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Deutschlands Regierung Wer schluckt die grössten Kröten in der grossen Koalition?

Nun sind die Grundzüge der neuen Regierung bekannt. SRF-Korrespondent Peter Voegeli beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

Legende: Audio Deutschland hat nun eine Regierung. abspielen. Laufzeit 08:14 Minuten.
08:14 min, aus Echo der Zeit vom 07.02.2018.

Wie stabil ist die Regierung, die heute vorgestellt wurde? Die SPD hat angekündigt, nach zwei Jahren Zwischenbilanz zu ziehen. Es ist aber gewissermassen eine Übergangsregierung. Sie hat eine Sollbruchstelle, und diese ist bei Angela Merkel. Falls sie wackelt, wackelt alles.

Ist diese Regierung das, was die Wähler im September wollten? Rechnerisch waren nur zwei Koalitionen möglich, nämlich die so genannte Jamaika-Koalition und die grosse Koalition. Es herrscht trotzdem eine gewisse Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Diese hat nach zwölf Jahren genug von Merkel. Zwar ist es ihnen gut gegangen unter der Kanzlerin. Aber die Kanzlerin hat zu wenig kommuniziert, gerade in der Flüchtlingspolitik.

Wer hat für diese Regierung die grössten Kröten schlucken müssen? Die CDU. Doch es gilt zu unterscheiden zwischen der CDU und der Kanzlerin. Für die Kanzlerin haben sich die Kompromisse gelohnt.

Wie reagieren die übrigen Parteien auf diese Einigung? Die AfD nennt die CDU nur noch eine Hülle, die FDP spricht von der Selbstaufgabe der CDU, um das Kanzleramt zu behalten und die Grünen sagen, es gebe zwar gute Einzelpunkte, aber die ganze Sache sei lust- und visionslos. Die Linken sehen die SPD dabei, sich selber das Grab zu schaufeln. Das ist alles überspitzt, aber es hat auch einen wahren Kern.

Nun müssen noch die über 450'000 SPD-Mitglieder zustimmen. Ist das eine Formsache? Nein. Es ist fraglich, ob dieser Vertrag und das Postengeschacher eines Martin Schulz die Gegner einer grossen Koalition überzeugen kann.

Was, falls die SPD-Mitglieder Nein sagen? Dann hat Deutschland eine Krise. Ob Angela Merkel unter diesen Bedingungen nochmals antreten würde, ist offen. Dann würden die Karten ganz neu gemischt.

Peter Voegeli

Peter Voegeli

Peter Voegeli ist seit Sommer 2015 SRF-Korrespondent in Deutschland. Er arbeitet seit 2005 für Radio SRF, zunächst als USA-Korrespondent, danach als Moderator beim «Echo der Zeit».

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Der Windfahnen-Politiker Schulz muss sich nicht fürchten: Die SPD-Basis wird dieser "Kröte" zustimmen! Die Angst vor Neuwahlen (bei der die AfD nochmals zulegen könnte!) ist bei den Genossen viel zu gross! Diese reziproke Koalitionsregiering wird es so oder so äusserst schwierig haben, mit diesen verschiedenen Meinungen lange überleben zu können!
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  • Kommentar von Kari Raeschter (K. Raeschter)
    Solange die SPD an dem Zeitklassen Politiker Martin Schulz als Chef festhält, wird sie weiter Wählerstimmen verlieren und untergehen. Da gibt es nur die Lösung, Martin Schulz als Parteichef abzusetzen. So oder so wurde das Deutsche Wählervolk verraten, indem man einfach weiter macht wie vor den Wahlen. Man hätte sich die Wahlen sparen können oder muss den Mut haben, Neuwahlen auszurufen, welche dann ziemlich sicher ein klareres Wahlresultat ergeben würden.
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  • Kommentar von ely berger (verve)
    Himmutruurig, was die Politik so bietet. "Leipziger Volkszeitung": "Möglich wurde dieses Bündnis aus fünf Gründen: Erstens, weil FDP-Chef Christian Lindner die tödliche Umarmung der Kanzlerin noch mehr fürchtete als die Stilkritik seiner Frau. Zweitens, weil man dem Wort des SPD-Chefs so weit trauen darf, wie man ein Klavier werfen kann. Drittens, weil Merkel für die Operation vierte Amtszeit ohne Rücksicht auf Verluste Kabinettsposten und Positionen der CDU geopfert hat..." 2. = "Gassenhauer"
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