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Deutschland hat gewählt Deutsche Grüne geben der Union einen Korb

Deutschland wird keine schwarz-grüne Regierung erhalten. Die Grünen wollen mit der CDU/CSU gar nicht erst über ein Regierungsbündnis verhandeln. Die Absage bringt Kanzlerin Merkel in eine heikle Lage.

Grünen-Chefin Claudia Roth und ihr Parteikollege Jürgen Trittin hinter einer Fensterscheibe.
Legende: Grünen-Chefin Claudia Roth und ihr Parteikollege Jürgen Trittin, hier vor dem zweiten Sondierungsgespräch mit der Union. Keystone

«Nein, danke!»: Das sagen die Grünen in Deutschland der CDU/CSU. Sie wollen mit der Union gar nicht erst über eine mögliche Regierungskoalition verhandeln. Zu gross seien die Gegensätze, hiess es nach langen Beratungen.

Die Verhandlungen seien bemerkenswert offen und sachlich gewesen – und auch sehr intensiv, sagten die Vertreter der CDU/CSU und Grünen-Chefin Claudia Roth. Trotzdem seien sie zum Ergebnis gekommen, ihrem Parteitag zu empfehlen, keine Koalitionsverhandlungen aufzunehmen, erklärte Roth.

Die bisher scharfe Polemik zwischen Union und Grünen sei bei den Verhandlungen zwar nicht mehr zu spüren gewesen, räumte Roth ein. Um eine tragfähige Basis für eine vierjährige Regierungszusammenarbeit zu legen, habe es jedoch nicht gereicht. Die Möglichkeiten für eine allfällige spätere Zusammenarbeit seien jedoch offen.

Absage stärkt SPD

Das Nein der Grünen bringt die CDU/CSU nun in den Zwang, sich mit der SPD zu arrangieren. Und die wiederum ist der Union gegenüber bisher mit sehr hart vertretenen Positionen aufgefahren. Die Sozialdemokraten insistieren auf einem gesetzlich festgeschriebenen, landesweit geltenden Mindestlohn. Sie verlangen nachdrücklich Änderungen in der deutschen Europa-Politik und anderes mehr – was die Union bisher entschieden ablehnt. Sie ist jetzt aber auf die Sozialdemokraten angewiesen. Das Nein der Grünen stärkt die SPD und verengt den Handlungsspielraum der Union.

Drei mögliche Varianten

Sollte sich die CDU/CSU auch mit der SPD nicht einigen können, gäbe es theoretisch drei Möglichkeiten. Entweder eine rot-rot-grüne Koalition der SPD mit Grünen und Linkspartei. Eine solche wird kaum zustande kommen, nachdem sich sowohl Grüne wie SPD im Wahlkampf klar dagegen ausgesprochen hatten.

Zweitens wäre eine Minderheitsregierung der CDU denkbar. Das schliesst Angela Merkel aber klar aus. Oder es gibt Neuwahlen. Daran haben aber alle drei Parteien kein Interesse, weil sie damit riskieren, dass die Euro-Kritiker der Alternative für Deutschland (AfD) und die FDP wieder in den Bundestag einziehen könnten. Das wollen sie alle nicht. Deswegen ist wohl damit zu rechnen, dass sich die Union und die SPD am Ende doch zusammenraufen werden.

Zugeständnisse an SPD nötig

Am Donnerstag wollen sich Merkels Union und die SPD zu einem letzten Sondierungsgespräch treffen. Am Sonntag sollen die Sozialdemokraten an einem Parteikonvent darüber entscheiden, ob detaillierte Verhandlungen über eine Koalition aufgenommen werden. Bis dahin wird die Union der SPD substanzielle Zugeständnisse machen müssen, sonst könnte sie am Montag mit leeren Händen dastehen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Nico Basler, Basel
    Angst vor der Verantwortung, Frau Roth und Herr Trittin?
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  • Kommentar von Herr Lüscher, Suhr
    Ich tippe auf Neuwahlen.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Jetzt zahlt es sich aus, dass es in Deutschland rechts der 'sogenannt' konservativen Mitte, nur noch die FDP, die Wirtschaftspartei, gab, alles 'noch' Rechtere gehört ja sowieso in DE bereits zu den bekämpfenswerten Rechts-Extremen. Auch kein Wunder, aus ehemaligen Kommie's wurden ja auch etwas 'dunklere' Sozie's, mit denen sich die politische Mitte zusätzlich nach links verschob. Geschieht den Bürgerlichen recht, Selbstverleugnung zwingt sie nun, mit den 'echten' politischen Gegnern zu regieren
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Es ist keine Selbstverleugnung sondern die Geschichte mit zwei desaströsen Weltkriegen, weshalb die Deutschen dem Rechtspopulismus keine Chance mehr geben. Der Erfolg der Deutschen gibt ihnen recht. Und die SPD bekannte sich schon in der Weimarer Republik zur Marktwirtschaft und hat sich nie von den Kommunisten abgespaltet.
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      Wobei man auch sagen muss, dass die CDU unter Merkel dermassen nach links abgedriftet ist, dass es sich dabei inzwischen einfach um eine weitere SPD handelt. Wo unterscheiden sich CDU und SPD heute noch, ausser dass erstere den EU-Beitritt der Türkei und die doppelte Staatsbürgerschaft ablehnt und keinen Mindestlohn will? - Merkel hat doch eigentlich mehr Differenzen mit CSU-Seehofer als mit Gabriel.
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