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International Die 6 wichtigsten Akteure beim Griechenland-Poker

Der Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen europäischen Geldgebern wird von einer guten Handvoll Politikern bestimmt. Das sind die wichtigsten Akteure.

 Eine Ein-Euro-Münze liegt in Berlin für eine Fotoillustration auf einem Tisch. (keystone)
Legende: Griechenland braucht dringend weitere Milliardenkredite, lehnte bisher aber zahlreiche Forderungen der Gläubiger ab. Keystone

Die griechische Regierung

In Griechenland pocht Regierungschef Alexis Tspiras auf eine Lockerung der strikten Sparvorgaben der europäischen Geldgeber. Der wichtigste Mann seines Syriza-Bündnisses für die Finanz-Verhandlungen dürfte der erfahrene Ökonom und Vizeregierungschef Giannis Dragasakis sein. Er war 1989 für kurze Zeit in einer Übergangsregierung stellvertretender Wirtschaftsminister. Dragasakis findet seit Ausbruch der Finanzkrise, der griechische Schuldenberg sei nicht tragbar. Es müsse einen Schuldenschnitt geben.

Offiziell wurden die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern zunächst vom griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis geführt. Der Wirtschaftsprofessor löste aber mehrfach Eklats aus, provozierte mit markigen Sprüchen und nervte seine Kollegen in der Eurogruppe mit philosophischen Vorträgen, statt sich auf konkrete Zahlen festzulegen. Ende April zog Tsipras die Konsequenzen, Varoufakis wurde als Unterhändler aus dem Verkehr gezogen. Seine Position in der Rolle des Chefkoordinators übernahm stellvertretende Aussenminister Euclides Tsakalotos.

Jeroen Dijsselbloem, Repräsentant der Eurogruppe

Der niederländische Finanzminister ist der offizielle Repräsentant der 19 EU-Länder, die die Gemeinschaftswährung eingeführt haben. Er übernahm den schwierigen Job mitten in der Euro-Schuldenkrise 2013.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank

Der italienische Wirtschaftswissenschaftler ist als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) im Hintergrund einer der wichtigsten Akteure bei der Griechenland-Rettung. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben und die Geldpolitik zum Spielball der Regierungen – vor allem der Krisenstaaten – gemacht zu haben.

IWF-Chefin Christine Lagarde

CDie französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Ohne den IWF geht bei der Griechenland-Rettung nichts. Allein das aktuelle Hilfsprogramm ist 28 Milliarden Euro schwer. Der IWF schliesst weitere Verzögerungen bei den fälligen Rückzahlungen Griechenlands aus.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker

Der EU-Kommissionspräsident übernahm in den vergangenen Monaten eine Vermittlerrolle. Ein Versuch, die Basis für eine Abmachung der Eurogruppe über das griechische Reformpaket zu legen, scheiterte vor einer Woche. Als früherer Euroretter und Eurogruppenchef gilt Juncker als einer der wenigen, die bei der Griechenland-Rettung jedes Detail verstehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble

Ihre klar Devise: Keine Leistung ohne Gegenleistung – europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. Merkel betont stets, dass sie Athen in der Eurozone halten will. Schäuble bekräftigt, Europa und die Eurozone funktionieren nur, wenn Regeln eingehalten werden.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Jens-Ingo Lehminger, Schaffhausen
    Manche sagen ja, dass im Falle eines Schuldenschnittes für Griechenland und der dadurch entstehenden Fälligkeit von Haftungsverpflichtungen Frau Merkels Kurs des Im-Euroraum-Haltens von Griechenland gescheitert wäre. @srf.ch-Wirtschaftsredkation: Kann das so vollständig gelten? Die Frage stellt sich mir, weil für mich ja auch ein Schuldenschnitt zumindest "so etwas" wie eine weitere Hifeleistung zu den bereits gewährten Krediten hinzu wäre. Danke im Voraus!
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  • Kommentar von Heiko Rach, Meersburg
    Litauen zahlt ja auch für Griechenland und hat in der Runde der 6 auch was zu sagen. Litauens Präsidentin sagte heute über Griechenland folgendes: "Wir sehen ein Land, das schlemmen möchte und sich von anderen das Geld für die Feier geben lassen möchte". Das sagt alles.
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    1. Antwort von B. Rosenberg, Meersburg
      @Rach: Banken und Hedgefonds gaben den Griechen billiges Geld, mit dem Wissen, dass diese die Schulden nicht mehr zurückbezahlen können und selbige ihr Geld trotzdem wieder mit Gewinn zurückbekommen. Hinter dem ganzen steckt System. GR muss z.B. sein Tafelsilber unter Druck der Troika verkaufen, dass sich genau dieselben Hedgefonds Parasiten zu einem Schrottpreis unter den Nagel reißen. Das Vermögen einiger weniger wächst genau so schnell, wie die Staatsschulden vieler Länder auf dieser Welt.
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    2. Antwort von m.mitulla, Meersburg
      Ja, das sehe ich genauso, B.Rosenberg. Und weiter: Um die Investoren und deren hochspekulativen Investitionen zu schützen, werden Freihandels- und Dienstleistungsverträge im Geheimen ausgehandelt. So können ganze Länder ausgenommen werden (s.Argentinien). Tsipras musste zuhanden der US-Administration bereits eine Liste abliefern mit Staatsbetrieben, die zu privatisieren seien. Der Hafen von Piräus scheint da ein Leckerbissen für Finanzhaie zu sein...
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  • Kommentar von Christa Wüstner, Reinach
    Vor 2 Tagen schrieb ich, warum vertritt Varoufakis immer andere und verschiedene Meinungen gegenüber der ausländischen Presse. Jetzt bestätigt sich das, und er ist nicht mehr dabei. Das war ein guter Schritt von Tsipras. Vor allem seine letzte Aussage, erst wenn man ihnen in Brüssel entgegenkommt, macht er Reformvorschläge. Also erst Geld und dann Reformen.
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