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Vorwurf der Terrorpropaganda Deutsche Journalistin in der Türkei verhaftet

Legende: Audio Klima der Repression in der Türkei abspielen. Laufzeit 4:16 Minuten.
4:16 min, aus Rendez-vous vom 12.05.2017.
  • Eine deutsche Journalistin sitzt seit dem 6. Mai im Istanbuler Frauengefängnis, wie die ARD berichtet.
  • Mesale Tolu sei bereits am 30. April festgenommen worden.
  • Laut dem Bericht drang eine Anti-Terror-Einheit gewaltsam in Tolus Wohnung ein, wo die Frau und ihr zweieinhalbjähriger Sohn schliefen.
  • Ihr wird Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen, wie es weiter heisst.
  • Die Deutsche mit türkischen Wurzeln arbeitete für die linksgerichtete türkische Nachrichtenagentur Etha als Übersetzerin, wie die Firma mitteilt.
Porträtaufnahme Tolus mit dunklem langen Haar, lächelnd.
Legende: Mesale Tolu. ZVG

Laut tagesschau.de hatte Tolu 2007 die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und die türkische daraufhin abgegeben. Das türkische Nachrichtenportal Diken berichtete, Tolu sei im Zuge einer Razzia gegen 16 Personen festgenommen worden, die für Etha und linke politische Organisationen arbeiten.

Zahlreiche Journalisten sitzen in der Türkei in Haft, darunter der deutsch-türkische Deniz Yücel, der als Korrespondent für die Zeitung «Welt» arbeitete. Ihm werden Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Er war im Februar festgenommen worden.

Deutsche Regierung fordert Zugang

Die deutsche Regierung fordert von der Türkei Zugang zu Tolu. Die Türkei habe Deutschland nicht über den Fall informiert. Das sei völkerrechtswidrig. Bislang hätten die türkischen Behörden nicht auf die Bitte reagiert, deutsche Diplomaten Tolu zwecks konsularischer Betreuung besuchen zu lassen, sagte Regierungssprecher Martin Schäfer in Berlin.

Auch Online-Chef von «Cumhuriyet» festgenommen

Die türkische Polizei hat den Online-Chef der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» festgenommen. Oguz Güven ist in Istanbul in Gewahrsam genommen und zur Befragung ins Polizeipräsidium gebracht worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. Güven gab seine Festnahme auch selbst über den Online-Dienst Twitter bekannt. Laut Anadolu wurde Güven wegen eines Berichts über den Tod des ranghohen Staatsanwalts Mustafa Alper festgenommen. Im April hatte die Staatsanwaltschaft gegen 19 Journalisten und Mitarbeiter der Zeitung Anklage erhoben, unter ihnen der Chefredaktor Murat Sabuncu, der Kolumnist Kadri Gürsel, der Karikaturist Musa Kart und der Investigativjournalist Ahmet Sik.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Bernhard Bizer (Avidya)
    .....der Druck auf die türkische Regierung muss drastisch erhöht werden. Trotz völkerrechtswidrigem Verhalten und wiederholten Menschenrechtsverletzungen bleiben Reaktionen der deutschen Behörden eher harmlos. Jede weiche Reaktion, versteht Erdogan als Aufforderung seine Vorhaben weiter voranzutreiben.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Das Auswärtige Amt muss mit Hochdruck auf die konsularische Betreuung der Journalistin Mesale Tolu drängen. Statt mit der türkischen Regierung über die Verbesserung der bilateralen Beziehungen zu parlieren, muss Aussenminister Gabriel das rechtsstaatswidrige Vorgehen Ankaras gegen die deutsche Journalistin in aller Schärfe zurückweisen. Die gegen Mesale Tolu erhobenen Vorwürfe der Terrorpropaganda sind wie im Fall des inhaftierten Welt-Journalisten Deniz Yücel ganz offensichtlich konstruiert.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Nimmt mich wunder, was die Anti-Terror-Einheit mit dem zweieinhalb Jahre alten Kind gemacht hat! Die Frau hätte man gut zusammen mit ihrem Kind des Landes verweisen können und damit beiden unnötige traumatische Erfahrungen erspart. Darüber hinaus darf man davon ausgehen, dass sie nichts "verbrochen" hat, was sie womöglich selbst gefährdet hätte, denn sonst hätte sie ihr Kleinkind wahrscheinlich in Deutschland gelassen.
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      sie musste bei ihrer Verhaftung das Kind bei den Nachbarn abgeben. Die sie gar nicht kannte...(Spiegel )
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