um diese Übel zu beseitigen.»

Reparationszahlungen noch nicht ganz vom Tisch

Die Fragen rund um den griechischen Zwangskredit an Nazi-Deutschland, einer Wiedergutmachung sowie von Reparationen seien für Griechenland in erster Linie nicht materieller Art, sondern ein «ethisches, moralisches Thema», betonte Tispras. Dies habe nichts mit der Schuldenkrise zu tun. Völlig vom Tisch ist die Forderung für athen aber offenbar noch nicht.

Aus Sicht der der Bundesregierung ist der Fall politisch und rechtlich abgeschlossen. Vielen Deutschen sei das Unrecht und Leid, das Griechenland durch die Nazi-Willkür erfahren habe, aber wohl «nicht mehr so gewärtig, wie es sein sollte».

Daran müsse gearbeitet werden: «Deutschland nimmt diese Aufgabe, dieses Bewusstsein wachzuhalten und auch nicht beiseite zu stellen, sehr, sehr ernst.» Zu einer diskutierten Aufstockung des deutsch-griechischen Zukunftsfonds seien keine Entscheidungen gefallen, sagte Merkel. Über diesen Fonds bleibt also quasi eine Hintertür für mögliche Entschädigungszahlungen offen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Am 19. März sassen Alexis Tsipras und Angela Merkel bereits einmal am gleichen Tisch.

    Zwei Welten prallen aufeinander - im deutschen Kanzleramt

    Aus Echo der Zeit vom 23.3.2015

    Bundeskanzlerin Angela Merkel und der griechische Premier Alexis Tsipras treffen sich erstmals offiziell. Das Verhältnis Deutschlands zu Griechenland wird oft gleichgesetzt mit jenem Europas zu Griechenland - als ob Berlin alleine diktieren würde, was zu geschehen hat.

    Ein Gespräch mit Nikolaus Blome, er leitet das Hauptstadtbüro des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel».

    Simone Fatzer

  • Der andere Blick auf das griechische Drama

    Aus ECO vom 16.3.2015

    «Die Troika ist Geschichte», verkündete Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras nach seinem Wahlsieg. Was haben diese Beamten, zusammengestellt aus IWF, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission, erreicht? Die einen sehen in der Troika die harte Hand, die Griechenland dringend brauchte, um die Folgen der verheerenden Klientel-Politik der letzten Jahrzehnte zu meistern. Deutsche Filmemacher präsentieren nun die andere Version. Sie zeichnen das Bild von Beamten ohne jede öffentliche Kontrolle, die Griechenland eine fragwürdige Politik aufzwangen.