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Deutschland hat gewählt TV-Duell: Merkel sympathisch, Steinbrück zänkisch

Drei Wochen vor dem Wahltag ging am Sonntagabend das einzige TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück über die Bühne. Gemäss Zuschauerumfragen zeigte sich Steinbrück angrisslustiger – Merkel dafür sympathischer. Das war's aber auch schon.

Legende: Video Das deutsche TV-Duell abspielen. Laufzeit 1:31 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 01.09.2013.

Ein Millionenpublikum vor dem Fernseher und zwei Spitzenpolitiker, die Rede und Antwort standen. Für CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihren Herausforderer Peer Steinbrück von der SPD war das TV-Duell die einzige Möglichkeit, sich in einem Rededuell zu profilieren. Gemäss den unterschiedlichen Expertenberichten vermochte weder Merkels noch Steinbrücks Auftritt jedoch, deutliche Spuren zu hinterlassen. «Zu sachlich», bis auf wenige Ausnahmen «ohne Highlights» oder schlichtweg «langweilig» lauteten die Verdikte der Experten.

Steinbrück klagt an

Spannend wurde es zuweilen, als Steinbrück Merkel Wahlkampf-Ankündigungen ohne inhaltliches Fundament vorwarf: «Das sind ja alles schöne Schachteln, die Frau Merkel ins Schaufenster gestellt hat», sagte der SPD-Politiker. «Mich bewegt die Vorstellung von einem Land, das aus dem Stillstand herauskommt», so der SPD-Politiker.

Er forderte die Deutschen auf, sich von Merkel nicht einlullen zu lassen. Sie sitze viele Probleme aus: «So kann man Zukunft nicht gewinnen», sagte Steinbrück.

Merkel verteidigt ihre Politik

Die CDU-Chefin liess das nicht auf sich sitzen und konterte: «Wir haben gezeigt, dass wir es können.» Bei der Wahl am 22. September gehe es um die Frage: «Wem können die Menschen mehr vertrauen, dass es Deutschland weiter gut geht?»

Den Menschen gehe es besser als vor vier Jahren. Die christlich-liberale Regierung habe vor allem die Euro-Schuldenkrise gut gemeistert. «Deutschland ist Wachstumsmotor und Stabilitätsanker», sagte Merkel. Zuvor sagte sie bereits: «Was wir (finanzpolitische Koalition) gemacht haben in den vergangenen vier Jahren, ist ja relativ sensationell.»

Legende: Video Angela Merkel: «Unterschiedliche Konzepte wurden sichtbar» abspielen. Laufzeit 0:14 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 01.09.2013.

Merkel betonte, sie wolle die Koalition mit der FDP in den nächsten vier Jahren fortsetzen.

Nach dem TV-Duell zeigte sich die Kanzlerin gelassen. Zu SRF-Korrespondent Stefan Reinhart in Berlin sagte sie: «Ich bin zufrieden. Ich glaube, es war für alle Menschen in Deutschland wichtig zu schauen, wie die unterschiedlichen Konzepte sind.»

Worum geht es den beiden?

In der Syrienkrise waren sich Steinbrück und Merkel einig: Ein internationales Mandat für eine Reaktion auf den mutmasslichen Giftgaseinsatz des Assad-Regimes sei notwendig. Beide betonten: Deutschland werde sich nicht beteiligen.

Eine Antwort der Staatsgemeinschaft sei aber notwendig. «Das ist ein wahnsinniges Verbrechen», sagte Merkel und ergänzte: «Es muss ein politischer Prozess in Gang kommen.»

In der NSA-Ausspähaffäre erhob Steinbrück erneut den Vorwurf, Merkel habe ihren Amtseid verletzt, Schaden für die Bundesrepublik abzuwenden. Das millionenfache Abfischen von Daten durch den US-Geheimdienst National Security Agency sei nach wie vor ungeklärt.

Die Kanzlerin betonte, sie habe keinen Anlass, den Versicherungen der USA und Grossbritanniens zu misstrauen, die Geheimdienste beider Länder hielten sich an deutsches Recht. Natürlich sei aber Vertrauen durch die Vorgänge um die NSA verloren gegangen, räumte Merkel ein.

Zuschauer hin- und hergerissen

Während die Zuschauer der ARD fanden, der SPD-Kanzlerkandidat habe das Duell für sich entschieden: 49 Prozent fanden ihn überzeugender als seine Kontrahentin Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin sahen 44 Prozent als Siegerin.

Anders sieht dies das ZDF: Laut der Forschungsgruppe «Wahlen für das ZDF» ist Merkel für 40 Prozent der Befragten als Siegerin aus dem TV-Duell hervorgegangen. 33 Prozent fanden Steinbrück besser. 27 Prozent der Zuschauer konnten keinen Gewinner ausmachen konnten. Ähnlich empfanden es jene Personen, die das Duell auf RTL mitverfolgten. Wer also genau vorne lag, ist nicht klar. Klar ist: Es war knapp.

Umfragen für CDU

In den Umfragen liegen Merkels Christdemokraten weit vor Steinbrücks Sozialdemokraten. Für die Regierungskoalition insgesamt ergab sich zuletzt ein hauchdünner Vorsprung vor der Opposition aus SPD, Grünen und Linkspartei.

Top-Tweets zum einzigen #TV-Duell vor der #btw13 (Bundestagswahl)

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Alles zur Bundestagswahl am 22. September finden sie hier.

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Petra von Mayerhofen, Rüdesheim
    Wenn man sich deutsche Ärzteblätter anschaut und Pflegefachzeitschriften stelle ich immer wieder fest, dass es darin nur so wimmelt von Schweizer Spitälern die um Deutsche Ärzte werben, und um Pflegefachpersonal. Warum nur? Und dann diese Hetze hier, traurig ,traurig, traurig
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  • Kommentar von Norbert E., Heidelberg
    Jorge Stein, Chêne-Bougeries: Sie setzen Hitler in eine Linie mit Luther, Bismarck und Wilhelm II. was eigentlich sehr dumm ist. Was ist an Luther schlimmer als an Zwingli und (Massenmörder) Calvin und was an Bismarck schlimmer als an Garibaldi? Preußen führt scheinbar immer böse Kriege, die anderen immer die guten. Übrigens hat den 1870er Krieg Frankreich erklärt und die meisten deutschen Staaten waren im 66er Krieg auf Seiten Österreichs. Historie ein bischen objektiver betrachten.
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  • Kommentar von Norbert E., Heidelberg
    Immer wieder das deutsch-schweizerische Geplänkel. Die Schw. Gesetze gelten in der Schweiz, die deutschen in D.. Das müssen eben beide akzeptieren. Ich finde es traurig, dass sich etliche Schweizer und Deutsche so aneinander abarbeiten. Und immer wieder der Bezug zum Dritten Reich. Was ist denn "typisch" deutsch und was "typisch" Schweiz? Wir Deutsche sind nicht alle kühle Fischköppe oder "militaristische" Preußen. Da gibt es auch noch Bayern, Schwaben und lustige Pfälzer oder Äppelwoi-Hessen.
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