Abschied ist ein scharfes Schwert

Eindrücke unserer Deutschland-Korrespondenten vor der Wahl. Stefan Reinhart blickt zurück auf die Personalien der Regierung Merkel II.

Vier Jahre haben sie zusammen gekämpft, zusammen gefeiert, zusammen auch einige Male verloren: Die schwarz-gelbe Bundes-Regierung hat eine turbulente Legislatur hinter sich.

Kanzlerin Angela Merkel bei der letzten Kabinettssitzung vor der Wahl am Sonntag.

Bildlegende: Wer geht, wer bleibt? Kanzlerin Angela Merkel bei der letzten Kabinettssitzung vor der Wahl am Sonntag. Keystone

Heute trifft sich das Kabinett Merkel II zum letzten Mal zur gemeinsamen Sitzung – nach der Wahl wird es wohl ein Kabinett Merkel III geben. Wikipedia-Freaks freuen sich schon darauf, dieses Kapitel im Online-Lexikon zu öffnen. Fast alles deutet darauf hin, dass Merkel auch in den nächsten Jahren Kanzlerin der Bundesrepublik sein wird, entweder wieder mit der FDP, schwarz-gelb – oder aber mit den Sozialdemokraten, schwarz-rot.

Für einige Minister könnte die Regierungszeit nach der Wahl vorbei sein. Familienministerin Schröder von der CDU wird sich wohl zurückziehen, Innenminister Friedrich wackelt und auch für einige FDP-Minister ist wohl bald Schluss. Dirk Niebel zum Beispiel, der Entwicklungs-Minister, hat sich in den letzten vier Jahren innerhalb seiner Partei praktisch nur Feinde gemacht – er wird wohl weg sein.

Auf den Online-Portalen laufen seit heute Bewertungs-Listen: Am besten schneidet Finanzminister Schäuble ab, ganz schlecht kommt Vizekanzler und FDP-Chef Rösler weg.

Abschied also ist ein scharfes Schwert – ein paar Männer und eine Frau mussten dies schon vor der Wahl erleben. Der Personalverschleiss von Kanzlerin Merkel war gross. Wir erinnern uns an Karl-Theodor zu Guttenberg, der über seine Doktorarbeit stoperte. Bildungsministerin Annette Schavan sagte damals, sie schäme sich «nicht nur heimlich» für ihren Kabinetts-Kollegen. Knapp zwei Jahre später musste sie ebenfalls gehen, ebenfalls wegen einer nicht ganz lupenreinen Dissertation.

Wir erinnern uns auch an Bundespräsident Christian Wulff: Er, der Merkel-Mann, musste nach einem wochenlangen, quälenden Hin und Her gehen. Der Grund: der Vorwurf der Bestechlichkeit. Im November beginnt nun der Prozess gegen ihn. Viel ist nicht hängen geblieben strafrechtlich: Es geht um rund 500 Euro. Der Vorwurf der Vorteilsnahme steht im Raum. Menschlich ist der Fall für Wulff eine Tragödie: Seine Ehe scheiterte daran. Scherben überall.

Nun aber die Wahl, es wird spannend. Die Nervosität ist mit Händen zu greifen in der Hauptstadt.

«Berliner Notizen»

Stefan Reinhart und Casper Selg

Unsere Korrespondenten Stefan Reinhart (Fernsehen) und Casper Selg (Radio) berichten für Radio und Fernsehen aus Deutschland. In den «Berliner Notizen» schildern Sie Ihre persönlichen Eindrücke aus dem Wahlkampf.