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Jürg Eglin vom IKRK «Die Bedingungen im Südsudan sind extrem schwierig»

Legende: Audio IKRK-Delegationsleiter Jürg Eglin berichtet aus Südsudan abspielen. Laufzeit 06:45 Minuten.
06:45 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die UNO warnt vor einer akuten Hungersnot im Südsudan.
  • Im jüngsten Land der Welt tobt seit Jahren ein brutaler Bürgerkrieg.
  • IKRK-Delegationsleiter Jürg Eglin sagt, eine richtige Lösung müsse aus der Politik kommen.

SRF News: Wie schlimm ist die Situation im Südsudan?

Jürg Eglin: Es sieht in vielen Teilen des Landest nicht gut aus. Die Leute leiden, sie haben Hunger, sie können ihre Grundbedürfnisse nicht decken. Das sind die Folgen des Bürgerkrieges, der hier seit 2013 tobt.

Legende: Video 100'0000 Menschen droht Hungerstot abspielen. Laufzeit 01:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.02.2017.

Führen die Bürgerkriegsparteien ihre Kämpfe trotz des Hungers fort?

Leider sieht man wenige Verbesserungen in der politischen Situation. Die Anzeichen auf Frieden sind eher schlecht. Seit 2015 besteht ein Friedensabkommen, es wird aber schlecht umgesetzt.

In den letzten Monaten wurde dieses Abkommen zunehmend verletzt. Das bedeutet neue Kämpfe, mehr Flüchtlinge und mehr Tote.

Welche Gebiete sind betroffen?

Die Krisengebiete liegen vor allem im Norden. Dort war die Nahrungsmittelproduktion des letzten Jahres sehr schlecht. Man kann die Situation aber nicht darauf reduzieren. In anderen Gebieten wie dem Süden oder dem Zentrum des Landes ist es vor allem der Krieg, der für die schlechte Situation verantwortlich ist.

Die Leute sind also auch im Süden direkt betroffen?

Soldaten sitzen auf einem Jeep
Legende: Im Südsudan tobt seit Jahren ein blutiger Bürgerkrieg. (Bild vom 16. Oktober 2016) Reuters

Die Leute sind im ganzen Land direkt betroffen. Die Wirtschaft hat stark gelitten. Es gab eine enorme Inflation. Die Preise erlauben es den Leuten nicht mehr, ihre Grundbedürfnisse zu decken.

Ist es für Sie trotz des Krieges möglich, die Menschen zu versorgen?

Die Bedingungen sind extrem schwierig. Es ist ein Kampf, unsere Operation jeden Tag aufrechtzuerhalten. Wir können aber noch arbeiten und werden es auch weiterhin tun

Wie konkret?

Beispielsweise werfen wir im grossen Stil Nahrungsmittel über Dörfern ab. Wir kümmern uns aber auch um Kriegsverletzte und arbeiten im Bereich Landwirtschaft und Fischerei, um den Leuten längerfristig zu helfen.

Kann im Südsudan eine noch grössere Katastrophe verhindert werden?

Wir hoffen das natürlich und wir geben dafür unser Bestes. Wir, wie auch andere Organisationen, arbeiten im Südsudan, um das Schlimmste zu verhindern. Die wirkliche Lösung ist aber politischer Natur und wir hoffen, dass dort Verbesserungen herbeigeführt werden.

Lohnt sich Ihre Arbeit überhaupt?

(Lacht) Natürlich lohnt sie sich. Unsere Arbeit hat hier kurzfristig sehr direkte Auswirkungen. Längerfristige Lösungen kommen aber nicht von uns. Wir sind eine humanitäre Organisation und machen hier unseren Job. Aber wir können leider nicht die ganze Situation verändern.

Das Gespräch führte Romana Costa

Jürg Eglin

Ein Portrait von Jürg Eglin
Legende: IKRK

Jürg Eglin ist Delegationsleiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Südsudan.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Und bald haben wir noch mehr Menschen die fliehen.. aus HUNGER und wegen Krieg.. und wer liefert die Waffen....
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Mich würde ein seriöser Dokufilm wirklich sehr interessieren. Darüber nämlich, wie es sich in so einem Kriegsgebiet leben lässt. Sagen wir mal, die Begleitung einer ganzen Familie über längere Monate hinaus. Was machen sie in den Alltagen? Was sind ihre Gedanken, Gefühle, Ängste, Hoffnungen? Vor allem die Frauen, die sich normalerweise nicht äussern können. Wie definiert sich Arbeit, Bildung, Nächstenliebe in dieser Umgebung? Wie sind die Unterkünfte eingerichtet? Usw. Wäre eine gute Info.
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Gefühle,Hoffnungen, Gedanken treten da in den Hintergrund. Bei so einem Elend schaltet man ab, da gibt es nur noch einen Gedanken, wie überlebe ich den heutigen Tag,wie halte ich durch. Und schon das wird In Apathie untergehen, weil keine Kraft mehr vorhanden ist.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Innerhalb einer 1/2 h habe ich kurz in mehreren Quellen regergiert. Dabei habe ich den Eindruck, das ethnische Gründe wie oft ein Vorwand sind. Einer der grossen aktiven Gruppen, die SLPA, hatte das Vergnügen, von den USA bis 2008 vom lieben G:W: unterstützt zu werden. Sie wurden in Kenia umfangreich in diversen Kampfstrategien und Waffengattungen trainiert. Regierungstruppen vergreifen sich ebenso an Bürgern. So sitzen die betroffenen Menschen zwischen allen Stühlen.
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