Zum Inhalt springen

International Deutsche Einheit: Demonstranten pöbeln gegen Regierung und Gäste

In Dresden haben mehrere hundert fremdenfeindliche Demonstranten die geladenen Politiker beim Empfang zur Einheitsfeier in Dresden lautstark beschimpft. Derweil warb Bundestagspräsident Norbert Lammert für ein selbstbewusstes, optimistisches und weltoffenes Deutschland.

.
Legende: Aiman Mazyek (Mitte), Chef des Zentralrates der Muslime, kann nur mit Hilfe des Staatsschutzes den Bahnhof verlassen. twitter/@bachmann3

Trillerpfeifen-Konzert und aggressive Stimmung: Mehrere hundert Menschen haben die geladenen Politiker beim Empfang zur zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden lautstark beschimpft.

Die Demonstranten, vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses, riefen vor dem weiträumig abgesperrten Verkehrsmuseum «Volksverräter», «Haut ab» und «Merkel muss weg». Auch Trillerpfeifen ertönten. Unter den Gästen waren Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Zu den Demonstranten gehörte auch der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann. Augenzeugen sprachen von einem Spiessrutenlauf für die Gäste und Politiker, die auf dem Weg zu den Feierlichkeiten waren. Die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig brach in Tränen aus, als sie durch die aufgebrachte Menge ging. Ein dunkelhäutiger Mann, der zum Gottesdienst wollte, wurde mit «Abschieben»-Rufen empfangen.

Ruck-Rede an Jammer-Deutsche

Bundestagspräsident Norbert Lammert meinte in seiner Rede zum Tag der deutschen Einheit, dass das heutige Deutschland nicht perfekt sei, aber besser als je zuvor.

«Das Paradies auf Erden ist hier nicht. Aber viele Menschen, die es verzweifelt suchen, vermuten es nirgendwo häufiger als in Deutschland», sagte Lammert beim zentralen Festakt in der Dresdner Semperoper mit Blick auf die hunderttausenden Flüchtlinge im Land.

Personen auf einem Balkon in der Semperoper in Dresden.
Legende: Bundestagspräsident Norbert Lammert (3.v.r.) fordert an der Rede zum Tag der deutschen Einheit mehr Zufriedenheit. Keystone

Er monierte, dass die Deutschen das Bild ihres eigenen Landes viel zu negativ zeichneten. «Wir können und dürfen durchaus etwas mehr Selbstbewusstsein und Optimismus zeigen», sagte er. Deutschland könne sich «durchaus eine kleine Dosis Zufriedenheit» erlauben, wenn nicht sogar ein «Glücksgefühl». Das heutige Deutschland sei sicher nicht perfekt, aber in besserer Verfassung als je zuvor.

An der Einheitsfeier nahmen Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und mehrere hundert weitere geladene Gäste teil. Lammert rief in seiner Festrede dazu auf, Zuwanderung als Chance für mehr Vielfalt zu begreifen.

Er erinnerte daran, dass auch Deutsche während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu Flüchtlingen wurden, und warb für eine weltoffene Gesellschaft. «Dieser Staat, dessen Einheit wir heute feiern, unsere Gesellschaft, kann und will Möglichkeiten eröffnen, ein Leben in Frieden und Freiheit zu führen.»

Höchste Sicherheitsvorkehrungen

Lammert wandte sich in seiner Rede auch direkt an die Demonstranten. «Diejenigen, die heute besonders laut pfeifen und schreien und ihre erstaunliche Empörung kostenlos zu Markte tragen, die haben offenkundig das geringste Erinnerungsvermögen daran, in welcher Verfassung sich diese Stadt und dieses Land befunden haben, bevor die deutsche Einheit möglich wurde», sagte er.

Die Feiern finden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Mit rund 2600 Beamten sichert die Polizei die Veranstaltungen ab. «Um Zugang der Ehrengäste zu den Protokollveranstaltungen am Neumarkt zu gewährleisten, mussten Personen zurückgedrängt werden», teilte die Polizei via Twitter mit.

Demonstration angekündigt

Sachsens Ministerpräsident und Bundesratspräsident Stanislaw Tillich empfing die hochrangigen Gäste vor dem Verkehrsmuseum mitten in der historischen Altstadt, wo sie sich in das Goldene Buch der Stadt eintrugen. Anschliessend gingen sie in die Frauenkirche, wo ein Ökumenischer Gottesdienst stattfand. Zur Stunde findet der offizielle Festakt in der Semperoper statt.

Pegida-Anhänger hatten bereits im Vorfeld angekündigt, während des Festes sicht- und hörbar zu sein. Zudem wollen sie am Nachmittag demonstrieren. Auch das mittlerweile mit ihnen verfeindete rechte Bündnis «Festung Europa» will gegen die Flüchtlingspolitik protestieren.

102 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Zu dem Foto gibt es eine kurze Filmaufnahme: "Dresden: Pegida Bachmann stellt Obermufti Mazyek zur Rede" Herr Bachmann wollte von Herrn Mazyek eine Stellungnahme zum radikalen Islam. Da ist Herr Mazyek dann davon gelaufen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beatrice Mayer (signorinetta)
    Wer ein anderes Bild von der Realität bekommen will, als die von den Systemmedien ( Hofberichterstattung ) bekommen will, lese "Populistischer Mummenschanz zum Tag der Einheit" von Alexander Wallasch
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Michael Räumelt (Wirtschaftskanzlei)
      Frau Mayer, das wäre ja die Wahrheit... und das geht hier im Forum überhaupt nicht.Die SRF Netiquette erlaubt hier sogar, das man pers.Beleidigungen in Kauf nehmen muss, wenn man Zitate kommentiert.Aber so funktioniert es halt....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      Der Bericht zeigt die angeblich unabhängige Presse: "Familienbetrieb Kaddor? Public Private Partnership? Öffentlich-rechtlicher Rundfunk?"
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Urs Müller (Confoederatio)
      Ihr "Lesetipp" ist ähnlich wertvoll wie die Kolumnen von Markus Somm. Eine eigene Sicht der Dinge. Nicht mehr nicht weniger.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    All das ist das Ergebnis der gegenwärtigen "Spalterpolitik" der Regierung. Sie hat D gespalten. Leider gehört solch ein Umgang in D mittlerweile zur Normalität. Dort wird ein Bürgermeister angepöbelt, Andersdenkende werden als "Pack" etc. diffamiert. Wer sind denn nun die Guten und wer die Bösen? Die Antwort hierzu ist schnell gefunden, man gehe da einfach nach dem Verursacherprinzip vor.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen