Rücktrittswelle bei Deutschlands Grünen

Im Zuge der Wahlschlappe bei den Grünen in Deutschland gibt nun auch Fraktionschef Jürgen Trittin seinen Rücktritt bekannt. Er ist nicht der erste, der bei der Partei einen Führungsposten räumt.

Das Gesicht Jürgen Trittins liegt in Falten, er schaut gequält sein Gegenüber an.

Bildlegende: Entscheidung: Noch-Fraktionschef der Grünen Deutschland, Jürgen Trittin, will von seinem Posten zurücktreten. Keystone

Zuerst Volker Beck, Renate Künast, Claudia Roth und jetzt Jürgen Trittin: Der Fraktionschef gab bekannt, dass er seinen Posten zur Verfügung stellen will. Es könnte der Beginn eines Generationswechsel sein, meinte Trittin.

In die Fussstapfen von Renate Künast will Katrin Göring-Eckart treten. Sie galt als Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl.

Vizepräsidium im Visier

Am Tag zuvor hatte Künast verkündet, sie wolle nicht mehr für das Amt der Fraktionsvorsitzenden kandidieren. Sie habe diesen Entschluss bereits vor Längerem getroffen und bei einem Treffen der Abgeordneten ihres «Realo-Flügels» auch schon mitgeteilt. Sie wolle stattdessen für das Amt der Bundestags-Vizepräsidentin antreten. Dies nachdem Volker Beck mitteilte, er wolle seinen Posten als Parlamentarischer Geschäftsführer niederlegen.

Den Hut nahm gleichentags auch Claudia Roth. Die Noch-Parteichefin will offenbar im Herbst nicht erneut für das Vorsitzendenamt kandidieren, sondern wie Künast Bundestagsvizepräsidentin werden.

Dem Druck nachgegeben

Kurz nach der Wahlschlappe am Wochenende wollte Trittin noch nichts wissen von einem Rücktritt. Der Druck auf ihn sei nun aber zu gross geworden, sagt Casper Selg, SRF-Korrespondent in Berlin. Der ehemals starke Mann bei den Grünen reiht sich ein in die Reihe an Rücktritten bei der Partei.

«Das heisst aber nicht, dass alle Zurückgetretenen auch 'zurückgetreten' bleiben», erklärt Selg. «Es wird einige geben – zum Beispiel Cem Özdemir – der wieder antreten wird.» Der bisherige Co-Parteichef an der Seite von Claudia Roth habe bereits durchblicken lassen, sich erneut als Parteichef bewerben zu wollen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Der Grüne Boris Palmer ist Oberbürgermeister der Stadt Tübingen.

    Die deutschen Grünen vor einem Generationenwechsel?

    Aus Echo der Zeit vom 24.9.2013

    Die deutschen Grünen sind weiterhin im Bundestag vertreten, aber sie haben Federn gelassen, so viele, dass die grüne Führungsspitze zurücktritt. Kommt nun die Kehrtwende - von der SPD hin zur Union? Gespräch mit Boris Palmer, dem grünen Tübinger Oberbürgermeister.

    Ursula Hürzeler