Last-Minute-Umfrage: Merkel bangt um Koalitionspartner FDP

Am Sonntag wird in Deutschland gewählt. Letzte Umfragen sehen Merkels Koalitionspartner nur bei knapp über 5 Prozent. Nun geht die Kanzlerin für die FDP auf Stimmenfang.


Letzte Umfrage vor den Wahlen

2:10 min, aus HeuteMorgen vom 20.09.2013

Noch drei Tage bis zur Entscheidung. Die beiden Spitzenkandidaten jetten durchs Land und treten auf wo immer sie können. Steinbrück zählt immer wieder die Versprechen seiner Partei auf: «Sie kriegen die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern – aber nur mit der SPD, nicht mit den andern.»

Angela Merkel tut dasselbe, aber sie fügt seit Neuestem etwas bei. Denn Merkels CDU hat ein Problem mit ihrer Koalitionspartnerin, der FDP. Diese liegt in den Umfragen ganz nah am Abgrund, riskiert an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern und aus dem Bundestag auszuscheiden.

Angela Merkel an einem Rednerpult.

Bildlegende: Angela Merkel will Kanzlerin bleiben. Keystone

Deswegen bittet sie die Wähler der CDU jetzt, die Zweitstimme – also die Stimme auf dem Wahlzettel, mit der die Parteienstärke im Parlament berechnet wird – der FDP zu geben. So will sie die bisherige Koalition der Liberalen mit der CDU retten.

Das aber würde Merkels Partei entscheidend schwächen, und so fügt die Kanzlerin jetzt ihrer Rede am Ende immer hinzu: «Mit der zweiten Stimme helfen Sie mit, dass ich weiter Ihre Kanzlerin sein kann.»

Jeder kämpft für sich

Merkel will auch die Zweitstimmen bei der CDU behalten. Es kämpfen jetzt nicht mehr Schwarz-Gelb und Rot-Grün je für gemeinsame Regierungen, jetzt kämpft jeder für sich selber.

Die CDU liegt nach der gestrigen Umfrage noch immer mit 40 Prozent klar in Führung. Aber das reicht nicht, um alleine zu regieren. Der Partner FDP liegt trotz der Zweitstimmen-Bettelei immer noch bei nur 5,5 Prozent. Das ist bitter wenig.

Die SPD auf der anderen Seite hat sich auf 27 Prozent verbessert. Aber ihr Partner, die Grünen, liegen mit neun Prozent im Keller. Das würde gemeinsam bei weitem nicht reichen, um eine Regierung zu bilden.

Umstrittene Umfrage

So wie die Dinge jetzt liegen, gibt es eine hauchdünne Mehrheit für CDU/CSU-FDP oder aber eine grosse Koalition CDU/CSU-SPD. Nur: Noch immer seien 35 Prozent der Befragten unentschlossen, wen sie wählen wollen, zeigt diese Umfrage.

Die ist äusserst umstritten. Die Kritik: So knapp vor der Wahl können Umfragen das Wahlergebnis direkt beeinflussen.

Als anschauliches Beispiel wieder FDP und CDU: Dass die FDP immer noch so schlecht dasteht, könnte ihr durchaus wesentlich mehr Zweitstimmen von der CDU eintragen, als wenn man davon nichts gewusst hätte. Bei der CDU hat man sich jedenfalls über diese Zahlen nicht gefreut. Trotz 40 Prozent auf dem eigenen Konto. Noch.

Ergebnisse auf einen Blick

Ergebnisse auf einen Blick

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Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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