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International Deutsche Bahn blitzt vor Arbeitsgericht ab

Zugausfälle, überfüllte Wagen, genervte Pendler – zum sechsten Mal in drei Monaten haben die Lokführer in Deutschland am Morgen die Arbeit niedergelegt. Die Bahn will das nicht so stehen lassen. Sie bemüht nun die Gerichte – bisher erfolglos.

Legende: Video Kontroverse um Lokführerstreik abspielen. Laufzeit 2:34 Minuten.
Aus 10vor10 vom 06.11.2014.

Der längste Lokführerstreik in der Geschichte der Deutschen Bahn ist seit dem frühen Morgen in vollem Gang. Nach dem Güterverkehr bleiben auch im Fern- und Regionalverkehr und zum Teil bei der S-Bahn die Züge stehen. Die Bahn spricht von massiven Beeinträchtigungen im Personenverkehr. Nun ist den Verantwortlichen der Geduldsfaden gerissen.

Die Bahn zog vor das Arbeitsgericht Frankfurt/Main. Mit einer einer einstweiligen Verfügung wollte man den Lokführerstreit gerichtlich beenden lassen. Doch damit ist man vorerst abgeblitzt. Das Gericht schlug den Streitparteien einen Vergleich vor.

Streikverbot schwebt weiter im Raum

Aber Lokführergewerkschaft und Bahn legten ihren Streit auch auf Drängen des Gericht nicht bei. Die Gewerkschaft und der Konzern konnten sich nicht auf Eckpunkte eines Kompromisses einigen. Deshalb wird das Arbeitsgericht noch am Abend entscheiden, ob der Streik der Lokführer rechtmäßig ist.

Streik bedroht auch andere Branchen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die Bahn zuvor aufgefordert, gegen den Streik vor Gericht zu ziehen: «Eine Klage wegen Unverhältnismässigkeit des Streiks ist im Interesse der Bahnkunden, der Beschäftigten und der Aufrechterhaltung der Güterversorgung in Deutschland geboten.»

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Adrian Arnold abspielen. Laufzeit 1:51 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.11.2014.

Diese Einschätzung des Streikumfangs ist auch aus anderen Wirtschaftskreisen zu vernehmen. So müssen sich Auto- und Lkw-Fahrer wegen der Ausfälle im Güterverkehr spätestens am Wochenende darauf einstellen, dass das Benzin an einigen Tankstellen knapp werden könnte – zumindest nach Einschätzung der Logistikbranche.

Verbindungen aus der Schweiz betroffen

Die GDL will mit dem Streik im Tarifkonflikt mit der Bahn den Druck erhöhen. Sie fordert für die Beschäftigten mehr Geld, eine kürzere Arbeitszeit und will neben den Lokführern auch das übrige Zugpersonal in Verhandlungen vertreten, für das bislang aber die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft verhandelt. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge für einzelne Berufsgruppen verhindern.

Vom Streik ist auch die Schweiz betroffen. «Im Moment gehen wir davon aus, dass rund die Hälfte der Züge ab Basel Richtung Deutschland ausfallen werden», sagte SBB-Sprecher Reto Schärli. «Ab Bregenz, die Linie Zürich-München, werden mehr Züge betroffen sein. Auch die Züge der Linie Zürich-Stuttgart werden an der Grenze enden.»

Die Alternativen

FernbusDeutsche Omnibus-Unternehmer sprachen während des letzten Bahnstreiks vom «besten
Fernbus-Wochenende» seit Öffnung des Marktes Anfang 2013.
Mitfahrgelegenheiten Der ADAC-Mitfahr-Club hatte zum Zeitpunkt des letzten Streiks 16 Prozent mehr
Anfragen. Die Nutzerzahlen stiegen um 25 Prozent.
TaxiDa wäre noch viel Platz frei. Von Köln bis
München war der Tenor bei Taxifahrern: Die Leute kommen gar nicht erst zum
Bahnhof.
AutovermieterAuch die Autovermieter profitieren vom Streik: Beim letzten mal waren die Marktführer ausgebucht.
FluglinienDie Fluglinien dürfen mit einem sehr guten Last-Minute-Geschäft rechnen.

24 Kommentare

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  • Kommentar von Markus bach, Basel
    Neuer Arbeitsvertrag mit fairem (angepasstem) Lohn und einem Streikverbot. Und wer sich dann noch so anstellt kann sich einen anderen Job suchen!
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    1. Antwort von Charles Dupond, Vivis
      Das hatten wir in der Schweiz schon in den Dreissigerjahren, als die mit dem Generalstreik von 1918 eingeleiteten Schliessung der Grenzen fuer Lohndoemper und Streikbrecher ohne Familienbande zu Schweizern, kleinen Lohnerhoehungen und bescheidenen Verkuerzungen der Arbeitszeit auf 48 Stunden an 6 ganzen Tagen endlich zu greifen begannen unterschriebenen "Friedens'abkommen, das dem Lohnsklaven sein einziges wirksames Verteidigungsmittel fuer ein Linsengericht aus der Hand schlug....
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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Auch im "wichtigsten" (und bis jetzt noch finanzkräftigsten) EU-Land, scheinen Gerichts-Entscheide sich ebenfalls immer mehr vom "Volkswillen" zu entfernen! Millionen von Menschen und Tonnen von Güterfracht in Deutschland, werden nicht befördert! Die rücksichtslose Sturheit dieser extremen Untergewerkschaft (GDL), verstehen sogar die Grossgewerkschaften im wichtigsten "EU-Geberstaat" längst nicht mehr! Doch die Richter entscheiden "nach dem Buchstaben" und segnen das Transport-Chaos ab!
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    1. Antwort von Werner Bussmann, Carspach
      Ich denke ein Gericht hat sich nach dem Gesetzt zu verhalten und nicht nach dem Volkswillen.
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    2. Antwort von Charles Dupond, Vivis
      @Bussmann: Bingo. Und erst recht nicht nach den Anmassungen von Finanzkonzernponzen und deren marionettierten Politgaengstern gegen die gesetzlichen Restrechte des Volkes, das nicht nur in Deutschland noch zur Mehrheit aus Lohnsklaven besteht....
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  • Kommentar von A. Waser, Zürich
    Ist doch klar, dass hier keine Lösung gefunden wird: In Deutschland herrscht ja seit geraumer Zeit nur wieder die altbekannte Machtpolitik!
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